Herr Schuh, wie viele Lehrer fehlen im Augenblick an ihrer Schule und wie sieht es nächstes Schuljahr aus?

Aktuell fehlen uns vier Lehrkräfte. Für das kommende Jahr sieht es aber jetzt schon positiver aus und wir sind gerade auf dem besten Weg, dass wir im kommenden Jahr an unserer Schule wieder voll besetzt sind.

Die Bertelsmann Stiftung hat vor ein paar Monaten ausgerechnet, dass die Zahl der Schüler in den kommenden 13 Jahren stark ansteigen wird. Lehrerverbände forderten mehr Personal: Wie gut ist die Grund- und Werkrealschule Eichberg für diese Zukunft gewappnet?

Nach dem aktuellen Stand werden wir im kommenden Jahr wieder gut versorgt sein. Eine langfristige Zukunftsprognose kann hier aber eigentlich kein Schulleiter geben, da man nie weiß, wie die Personalentwicklung in der Zukunft sein wird.

Praktisch alle Schulen im Schulamtsbezirk Villingen-Schwenningen/Rottweil klagen über zu wenige Lehrer für die Grundschulen. Ist das ein kollektives Versagen?

Ich denke, dass dies auf gar keinen Fall ein kollektives Versagen ist. Es gibt ja auf jeden Fall Lehrkräfte auf dem Markt. Das Problem ist eher, dass viele junge Lehrkräfte nicht die Vorteile der ländlichen Region sehen. Wenn ich mir anschaue, wie man hier im ländlichen Raum mit den Schülern arbeiten kann, dann ist das wirklich einfach schön. Auch der ländliche Raum als Lebensmittelpunkt hat sehr viele Vorteile. Das Problem ist aber, dass viele nach dem Studium gerne an ihrem Studienort bleiben möchten. Und daher zieht es sehr viele Lehrkräfte zum Beispiel nach Freiburg. Dies finde ich persönlich sehr schade, da ich mich damals speziell für diesen ländlichen Raum entschieden habe und es bis heute auch nicht bereut habe.

Wie kann es überhaupt zu einem Lehrermangel kommen, wo doch die Zahl der Pensionierungen bekannt ist?

Wie schon erwähnt, liegt das Problem bei der Gebietswahl der jungen Lehrkräfte. Viele entscheiden sich nur für die Großstadtgebiete und nehmen im ländlichen Raum erst gar keine Stelle an. Dies kann ich nicht verstehen, da der ländliche Raum, wie schon erwähnt, viele Vorteile hat. Es wundert aber auch, wie viele es sich leisten können, eine Stelle einfach so abzusagen. Diese Entwicklung finde bedenklich.

Rheinland-Pfalz schließt Grundschulen, um die durchschnittliche Lehrerversorgung zu verbessern. Ist das ein Weg für Baden-Württemberg oder sogar für Blumberg?

Nein, dies ist keine Lösung, da die kleinen Grundschulen benötigt werden, um den Kindern in der Nähe die ersten Schuljahre zu ermöglichen.

Um das Problem ansatzweise in den Griff zu bekommen, setzt die baden-württembergische Landesregierung nun verstärkt auf den Einsatz weiterer Gymnasiallehrer. Wer sich verpflichtet, drei Jahre an einer Grundschule zu unterrichten, bekommt eine Einstellungszusage fürs Gymnasium. Das klingt doch gut. Ist dieser Weg erfolgsversprechend?

Ob dieser Weg erfolgsversprechend ist, kann man zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch nicht sagen. Als erster Schritt ist es für den Moment eine praktikable Lösung, aber auf lange Sicht gesehen sollten natürlich wieder Lehrkräfte gefunden werden, die die Ausbildung für den Bereich Grundschule haben und die sich aus persönlicher Überzeugung für den ländlichen Raum interessieren.

Wenn Sie eine Anzeige schalten könnten, in der sie eine Lehrerstelle an ihrer Schule bewerben: Was würde da drinstehen?

Gesucht wird eine Lehrkraft, die für ihren Beruf lebt und es sich gleichzeitig vorstellen kann über viele Jahre hier im ländlichen Raum eine nette Schülerschaft zu erfolgreichen Abschlüssen zu führen. Bei Interesse bitte unbedingt melden.

Fragen: Holger Niederberger