Riedöschingen – Sein Einfamilien-Haus in Riedöschingen mit einer Einliegerwohnung hat Klaus Meilhammer mit seiner Familie vor 16 Jahren gebaut. Von seiner Terrasse am Franzenberg 12 sieht er auf den Riedöschinger Ortskern mit der St. Martinskirche und dem Pfarrhaus, und er sieht auf den Bereich um den Fürstenberg mit dem Windrad, wo künftig zwölf Windräder entstehen sollen. Er sieht darin keinen Nutzen, für ihn würde dadurch nur die Landschaft verschandelt. Was ihn stört: Andere Techniken neben der Windkraft würden nicht oder ungleich weniger gefördert, den Leuten werde vorgegaukelt, es gebe nur Atomkraft oder Windräder. Er kann sich sehr wohl andere Lösungen vorstellen, eine Alternative praktiziert er mit seiner Familie selbst.

  • Für die Heizung beim Hausbau hat sich der gebürtige Hondinger, der durch Heirat nach Riedöschingen kam, eine Wärmepumpe installieren lassen. Denn eines war ihm schon damals klar: Um die Umwelt zu schützen, wollte er keine fossilen Brennstoffe wie Holz, Kohle oder Öl, das damals billiger war als die Wärmepumpe. Ein bisschen Holz nehme er allerdings für den Kachelofen.
  • Suche nach Alternativen: Intensiv hatte Klaus Meilhammer sich über Alternativen informiert. Pellets kamen für ihn nicht in Frage, unter anderem wegen der Wartung, er wollte eine möglichst wartungsfreie Heizung.
    In den Gesprächen auf Messen sowie mit dem Blumberger Heizungsbauer Klaus-Dieter Müller und Hansjörg Kraus, dem Technischen Betriebsleiter der Energieversorgung Südbaar (ESB), kam er auf die Erdwärme, und die Familie entschied sich dafür. Die drei gehörten nach Angaben von Klaus Meilhammer zu den Ersten im Raum Blumberg, die Erdwärme nutzten.
  • Das Prinzip der Wärmepumpe erklärt Klaus Meilhammer so: Die Wärmepumpe funktioniere ähnlich wie ein Kühlschrank. "Ein Kühlschrank entzieht die Wärme im Inneren und gibt sie nach außen ab", wodurch die gekühlten Lebensmittel im Kühlschrank länger haltbar bleiben. Die Wärmepumpe entziehe dem Erdreich die Wärme durch zwei Erdbohrungen und gebe diese Wärme über einen Wärmetauscher an einen Wasserspeicher ab. Das warme Wasser nutzt die Familie zum Heizen und für das Brauchwasser. Zugute kam der Familie der Sondertarif der ESB für Wärmepumpen von neun Cent pro Kilowattstunde.
  • Die Wärmepumpe läuft heute noch, in den 16 Jahren fielen nur einmal 400 Euro Wartungskosten an. Im Laufe der Zeit verteuerte sich jedoch der Strompreis auf mehr als das Doppelte, was umso mehr zu Buche schlug, weil die vierköpfige Familie Meilhammer im Jahr circa 8500 bis 9000 Kilowattstunden Strom verbraucht, mehr als das Doppelte eines normalen Vier-Personen-Haushalts, dessen Verbrauch bei 3500 bis 4000 Kilowattstunden liege. Der Mehrverbrauch resultiert durch die Wärmepumpe, die im Jahr 4500 Kilowattstunden Strom für Heizung und Brauchwasser braucht. Wobei Klaus Meilhammer mit 4000 Kilowattstunden Strom 1600 Kilowattstunden Wärme erzeugt, wie er sagt.
  • Um die gestiegenen Stromkosten, auch bedingt durch das Erneuerbare Energiengesetz (EEG), zu kompensieren, installierte die Familie Meilhammer vor circa fünf Jahren eine kleine Photovoltaik-Anlage auf dem Westdach. Die Strompreise stiegen weiter. Als Klaus Meilhammer vor drei Jahren einen Carport baute, installierte er auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von bis zu drei Kilowatt Peak, zum einen für den Stromverkauf, aber auch mit der Option, den erzeugten Strom selbst zu nutzen.
  • Die Strompreise stiegen weiter. Von dem Elektriker Daniel Reichle im Ort, den der persönlich kannte, ließ Klaus Meilhammer sich ein Angebot für einen Batteriespeicher mitsamt einer Photovoltaik-Anlage auf dem Ostdach rechnen. Das Ergebnis: Bei Investitionen von 32 546 Euro würde sich das Ganze im Jahr 2026 refinanzieren, ab dort würde die Familie ihren Batteriespeicher und die Photovoltaik-Anlage mit Gewinn betreiben. Die Anlage wurde gebaut, der Batteriespeicher hat eine Kapazität von zehn Kilowattstunden, die für Heizung und den Haustrom ausreichen, wie Meilhammer erklärt. Zupass kamen der Familie noch 5000 Euro Fördergelder von der Kreditbank für Wiederaufbau für den Batteriespeicher, was die Zeit für die Refinanzierung noch verkürzt.
  • Die Bilanz: Im Jahr 2016 hätten sie rund 55 Prozent des im gesamten Jahr benötigten Stroms selbst erzeugt, wobei der Hauptverbrauch die Wärmepumpe im Winter sei. Ohne die Wärmepumpe läge die Autarkie also die energetische Unabhängigkeit der Familie, bei 70 bis 80 Prozent. Die weitere Planung sieht den Austausch der noch gut funktionierenden Wärmepumpe durch eine neue, effektivere Pumpe vor, die rund 25 Prozent weniger Strom verbrauche, womit der abgedeckte Stromverbrauch von 55 auf circa 70 Prozent steigen würde. Kostenpunkt: circa 6000 Euro, wobei Klaus Meilhammer einen großen Teil über ein Förderprogramm finanzieren will.
  • Alternative zur Windkraft: Klaus Meilhammer ist gegen den Windpark auf der Länge und dem Ettenberg, weil er aus seiner Sicht unnötig sei. Eine Investition in Batteriespeicher für die Häuser wäre seiner Meinung nach viel günstiger und umweltschonender, wobei bei den Windrädern noch gar nicht eforscht sei, wie sie auf den Menschen wirkten. Sein Wunsch: "Dass die Bürgermeister von Blumberg, Donaueschingen, Hüfingen und Bräunlingen sich zusammentun und gemeinsam für das Wohl der Bürger der Südbaar kämpfen."

