Blumberg gehört geschichtlich zu den interessantesten Städten im Schwarzwald-Baar-Kreis. Das wurde bei dem Vortrag von Heimatforscher Bernhard Prillwitz im Städtlesaal des Feuerwehrhauses wieder einmal deutlich. Zu der Veranstaltung mit anschließendem Stadtrundgang hatte der Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar eingeladen. Das Thema lautete „Blumberg vor Eisen und Bahn“.

Augus zeller erinnerte an die 1539 erstmals urkundlich erwähnte Burgmühle, die das ehemalige Sägewerk Rexrodt und später die Stumpenfabrik Villiger nutzte.
Augus zeller erinnerte an die 1539 erstmals urkundlich erwähnte Burgmühle, die das ehemalige Sägewerk Rexrodt und später die Stumpenfabrik Villiger nutzte. | Bild: Gernot Suttheimer

Der Programmkoordinator des Vereins, Harald Ketterer aus Bachheim, erinnerte bei seiner Begrüßung die rund 30 Gäste aus Blumberg und Umgebung an die Hexenprozesse in den Jahren 1635 und 1636. Insgesamt 31 Personen seien im Oberamt Blumberg verurteilt und in Löffingen in einem der größten Blutbäder in Südbaden hingerichtet worden. Doch die Geschichte der Eichbergstadt weist auch weniger blutige Ereignisse auf. Bernhard Prillwitz erinnerte zu Beginn seiner Ausführungen an den früheren Schweinemarkt im heute noch so genannten „Städtle“. Er wusste allerhand bislang wenig bekannte Details zu erzählen. Die ältesten Funde sind allerdings rund 3000 Jahre alt. In Nordhalden wurde vor Jahren ein Steinbeil gefunden, dass auf erste Menschen in der Region hinweist.

Alemannengräber im Erdreich

Beim Aushub der Viktor-von-Scheffel-Schule wurden 1940 die Reste von Alemannengräbern gefunden, ebenso beim Abbruch der alten katholischen Kirche. „Das lässt darauf schließen, dass es bereits eine größere Alemannensiedlung gab“, erklärte Prillwitz. Die Römer hinterließen ebenso Spuren wie die Schweden. Das Städtle sei historisch besonders bedeutend, weil hierdurch die Burg und ihre Bewohner versogt wurden. Blumberg wurde 1390 zur Stadt ernannt. Im Herrengarten, wo heute das Feuerwehrgerätehaus und die Stadthalle stehen, wurden einst ritterliche Turniere abgehalten. Auf einer großen Landkarte wurde 1610 zwischen Burg, Städtle und Dorf unterschieden. Das Wasser wurde in einem Brunnen gesammelt, der von Quellen des Eichbergs gespeist wurde. 1507 besuchte König Maximilian, der ein Jahr später Kaiser des Römischen Reiches wurde, die Burg Blumberg. Er starb vor genau 500 Jahren. Kurz zuvor wurde das Dorf Aitlingen im Aitrachtal 1499 von den Schweizern zerstört. Es war um das Jahr 1100 vermutlich als Streusiedlung entstanden.

Bei einem Rundgang durch Blumberg erfahren die Teilnehmer viele neue Fakten.
Bei einem Rundgang durch Blumberg erfahren die Teilnehmer viele neue Fakten. | Bild: Gernot Suttheimer

Einige Orte wie Hondingen hatten wahrscheinlich bereits 450 vor Christus Abschnittswalle als Rückzugsmöglichkeiten bei Angriffen erhalten. Reste sind heute noch zu finden. 1910 gab es auch noch Stücke des alten Burgturms zu sehen. Sie wurden aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Die Anlage war in Folge des Dreißigjährigen Krieges 1688 zerstört worden. Vom angeblichen Burgschatz wurde nur der Schlüssel gefunden, schmunzelte Prillwitz. Beim Abbruch der katholischen Kirche wurden alte Fresken entdeckt, die um 1350 angebracht worden waren. In der Sankt Otmarskirche in Aselfingen hängen zwei uralte Glocken. Der tiefschürfende Ausflug in die Historie machte vor dem Dritten Reich nicht halt, denn Prillwitz erinnerte an Sophie Scholl, die als Mitglied der Widerstandsbewegung „Die weiße Rose“ hingerichtet wurde. Sie war vom 9. Oktober 1941 bis zum 26. März 1942 im Kinderhort in Zollhaus eingesetzt und wohnte Im Winkel 46. Sie kam öfters in die Zollhauskapelle, die einst als „bunte Kapelle“ galt, weil die Künstlerin Sophie Schaller sie mit farbigen Bildern verzierte. Diese wurden jedoch 1955 als nicht kirchengeeignet übertüncht. Das Denkmal „Schwarzer Mann“ müsste eigentlich „Betender Bergmann“ heißen, stellte Prillwitz fest. Er wurde von einem Künstler namens F. Koelle 1934 geschaffen und 1940 in Blumberg aufgestellt.

Kamele im Doggererzabbau

Die Ausführungen des Vortrages vertiefte anschließend der frühere Stadtbaumeister August Zeller bei einem Rundgang durch die Stadt, beginnend im „Städtle“. Er erinnerte an die 1539 erstmals urkundlich erwähnte Burgmühle unterhalb, die das ehemalige Sägewerk Rexrodt und später die Stumpenfabrik Villiger nutzte. Das erste Blumberger Pfarrhaus an der Hauptstraße ist noch erhalten, steht aber leer. Am Gänselieselbrunnen zeigte Zeller ein Bild, das Kamele als Transporttiere für den frühen Doggererzabbau darstellt. Beim Besuch des alten Friedhofs an der heutigen evangelischen Kirche gab der ehemealige Blumberger Pfarrer Wilhelm Brüggemann, der seit einem Jahr wieder hier lebt, ergänzende Informationen. Das erste evangelische Pfarrhaus steht gegenüber der Scheffelschule. Über deren Bau und die römisch-katholische Kirche informierte Zeller zum Abschluss des Rundgangs.

Bernhard Prillwitz (links) und August Zeller bringen ihren Zuhörern im Städtlesaal Blumbergs Geschichte näher.
Bernhard Prillwitz (links) und August Zeller bringen ihren Zuhörern im Städtlesaal Blumbergs Geschichte näher. | Bild: Gernot Suttheimer