Als der 5. Senat des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) Mannheim Mitte Juli dieses Jahres das generelle Winterfahrverbot der Blumberger Museumsbahn kippte, war die Freunde bei Eisenbahn-Nostalgikern und der Stadt Blumberg zunächst groß: Sauschwänzlebahnfahrten durch die verschneite Bilderbuchlandschaft entlang der deutsch-schweizerischen Grenze – ein Traum für die vielen Freunde von dampfenden Stahlrössern. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Einen umfassenden Winterfahrplan ähnlich dem von April bis Oktober wird es nie und nimmer geben.

Da ist sich Christian Brinkmann, Geschäftsführer der Bahnbetriebe Blumberg, ganz sicher. Er hofft, dass wenigsten das Teilstück zwischen Blumberg-Zollhaus und Fützen für den Winterbetrieb freigegeben wird. Außerdem richtet sich sein Blick in diesen Tagen in Richtung Nordschwarzwald. Dort wird ein System getestet, um winterschlafhaltende Fledermäuse in Tunnels zu schützen. Und zwar mit einer Tunnel-im-Tunnel-Lösung.

Die Entscheidung des VGH hängt ganz eng mit der Betriebsgenehmigung zusammen, die der Museumsbahn seit ihrem Start im Jahr 1978 zugrunde liegt und den rechtlichen Rahmen für ihren Betrieb regelt. Von möglichen Winterfahrten ist in dem entsprechenden Planfeststellungsbeschluss nämlich nicht die Rede, weshalb das Regierungspräsidium (RP) die Betriebsgenehmigung vor rund eineinhalb Jahren zum Teil geändert hatte. Doch genau das ist rechtlich nicht haltbar – aber nur aus formalen und nicht aus inhaltlichen Gründen.

Gleichzeitig hat das Urteil des VGH für Brinkmann ganz klar deutlich gemacht, dass der Streckenabschnitt zwischen Fützen und Weizen wohl niemals im Winter befahren werden darf – weil dieses Teilstück mit dem 1206 Meter langen Weiler-Kehrtunnel und dem 1700 Meter langen große Stockhalde-Kehrtunnel erschlossen wurde. Genau dort bezieht eine zahlenmäßig große Mopsfledermaus-Population regelmäßig ihr Winterquartier. Und diese Tiere genießen aufgrund europaweit geltender Bestimmungen einen sehr hohen Schutzstatus. Anders sieht es dagegen im Buchbergtunnel und dem Tunnel am Achdorfer Weg aus. Diese beiden Bauwerke sind weitgehend fledermausfrei und liegen zwischen Zollhaus und Fützen. Weshalb sollten dort im Winter keine Züge verkehren dürfen?

Natürlich: Dieses Teilstück der Museumsbahn ist viel zu kurz, als dass hier regelmäßig Winterfahrten angeboten werden könnten. Doch die Bahnbetriebe Blumberg könnten trotzdem von einer Teilstreckenfreigabe profitieren, weil sie dann ihre Loks und Waggons, die in Fützen (wo sich auch die Versorgungseinrichtungen für die Diesel-und Dampfloks befinden) stationiert sind, in der kalten Jahreszeit an andere Streckenbetreiber vermieten könnte. Über Zollhaus wäre der Anschluss ans allgemeine Bahnnetz gegeben. Und noch einen Vorteil nennt Brinkmann. Bislang war es immer sehr aufwendig, eine Lok für Reparatur- oder Wartungsarbeiten ins Dampflokwerk Meiningen zu überführen. Das wurde per Tieflader auf dem Straßenweg erledigt, was im Vergleich zum Transport auf der Schiene sehr kostspielig sei.

Derweil wird für die Hermann-Hesse-Bahn (siehe Infokasten) etwas ganz Neues ausprobiert, die dortigen Nabu-Vertreter sprechen sogar von einer "Weltpremiere": einem "Tunnel im Tunnel" beziehungsweise einer "Fledermauskammer". Für den Versuch wurde ein Folientunnel in einer Tunnelröhre errichtet, womit ein Teil des Tunnels für Fledermäuse abgetrennt wurde. Ob und wie Fledermäuse damit klar kommen, sollen Daten zeigen, die bis Oktober erhoben und ausgewertet würden, heißt es aus dem Calwer Landratsamt. Falls der Test positiv ausfallen würde, wäre das dann auch eine Lösung für die Sauschwänzlebahn? Diese Frage ist nur schwer zu beantworten.

Für Brinkmann ist klar, dass die Bahnbetriebe Blumberg die Kosten dafür unmöglich selbst stemmen könnte, da müsste viel Geld vom Land fließen. Andererseits: "Was da oben geht, müsste auch bei uns klappen", so Brinkmann. Allerdings: Auf der Hermann-Hesse-Bahn sollen einmal Personen-und Güterzüge rollen, um Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bekommen. Die Sauschwänzlebahn ist dagegen "nur" eine Museumsbahn. Ob das Land bereit ist, zusätzlich Geld zu den sowieso schon sehr hohen Unterhaltskosten (Schienen, Viadukte, Tunnels) der Sauschwänzlebahn fließen zu lassen, ist fraglich.

Noch in diesem September kommt es zu Gesprächen zwischen Vertretern des RP und der Sauschwänzlebahn. Brinkmann zeigt sich verhalten optimistisch, das RP von einer Teilstreckenfreigabe überzeugen zu können. Denn er interpretiert das jüngste VGH-Urteil auch als Auftrag, sich zusammenzusetzen und sich zusammenzuraufen, um endlich einen Haken hinter das leidige Thema machen zu können.