Ein Bürger, der sich gründlich informiert

Das ist die Einleitung

  • Klaus Meilhammer: Der 50-Jährige wuchs in Hondingen mit fünf Geschwistern auf, er ist verheiratet, die Familie hat zwei Kinder im Alter von zwölf und 15 Jahren. Beruflich ist der Diplom-Betriebswirt Wirtschaftsinformatik BA selbstständiger IT-Berater mit einem großen Einzugsgebiet.
  • Weiteres Energieziel: Nach der Photovoltaik-Anlage und Batteriespeicher setzt er weiter auf Strom. In zwei Jahren will er sich ein Elektroauto anschaffen, "dann kommt hier eine Steckdose hin", bei rund 4500 Kilometern im Jahr, die er fahre, lohne sich das, wenn die Elektroautos noch weiterentwickelt würden.
  • Zahlen: Von den 9000 benötigten Kilowattstunden im Jahr 2016 erzeugte die Familie 4950 Kilowattstunden selbst. Für die restlichen 4050 Kilowattstunden bezahlte er bei 24 Cent pro Kilowattstunde 972 Euro, das war sein Strompreis. Davon abzuziehen sind rund 500 Euro für verkauften Strom: im Sommer wird ein Stromüberschuss erzeugt, pro verkaufte Kilowattstunde gibt es circa 15 Cent. Unter dem Strich macht das Stromkosten von rund 472 Euro im Jahr. Mit der neuen Wärmepumpe und 25 Prozent mehr Leistung stiege der selbst erzeugte Strom im Jahr um rund 1300 Kilowattstunden von 4950 auf dann 6300 Kilowattstunden. Damit würden weitere 324 Euro Stromkosten im Jahr gespart. Abgezogen von den 472 Euro bleiben dann noch Stromkosten von rund 150 Euro im Jahr. (blu)