In Blumberg herrschte in den 1960er Jahren Aufbruchstimmung. Die Weberei Lauffenmühle blühte, ebenso die Teveswerke und zahlreiche andere Industrie- und Handwerks-Betriebe wie zum Beispiel die Firma Kindermann oder der Baustoffgroßhandel Pfaff, wo heute die Firma Feederle ist.

Im Zug des wirtschaftlichen Aufschwungs erfolgte auch eine rege Bautätigkeit. Mit der Weiherdammstraße wurde zu Beginn der 1960er Jahre erstmals ein Gebiet nördlich der Hauptstraße erschlossen. In der Hauptstraße wurden 1962 die Post und daneben der markante Kießigbau eingeweiht, die Adresse hieß "Am neuen Rathausplatz", weil dort ein Rathaus vorgesehen war. Das mehrstöckige Gebäude war ein Paradebeispiel für ein Wohn- und Geschäftshaus mit einer modernen Architektur. Den Bau erstellte die damalige Firma Johann Treinen aus Zollhaus, wo sich heute die Sägerei Vogt und andere Betriebe befinden. Daneben stand schon das Blumberger Kino Romeo.

Am 6. Dezember 1962 eröffnete Manfred Dötzkirchner sein Ladengeschäft im Kießigbau. Auf einer Fläche von 80 Quadratmetern bot er das gesamte damalige Lebensmittelsortiment an. Die Wurst- und Fleischtheke war zwei Meter lang und die Kuchentheke 1,50 Meter", schildert der heute 81-Jährige. Dazu kamen ein Kühlregal von zwei Metern Länge und eine ebenso lange Tiefkühltruhe. Die Nachfrage war gut, am ersten Tag nahm Dötzkirchner 3100 D-Mark ein, die Monatsmiete betrug damals 500 D-Mark, ein Kilolaib Brot kostete eine D-Mark. "Unsere Stärke waren Obst und Gemüse", schildert Dötzkirchner rückblickend, die Qualität, der Service und vor allem die persönliche Beratung wurden geschätzt. In Blumberg gab es bis Ende der 1960er Jahre rund ein Dutzend Lebensmittelgeschäfte, das größte war der 1965 gegründete Gottlieb-Markt an der Ecke Tevesstraße/Espenstraße mit 300 Quadratmetern. Dazu kamen unter anderem zwei Konsum-Märkte.

Das Geschäftsleben blühte, in der Tevesstraße war an der Ecke Winklerstraße das moderne und elegante Frisörgeschäft von Gustav Ernst, dem Mitbegründer des TuS Blumberg, gepaart mit der Toto-Lotto-Annahme und Tabak, was es dort heute noch gibt. Neben der Bäckerei Knöpfle mit dem Café Knöpfle kam Anfang der 1960er Jahre die Metzgerei Zier und die Grillbar, der Treff für junge Leute. Dort habe man sehr gute Steaks gegessen, weiß Dötzkirchner. Schon ansässig waren das Autohaus Knöpfle und die Drogerie Frommherz. Weitere Anlaufstellen waren die Zahnarztpraxis von Karl Preis und das Kaufhaus Raff.

Auf der anderen Seite der Tevesstraße standen vom Schwarzen Mann her ein Konsum, das Möbelhaus Hinsch, die Blumberger Kunststube von Else Thoma, Elektro Müller, ein Geschäft für Herren und Damenmode (Widmann) und die Metzgerei Faller, das Eckhaus zur Kirchstraße. Gegenüber siedelte sich die Firma Kindermann an, die auch ein exklusives Modegeschäft sowie die nicht nur in Fliegerkreisen äußerst beliebte Aero-Bar betrieb. In diesem Gebäude war später die Spar- und Kreditbank, dann die Volksbank. Daran schlossen sich der Optiker- und Uhrenmeister Lothar Benz an, die Polizeiwache und das Lebensmittelgeschäft von Luise Dötzkirchner. Auf dem anschließenden Gelände vergrößerte die Schreinerei Kessler ihren Betrieb.

In der Handwerkerstraße florierten in den 1960er Jahren die Schlosserei Feederle, die Gipserfirma Philipp Dörr, die den Gips im Raum Fützen abbaute, das Baugeschäft Von Briel, die Zimmerei Greitmann (heute in Zollhaus), der Malerbetrieb von Matthä Schmidt, und auf der anderen Seite, wo heute der Stadlerbau steht, die Schreinerei von Karl Knöpfle.

Neben der Wirtschaft blühte auch das Vereinsleben. Ein großes Erlebnis in den 1960er Jahren waren die Eröffnung des Freibads 1965 und wenig später die Einweihung des Sportzentrums. Wo heute der Türkisch Islamische Kulturverein sein Domizil hat, waren das erste Clubheim des TuS Blumberg und ein Lokal. Hinter der Hauptstraße standen vor dem Bau der Weiherdammstraße schon die Martin-Reinemann-Straße, die Hans-Jakob-Straße und die Pestalozzistraße.

Die Hauptstraße nach dem Kino wurde auf der Eichbergseite vom Schuhhaus Greitmann, dem Landwirtschaftsbetrieb Bernhard Hauser, dem Frisörgeschäft Edith Führer und der Stadtapotheke geprägt. Im früheren Ärztehaus neben der Apotheke hatte die Sparkasse ihren Sitz, feste Anlaufstellen waren das Textilgeschäft Haberer, der Obstladen Wehrle, Maler Wiessner, das Haushaltswarengeschäft Scherer und das Gasthaus "Hirschen". Nach dem Hirschen folgte eine kleine Schneiderei, wo später das Herrengeschäft Stürzinger residierte, und danach das Textilgeschäft von Otto Fricker.

Auf der Buchbergseite der Hauptstraße befand sich nach der Friedhofstraße stadteinwärts das Gasthaus Frieden mit der stadtbekannten Wirtin Karlin Knöpfle (später Färberstüble), ein Lebensmittelgeschäft Knöpfle (später Inventuren Knöpfle), die Weinstube Baumann mit einer Küferei, das Rathaus, das altkatholische Pfarrhaus mit dem zweiten Konsum-Markt, das Gasthaus "Krone" und das Kaufhaus Herbst (später Harder), das Schuhgeschäft Schneider und die Schreinerei von Dietmar Lang. Tradition hat das Haus Gebhart an der Ecke Theodor Schmid-Straße. Vorne verkaufte das Original Marie Greitmann Gemischtwaren, hinten war ein Elektrogeschäft. Nebenan war die Metzgerei Otto Seemann, in der Hauptstraße 75 wurde 1965 Jahren das Wohn- und Geschäftshaus Mattegit bezogen mit Foto Wöhrstein, der Reinigung Pfaff und oben ein Steuerberatungsbüro von Harald Mattegit. Es folgten das Alte Kino und die Gärtnerei Schlenk, die Schreinerei von Karl Knöpfle und das Kaufhaus Raff als damals letztes Geschäft dieser Straßenseite.