Herr Blech, was ist Ihr Anliegen im Zusammenhang mit der Diskussion über den Windpark Länge?

Ich bin bei mehreren Informationsveranstaltungen der Betreiber wie auch der Gegner der Windkraftanlagen dabei gewesen. Die Diskussionen gehen ja schon mehrere Monate. Die Veranstaltungen der Betreiber empfand ich seriös informierend, die Veranstaltungen der Gegner wurden immer emotionsbetonter, unsachlicher und übertreibend. Sachlichkeit ist gefragt. Aber auch das demokratische Akzeptieren von Entscheidungen ist notwendig.

Die Befürworter der Windkraft nennen sie im Zusammenhang mit der Energiewende als Argument, um vom Atomstrom loszukommen. Welche Bedeutung hat die Windkraft für Sie?

Windkraft ist ein Faktor der Energiewende neben Photovoltaik oder Wasserkraft. Biogas halte ich ebenfalls für eine Fehlentwicklung, da viel Fläche für die Nahrungsmittelproduktion bei uns verloren geht und dafür in die „dritte Welt“ mit zum Beispiel erheblicher Zerstörung von Tropenwäldern verlagert wird und Mangel an der Selbstversorgung der dortigen Einwohner verursacht wird mit der Folge von Flüchtlingsströmen (kolonialistische Ausbeutung zur Nahrungsmittel- und Futterproduktion für die reichen Länder).

Nach der Landtagswahl 2011 hat die damals grün-rote Landesregierung verstärkt auf Windkraft gesetzt und den Kommunen die Möglichkeit gegeben, Vorranggebiete auszuweisen, um Wildwuchs auf jedem Berg zu verhindern. Die Gemeinderäte berieten öffentlich darüber, eines dieser Gebiete ist die Länge. Wie haben Sie die Entwicklung wahrgenommen? Haben Sie damals schon gedacht, dass auf der Länge ein zusammenhängender Windpark auf mehreren Gemarkungen entstehen würde?

Ja, wenn Windkraft, dann Konzentrierung, um andere Gebiete zu schonen. Übrigens gehört die „Länge“ nicht zum Hochschwarzwald sondern zur Baar. Sie ist ein durchaus markanter Punkt. Ein Teil der Windräder befindet sich jedoch Richtung Geisingen und Aitrachtal und ist dadurch weniger sichtbar, wie zum Beispiel die Windräder bei Ippingen zeigen. Übrigens wurde auch die Kernkraft vor allem in der Entwicklung durch staatliche Gelder massiv gefördert und die Kosten für die Endlagerung werden jetzt überwiegend auf die zukünftigen Generationen verschoben.

Die Windkraftgegner nennen als Argument, dass durch den Windpark die intakte Natur auf der Länge zerstört würde, dass die durch die Windkraft erzeugte Energie nicht speicherbar sei und dass kein Investor ein Windrad bauen würde, wenn er dafür nicht Gelder aus der EEG-Umlage erhielte, die jeder einzelne Bürger mitbezahlt. Wie sehen Sie das?

Eine Gegenfrage: Was ist intakte Natur? Unsere Wälder sind Wirtschaftswälder, keine Naturwälder und schon gar keine Urwälder. Auch unterliegen die Wälder einer hohen Veränderungsdynamik durch Wachstum, Sturmgeschehen, Forstwirtschaft, sie sind nichts Beständiges. Im frühen Mittelalter gab es in Mitteleuropa nur 25 Prozent der heutigen Waldfläche, die vor allem durch die Nutzung von mineralischem Dünger und Ersatz der Holzkohle und des Holzes zu Heizzwecken durch Steinkohle Mitte des 19. Jahrhunderts massiv zugenommen hat. Wir leben auch nicht mehr in der Zeit des Idealismus und der Romantik, wo das Landschaftsbild eine dominierende Rolle spielte. Das galt auch für die Anfänge im Naturschutz. Wir müssen auch hier heute Kompromisse eingehen, allerdings nicht nach dem St. Floriansprinzip oder „Amerika first“.

Und wie sieht es mit dem Speicherproblem aus?

Die einzige akzeptable Alternative stellt im Moment das Pumpspeicherkraftwerk dar, wo Überschussstrom als potentielle Energie abgelegt wird (zum Beispiel im Schluchsee). Dieses Problem ist im Moment ungelöst und scheitert oft am Naturschutz oder regionalen Interessen und Widersprüchen.

Als Argument gegen die Windkraft wird oft auch genannt, dass die Windräder Auswirkungen auch die Gesundheit haben könnten, namentlich der Infraschall. Was ist unter Infraschall zu verstehen, gibt es ihn nur bei Windrädern?

Hier wird Panikmache betrieben und gezielt mit Angst argumentiert. Natürlich kann es Beeinträchtigungen durch Infraschall ( Schallwellen sehr niedriger Frequenzen) oder Stroboskopeffekte kommen. Letztere sind durch Distanzvorschriften geregelt. Jede Waschmachine, jeder Heizkessel im Haus erzeugt Infraschall. Wo bleiben die massiven Proteste gegen Kernkraft mit weit höheren Gefahrenaspekten? Man sollte doch bitte in der Diskussion um gesundheitliche Folgen bei der Realität bleiben.

Sie sind ein Mensch, der sich neben seiner Familie mit drei Generationen auch ehrenamtlich engagiert. Als Naturschutzwart kümmern Sie sich in Hüfingen mit Peter Marx um das Orchideenwäldchen. Die Orchideen können nur wachsen, weil dort Bäume stehen. Würde dort so gerodet, wie das jetzt auf der Länge passieren soll, wären das Orchideenwäldchen und die Orchideen dort Geschichte. Was ist für Sie der Unterschied zwischen dem Orchideenwäldchen und der Länge?

Im Hüfinger Orchideenwald, Eigentümer ist die Stadt Hüfingen, sind Orchideen schon seit über 200 Jahren dokumentiert. Hintergrund dieses Orchideenreichtums ist die Nutzungsform des Waldes, zum Beispiel als Wald-Weide-Wirtschaft, der hohe Wildbestand zu Jagdzwecken (Fürstenberger), der Verzicht der Stadt Hüfingen auf Optimierung des Forstlichen Ertrages und letztlich die ehrenamtliche Durchführung von Pflegemaßnahmen zur Sicherung der Orchideenstandorte. Hat jemand der Gegner der Windkraft schon einmal an einem Pflegeinsatz teilgenommen?

Fragen: Bernhard Lutz

Zur Person

Hans Joachim Blech (75) lebt seit 1975 in Aasen. Der promovierte Zahnmediziner hat sich während seines Studiums auch intensiv mit Physik beschäftigt. Seit Jahrzehnten engagiert er sich für Natur- und Umweltschutz. Die Baar fasziniert ihn, sie sei von der Natur aus aufgrund ihrer geologischen Besonderheiten gesegnet. In zahlreichen Vorträgen und Exkursionen hat er Wissen anderen vermittelt. Seit 2006 ist er ehrenamtlicher Naturschutzwart im Schwarzwald-Baar-Kreis. Er hat auch kommunalpolitische Erfahrung und war zwei Perioden im Ortschaftsrat Aasen und im Evangelischen Kirchengemeinderat Donaueschingen tätig.