Achdorf – Das Team der Achdorfer "Scheffellinde" feiert ein Jubiläum mit Seltenheitswert. Seit 475 Jahren schon besteht die Einkehrmöglichkeit in dem idyllisch gelegenen Ort an der Wutach und zählt allein dadurch zu den ältesten Gasthäusern in Baden. Das Besondere an diesem ebenfalls schon besonderen Jubiläum: Die 475 Jahre sind zugleich ein Familienjubiläum, mit den Familien Wiggert und Hille wird der überregional bekannte Landgasthof nun schon in der 19. Generation von der gleichen Familie geführt.

1995 übernimmt die 19. Generation das Gasthaus

Seit 1995 führen Sabine Hille und ihr Bruder Karl Wiggert, wie er sich nennt, mit seiner Ehefrau Cornelia Wiggert endgültig die Scheffellinde. Vater Gustav Wiggert hatte nach dem frühen Tod seiner Gattin Anna Wiggert 1982 und den schwierigen Jahren danach schon überlegt, aufzuhören, dann entschieden sich seine Kinder für die Übernahme. Sie führten das Gasthaus zu einer neuen Blüte.

Markantes Gebäude mit Stufengiebeln

Das markante Gebäude mit seinen Stufengiebeln und dem Blumenschmuck ist schon von außen ein Blickfang. Innen ist einiges noch so gemütlich wie zu Scheffels Zeiten, ganz besonders die getäfelte Scheffelstube mit Gemälden, die unter anderem den Dichter Viktor von Scheffel zeigen sowie Scheffels Freund, den Hegausänger Stocker oder Gemälde über heimische Pflanzen.

Viktor von Scheffel wanderte vom Fürstenhaus Donaueschingen nach Achdorf

Der 1826 in Karlsruhe geborene Dichter und Schriftsteller Viktor Joseph von Scheffel war von 1857 bis 1859 Bibliothekar beim Fürsten in Donaueschingen. Von dort wanderte er oft zu Fuß in das "liebliche Achdorfer Tal" und kehrte in der "Linde" ein, dort verliebte er sich in die damalige Wirtstochter Josefine Meister und widmete ihr als "Maria Gutta" auch ein paar Zeilen in einem Gedicht. Die Wirtstochter hat seine Liebe nicht erwidert. ein Jahr nach Scheffels Tod wurde die "Linde" ihm zu Ehren in "Scheffellinde" umbenannt.

Tradition wird fortgeführt

Dieser Tradition, die schon Scheffel angezogen hat, fühlen sich auch Sabine Hille sowie Karl und Cornelia Wiggert mit ihrem Team verpflichtet. Sie alle sind vom Fach. Sabine Hille ist Hotelfachfrau mit Zusatzqualifikation für den Bürobereich, Karl Wiggert ist gelernter Koch mit Zusatzqualifikationen wie Schlachten und seine Frau Cornelia Wiggert ist ebenfalls gelernte Köchin.

Gasthaus und Küche renoviert

Schon kurz nach der Übernahme begannen sie dann 1997 mit Investitionen. Stück für Stück und Stock für Stock renovierten sie die sieben Zimmer, die Küche, bauten eine Terasse, die sie später überdachten, und sie bauten ein eigenes Schlachthaus. Die Menschen kommen gerne in die Scheffellinde, die sich unter dem früheren Wirt und FDP-Mann Gustav Wiggert unter anderem auch zu einem Traditionslokal der Liberalen entwickelte. Fast alle Größen in der Partei sprachen dort schon beim Politischen Aschermittwoch, dem ersten Politischen Aschermittwoch der Liberalen überhaupt in ganz Baden-Württemberg.

