Schäfer Ewald Grieshaber steht im Oberen Ried und zieht an seiner Pfeife. Seit 35 Jahren betreibt er mit seiner Ehefrau Irmgard, auf die der Betrieb läuft, die Schäferei mit derzeit 400 Schafen. Viel hätten sie sich in der ganzen Zeit schon anhören müssen, sagen die beiden im persönlichen Gespräch.

Diesen Blühstreifen im Oberen Ried bei der Bundesstraße 27 ließ das Schäfer-Ehepaar Irmgard und Ewald Grieshaber wie andere Blühstreifen auch ganz bewusst stehen. Bild: Bernhard Lutz
Diesen Blühstreifen im Oberen Ried bei der Bundesstraße 27 ließ das Schäfer-Ehepaar Irmgard und Ewald Grieshaber wie andere Blühstreifen auch ganz bewusst stehen. | Bild: Lutz, Bernhard

Anlass für das Gespräch ist der Leserbrief „Schwemmist schadet Bienen“ den Werner Knöpfle am 11. Oktober. Knöpfle hatte zu unserem Bericht vom 9. Oktober über das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ geschrieben: „Durch das Abweiden im Frühjahr bis zum 31. März durch Schafe bleiben große Wiesenflächen ohne Blüte.“ Irmgard und Ewald Grieshaber sind geschockt: Von dem rigorosen Abweiden, wie hier der Anschein erweckt werde, könne mitnichten die Rede sein. „Mit dem Weiden der Schafe haben wir in den letzten Jahren nie vor dem ersten Mai angefangen.“

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In wenigen Sätzen schildern sie die Entwicklung: „Als wir in Blumberg vor rund 30 Jahren angefangen haben, war hier im Oberen Ried Wildnis.“ Alles lässt das Ehepaar auf seinen Pachtflächen, von denen die meisten der Stadt Blumberg gehören, nicht abweiden. Im Oberen Ried steht nahe dem Kreisel auf der B 27 ein größerer Streifen Wiese. Diesen, wie auch andere Streifen hätten sie bewusst stehen lassen als Blühstreifen für die Bienen. Alles erfolge in enger Absprache mit dem „Landschaftserhaltungsverband Schwarzwald-Baar-Kreis e.V.“ in Donaueschingen. Bei den Schafherden haben sie Ziegen dabei, damit auch Gehölze wie Schlehen verbissen werden.

Damit auf der Weide auch Gehölze wie Schlehen verbissen werden, mischen Irmgard und Ewald Grieshaber ihre Schafherden mit Ziegen. Bild: Bernhard Lutz
Damit auf der Weide auch Gehölze wie Schlehen verbissen werden, mischen Irmgard und Ewald Grieshaber ihre Schafherden mit Ziegen. | Bild: Lutz, Bernhard

Eines stellt das Ehepaar klar: „Von der Schafhaltung alleine können wird schon lange nicht mehr leben“. Das Ehepaar macht auch Weidenachpflege und Pflegemaßnahmen für den Landschaftsschutz wie Gehölze zurückschneiden. Und sie machen Heu. „Aber wir mähen meistens erst nach der Blüte.“ Auch das Mähen sei mit dem Verband abgesprochen, das stehe in ihren Verträgen drin. Die Schafhaltung betreiben Irmgard und Ewald Grieshaber mit Herzblut, und mit Leidenschaft. Ein Acht-Stunden-Tag reicht bei weitem nicht aus.

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Angst haben sie davor, wenn der Wolf ansässig werde. Weil er gleich mehrere Tiere tot beiße. Die Grieshabers haben dazu eine klare Meinung: „Es kann nicht sein, dass wir ihn einem Land leben, wo der Wolf wichtiger ist als die Wiedetiere.“ Das zu erwartende Argument, wenn der Wolf käme, sollten sie Hunde in die Einzäunung nehmen, passe nicht. „Wenn ein Wolf kommt und die Hunde bellen, wacht halb Blumberg auf.“ Und wenn ein Wolf ins Ried komme und die Schafe auf die Bundesstraße treibe, wer komme bei Unfällen für den Schaden auf?

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Der Unmut der Grieshabers ist groß. Aber wenn sie jetzt auch noch für das Artensterben verantwortlich gemacht würden, wäre es am besten, „wenn der Staat die Schafhaltung verbieten würde.“

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Die Schäferei

Irmgard und Ewald Grieshaber wohnen in Döggingen. Seit rund 35 Jahren betreiben sie eine Schäferei mit derzeit 400 Tieren. Viele ihrer Weiden sind in Blumberg, meist von der Stadt: im Oberen Ried, am Eichberghang, am Stoberg, am Steppacher Damm und im Ziegelöschle. Sie weiden aber auch in Villingen, darunter im Naturschutzgebiet Tannhörnle bei Pfaffenweiler, in Döggingen, Unadingen und Löffingen.