Paramente, was sind das überhaupt?

Kurz gesagt handelt es sich um Kleidungsstücke für den Gottesdienst: Altartücher, Kaseln, Stolen, Kelchvelum und anderes. Beim Hondinger Paramentenschatz geht es um Messgewänder, auch Kaseln genannt. Schon vor der christlichen Zeit wurde zu kultischen Zwecken eine spezifische Kleidung getragen, so auch bei den Römern. Die ersten Christen machten dies zunächst nicht, sondern erst ab dem 4. Jahrhundert, als das Christentum unter Kaiser Konstantin Staatsreligion wurde.

Das ging ab 800 n. Chr. bei den Karolingern so weiter, schließlich handelte es sich in dieser Zeit auch um die Wahrnehmung von hoheitlichen Aufgaben. Die nachfolgenden geschichtlichen Epochen brachten jeweils ihre spezifischen Veränderungen. Im Hochmittelalter beispielsweise ging es prunkhaft zu, und nach dem II. Vatikanischen Konzil suchte man neue Formen für unsere Zeit. Schlicht und einfach, aber festlich, sollen sie heute sein. In der Regel trägt der Priester die gotische Glockenform, während zuvor noch die römische Bassgeigenform üblich war. Von Letzteren wanderten in Hondingen ein ganzes Dutzend auf den Pfarrhausspeicher und diese bilden nun den Paramentenschatz von Hondingen.

Gilt das Motto Bares für Rares?

Nein, zum Verkaufen sind diese Messgewänder und Stolen nicht gedacht. Da ist es gut, dass man das Pfarrhaus hat, in dem diese wertvollen Schätze wie in einem Museum aufbewahrt und allen zugänglich gemacht werden können.

Um welche Werte geht es dabei?

Um das zu beurteilen, werden Experten benötigt und die suchte der Autor in den rund um Blumberg beheimateten Klöstern, weil das Paramentensticken auch dort eine lange Tradition hat. Aber Fehlanzeige, das Handwerk droht ganz offensichtlich auszusterben. Im Kloster Beuron und im Kloster Hegne gibt es keine Fachleute mehr. Nach weiteren Recherchen wurde der Autor schließlich im Kloster Siessen/Bad Saulgau fündig. Dort waren es früher einmal 20 Stickerinnen und heute sind es immerhin noch zwei. Dazu kommt die erfahrene Schwester M. Witgard Erler, die früher selbst gestickt und Kunstgeschichte studiert hat. Ihr konnten die Kaseln zur Begutachtung vorgelegt werden und die Überraschung war perfekt, als die Ordensfrau sagte: „Die Gemeinde hat Glück!“

Weshalb?

Einige Gewänder sind sehr wertvoll und weder vergilbt noch von Motten zerfressen. Einen Euro-Betrag wollte die Schwester für die Paramenten aber nicht nennen. „1000 Arbeitsstunden für einen Chormantel 1960 – das könne heute niemand mehr bezahlen“, meinte sie. Das älteste vorhandene Hondinger Gewand ist neobarock und rund 200 Jahre alt. Das nächste zählt 150 Jahre und dann kommen die mit hundert Jahren und weniger. Was diese Kaseln auszeichnet, ist aber nicht primär ihr Alter, sondern eine Kunst, die die ganze Kraft des Glaubens auszudrücken vermag. Handgestickte Theologie könnte man sagen, aus Seide und mit Goldfäden. Da finden sich schöne Damaste und Bordüren, Ornamente, Lilien, Luther-Rosen, Schriftzüge und Figuratives. Auch eine Anlehnung an den berühmten Beuroner Nazarenerstil ist vertreten.

Wann gibt's den Schatz zu sehen?

Im Rahmen der Hondinger Geschichtsausstellung wird im Pfarrhaus am Sonntag, 23. September (14 bis 17 Uhr), der komplette historische Paramentenschatz als zusätzliche Sonderausstellung gezeigt. Schwester M. Witgard Erler kommt nach Hondingen und wird das Wissenswerte erklären. Wer sich an der Dimension des Schönen erfreuen kann, der wird es über diese kunsthistorischen Kostbarkeiten erleben dürfen. Darüber hinaus bietet der Besuch die Chance, die Herstellung und das Zeichenhafte von Paramenten besser zu verstehen und die heutigen Gewänder mit anderen Augen neu wahrzunehmen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.