Die jetzigen Inhaber sind parteilos

Gustav Wiggerts Kinder sind parteilos. Ihren guten Ruf haben sie sich erarbeitet. Tag für Tag verwirklichen sie ihr Ziel einer lebendigen Dorfgaststätte. Ihre Lebensphilosophie besagt, gutes, leckeres und gesundes Essen für die breite Bevölkerung auf den Tisch zu bringen. Und es klappt. Ob Hochzeiten, Familien- und Firmenfeiern, der Stammtisch oder Seniorennachmittage, ob Wanderer, Drachenflieger, der Schwarzwaldverein oder die Jäger, die Scheffellinde ist bei vielen beliebt. Das Einzugsgebiet reicht von Freiburg und Waldshut im Westen bis Tuttlingen und den Heuberg im Osten, sowie Schaffhausen und die übrige Nordschweiz bis nach Stuttgart. Grundlage für die kulinarische Blüte ist die badische Küche. "Alle Zutaten für unsere regionalen Gerichte beziehen wir nach Möglichkeit aus dem Umkreis", heißt es in der Speisekarte.

Auszeichnung vom Landesjagdverband für heimisches Wildbret

Auch das Wildbret. Schon am 17. Dezember 2009 erhielt die Scheffellinde vom Landesjagdverband die Auszeichnung "Wild aus der Region". Der Gasthof Scheffellinde "verwendet Wildbret aus heimischen Revieren", ist auf der Urkunde zu lesen. Koch Karl Wiggert ist stolz: "Wir und das Hotel "Löwen" in Epfenhofen waren die ersten Gasthäuser im ganzen Schwarzwald-Baar-Kreis mit dieser Auszeichnung."

Jeden Tag mit Herzblut dabei

Jeden Tag aufs Neue sind sie mit Leidenschaft und Herzblut dabei. Was motiviert Sie? Die gemeinsame Antwort von Sabine Hille, Cornelia und Karl Wiggert kommt sofort: "Wenn unsere Gäste hier jeden Tag rausgehen und mit ihrem Besuch zufrieden sind!" Im gemeinsamen Gespräch in der Wirtsstube erläutern sie: "Von der Wertschätzung und der Anerkennung unserer Gäste leben wir auch."

Eines der ältesten Gasthäuser in Baden

Die Achdorfer Scheffellinde zählt zu den ältesten Gasthäusern auf der Baar und in ganz Süddeutschland.

  • Nachweis: Seit 1543 schon ist das Gasthaus am jetzigen Standort nachgewiesen. In den fast fünf Jahrhunderten erlebten die Besitzer Höhen und Tiefen. Ein Tiefschlag ereignete sich am 4. Januar 1930, als das Gasthaus bis auf die Grundmauern niederbrannte.
  • Historische Gasthäuser in Baden: Frank Joachim Ebner vom Projekt "Historische Gasthäuser in Baden" ist beeindruckt. Er spricht von einem sensationellen 475-jährigen Familien-Jubiläum. Aus diesem Anlass werden die Familien Wiggert & Hille von ihm am 26. Oktober im Rahmen einer kleinen Glückwunsch-Veranstaltung geehrt.
  • Die Projektidee: Das Projekt "Historische Gasthäuser in Baden" entstand im Jahr 1998 durch Frank Joachim Ebner. Das Projekt hat nach Angaben des Gründers das Ziel, die badische Traditionsgastronomie in der allgemeinen Wahrnehmung besser zu verankern. "Altgediente Gasthäuser und Gasthöfe halten wir nämlich für wichtige und schützenswerte Kulturträger der Region und stellen diese daher im Internet (www.historische-gasthaeuser.de) sowie durch Begleitbücher umfassend vor." Ebner ergänzt: "Von Geschichte allein kann kein Wirt leben."
  • Herausragende Stellung: In Südbaden sei die Scheffellinde seiner Kenntnis nach das einzige Gasthaus, das eine Familie in Folge so lang bewirtschafte. Frank Joachim Ebner kennt sich aus: Geboren im Hotzenwald, aufgewachsen in St. Georgen und Triberg, berufstätig in Müllheim im Markgräflerland und seit 2000 in Dingelsdorf am Bodensee, hat er viele Regionen Südbadens selbst erlebt. Derzeit arbeitet er in Teilzeit bei der Agentur für Arbeit in Konstanz. (blu)