Blumberg – Zwei Wochen nach dem Chemieunfall bei der Blumberger Firma Hartchrom Kreuz ermitteln Umweltbehörden und Polizei mit Nachdruck, wie es genau dazu kommen konnte, dass 2000 Liter verdünnte Chromsäure in die Kanalisation beziehungsweise einen Entwässerungsgraben gelangten. Mitarbeiter der entsprechenden Fachbehörden von Landratsamt und Regierungspräsidium Freiburg waren und sind immer wieder vor Ort im Südwerk, ebenso Beamte der Abteilung Gewerbe und Umwelt der Polizeidirektion Rottweil. Gleichzeitig macht sich Geschäftsführer Patrick Kreuz große Sorgen um die Zukunft seiner Firma, die Arbeitsplatz von 20 Menschen ist.

Im Gespräch mit dieser Zeitung stellt Patrick Kreuz klar, dass es in seiner Firma nie einen tödlichen Arbeitsunfall gegeben habe, auch nicht in der Zeit, als sein Vater noch in der Verantwortung stand. Diese Behauptung hatte ein Leserbrief-Schreiber nach dem Unglücksfall in Zollhaus erhoben. Entgegen anderslautender Gerüchte stehe die Produktion auch nach wie vor still, sagt der Geschäftsführer und Galvaniseurmeister. Die Mitarbeiter der 20-köpfigen Belegschaft, die keinen Resturlaub mehr hätten oder Überstunden abbauen könnten, nehmen zurzeit lediglich Wartungsarbeiten vor oder geben den Wänden im Sozialraum eine neue Farbe.

Kreuz beschreibt die Situation für seine Firma als "existenzbedrohend". Vor dem Unfall sei die finanzielle Lage gut gewesen, doch was die Zukunft bringe, sei unklar. Denn: Seit zwei Wochen kann er seine Kunden aus der metallverarbeitenden Industrie nicht mehr beliefern. Die weichen jetzt zur Konkurrenz aus. Die meisten Auftraggeber, so Kreuz, hätten zwar zu erkennen gegeben, wieder zu seinem Unternehmen zurückkehren zu wollen, doch bleibe ein Restrisiko. Und zu welchen Untersuchungsergebnissen Polizei und Umweltbehörden kommen und welche Folgen sich daraus für seinen Betrieb ergeben, stehe ja auch noch nicht fest.

Aufgabe der Polizei ist es im Augenblick zu prüfen, ob der Unfall vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführt worden ist. Vorsatz, erklärt Polizeipressesprecher Harry Frank, könne ausgeschlossen werden. Bleibt also die Fahrlässigkeit. Die wiederum kennt nach juristischen Spielregeln einige Nuancen: grob oder leicht fahrlässig, bewusst oder unbewusst fahrlässig. Ob, und wenn ja welches Merkmal auf den Unfall zutrifft, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Das Regierungspräsidium Freiburg hat zwei unabhängige Sachverständige zu Hartchrom Kreuz geschickt. Die sollen dabei helfen, die Abwasserbeseitigungsanlage und den Raum, in dem sich der Unfall abspielte, zu sanieren. Patrick Kreuz hofft natürlich, dass das möglichst rasch passiert. Außerdem wird untersucht, ob die Firma behördliche Auflagen nicht erfüllt hat und dadurch der Unfall passieren konnte. Patrick Kreuz ist sich sicher: "Aus meiner Sicht haben wir definitiv gegen keine Auflagen verstoßen."

Fest steht mittlerweile, dass ein Entwässerungsgraben im Ried auf einer Länge von rund 300 Metern ausgegraben werden muss. Und zwar in einer Tiefe von bis zu einem Meter. Grund: Proben haben gezeigt, dass sich Chrom im Erdreich angesammelt hat. Diese Maßnahme habe möglichst schnell zu geschehen, sagt Michael Koch, Leiter des Amts für Boden- und Wasserschutz im Landratsamt. Grund: Fällt Regen, gelange das Chrom in noch tiefere Erdschichten, dann könnte womöglich das Grundwasser gefährdet sein. Das gelte es unbedingt zu verhindern. Außerdem muss auch eine Grünfläche auf dem Betriebsgelände chromfrei gemacht werden. Die dabei entstehenden Kosten werden dem Verursacher in Rechnung gestellt, sprich der Firma Hartchrom Kreuz beziehungsweise deren Versicherung.

So geht's weiter

Landratsamt, Regierungspräsidium und Polizei werden ihre Erkenntnisse zum Unfall der Staatsanwaltschaft Konstanz vorlegen. Die entscheidet dann als Herr des Verfahrens, ob die Ermittlungen gegen Hartchrom Kreuz eingestellt werden, ob das Unternehmen mit einem Strafbefehl davonkommt oder ob die Angelegenheit in einem Gerichtsprozess aufgearbeitet wird. (hon)