Blumberg – Wenn die Landfrauenvereine im Raum Blumberg sich Gedanken über ein Ausflugsziel machen, dann kommt immer wieder das SI Centrum in Stuttgart ins Spiel, wo im Stage Apollo Theater ständig zwei namhafte Musicals parallel laufen. Im Augenblick finden sich neben "Bodyguard" Disneys "Der Glöckner von Notre Dame" auf dem Spielplan. Bei dieser Produktion steht ein früherer Blumberger auf der Bühne: Mathias Baier, Jahrgang 1965. Er singt als Tenor im Bühnenchor mit. Seine Mutter wohnt in der Schlesierstraße und ist mächtig stolz auf ihren künstlerisch so talentierten Sohn, dessen Brüder in der Stadt ebenfalls gut bekannt sind: Michael Baier ist ein einstiger TuS-Spieler und hat als Fußballtrainer einige Mannschaften in der Region betreut. Markus Baier ist Mitglied des Blumberger Skiclubs und bringt sich dort als Ausbilder ein. Und eine Schwester gibt es auch noch. "Mein Mathias war noch nicht in der Schule, da hat er bei der Hochzeit seiner Schwester auf dem Akkordeon einen Walzer gespielt. Stellen Sie sich das mal vor", erinnert sich Mutter Vera Baier.

Seit Februar dieses Jahres wirkt Mathias Baier mehrmals pro Woche im Bühnenchor als Tenor vor bis zu 1800 Zuschauern bei einem der erfolgreichen Musicals Deutschlands mit. Der Ex-Blumberger ist während der ganzen Show zu sehen und mit dem Bühnenchor Teil des Bühnenbilds inmitten von Steinfiguren, die mit Quasimodo kommunizieren und singen. Höhepunkt ist für Baier, wenn Priester Frollo beim Lied „Feuer der Hölle“ gemeinsam mit dem Bühnenchor singt, der rot angestrahlt wird. Zu Beginn des zweiten Aktes singt der Bühnenchor ein Stück ohne Darsteller – auch da sei das Publikum laut Baier immer total begeistert.

Der studierte Wirtschaftswissenschaftler steht in grauer Mönchskutte auf der Bühne des Apollo-Theaters, wenn er seine Stimme erhebt. Über mehrere Oktaven muss das Stimmvolumen ausreichen, um den hohen Anforderungen im Musical gerecht zu werden. Nach über 100 Shows kribbele es noch immer, erzählt Baier. Das tägliche Einsingen vor der Show ist für ihn sehr wichtig, um die anspruchsvolle Gesangsleistung im Bühnenchor als Tenor professionell umzusetzen.

Das Musical nach der Romanvorlage des Animationsfilms vom Glöckner von Notre Dame stammt aus der Feder der Oscar-Preisträger Alan Menken und Stephen Schwartz. Die Geschichte ist bekannt: Der bucklige Glöckner Quasimodo wächst als Ausgestoßener im Glockenturm von Notre Dame auf, abgeschirmt von der Außenwelt. Das Narrenfest lockt ihn auf den Platz vor der Kirche. Dort wird er erst bestaunt und anschließend an den Pranger gestellt. Die schöne Zigeunerin Esmeralda befreit Quasimodo. Der Zorn der Bevölkerung steigt, bietet ihr der als „Scheusal“ betiltelte Glöckner Asyl. Damit stellt er sich gegen den Ziehvater und „Hochwürden“ Frollo – das Drama aus Liebe, Hass und Leidenschaft nimmt seinen Lauf im monumentalen Bühnenbild, einem klassischen Theaterhandwerk ohne große Effekte. Die Darsteller schaffen mit Stühlen, Tischen, Bänken, Treppen und dem Geländer vor den Augen des Publikums immer wieder neue Bühnenbilder.

Mathias Baier wurde nach einem Casting mit mehreren hundert Kandidaten im Apollo Theater ausgewählt und gibt in den über zweieinhalbstündigen Vorstellungen seine ganze Energie, um zu einer erfolgreichen Show beizutragen. Seine künstlerische Karriere begann 1989 im Fach Gesang. Er errang zusammen mit seinem Mitsänger und Jürgen Sutter, ebenfalls ein Blumberger, den dritten Platz beim Süddeutschen Talentwettbewerb (Genre Pop). Es folgten Schauspielunterricht bei Carlo Fuß in Stuttgart. Seit 1990 ist er immer wieder in diversen TV-Rollen zu sehen, unter anderem in Serien wie „Die Fallers“, „Das Strafgericht“ oder „Zwei bei Kallwass“. Nebenrollen im „Tatort“ und der „Schwarzwaldklinik“ zählen ebenfalls zu seiner Vita. Auch als Teilnehmer beim SWR-Projekt „Das Gesicht Baden-Württembergs“ war er 2010 im Fernsehen präsent. Er schaffte es unter die acht Finalteilnehmer und landete schließlich auf dem zweiten Platz. Und dann spielt er auch noch Theater, unter anderem im Naturtheater Renningen und seit 1995 im Theater-Ensemble von Sindelfingen. Vor vier Jahren hat er zum Anlass der 750-Jahr-Feier der Daimler-Stadt mit einer der Hauptrollen im Musical „Sirenen der Heimat“ vor einem großen Auditorium überzeugt. Auch als der "schöne Sigismund“ aus der Erfolgsproduktion „Im weissen Rössl“ ist er seinem Publikum in Erinnerung. Er kann aber auch anspruchsvoll – als Hans Mildner in "Die kleinbürgerliche Hochzeit" von Bertolt Brecht, als Answald in "Trilogie des Wiedersehens" von Botho Strauß oder als Hofnarr Trincolo in "Der Sturm" von William Shakespeare.

Der Ex-Blumberger wohnt heute im Raum Stuttgart und ist noch bis Februar mehrmals pro Woche in Disneys „Der Glöckner von Notre Dame“ zu sehen. Baiers großer Traum ist es, von der Schauspielerei leben zu können. Soweit ist es noch nicht. Doch was nicht ist, kann bekanntlich noch was werden.

Zwei weitere Blumberger mit großer Bühnen-Erfahrung

  • Hansy Vogt: Er hat über 25 Jahre TV- und Bühnenerfahrung als Moderator, Sänger und Bauchredner und brachte es bislang auf über 5000 Live-Auftritten. Wo immer er hinkommt, hat er den Schwarzwald dabei: Egal ob bei der „Sonntagstour“ oder beim „Fröhlichen Feierabend“ des SWR oder in den Konzerthallen der „Klingenden Bergweihnacht“ – Hansy Vogt dürfte zu den populärsten Schwarzwäldern zählen. Der offizielle Schwarzwald-Botschafter möchte bei seiner Tour Werbung machen für die Region. „Wir leben in einer grünen Oase des Glücks. Der Schwarzwald ist wunderschön."
  • Michelle: Die Schlagersängerin, bürgerlich Tanja Gisela Hewer, vertrat 2001 Deutschland beim Grand Prix Eurovision und erreichte mit "Wer Liebe lebt" einen durchaus respektablen achten Platz. Den Boulevard füttert die ehemalige Blumbergerin immer wieder mit Details aus ihrem Privatleben, zu dem auch eine geschiedene Ehe mit Matthias Reim ("Verdammt ich lieb' Dich") zählt. Zuletzt tauschte die 46-Jährige auf Instagram liebevolle Nachrichten mit einem Musiker aus. Der ist Mitglied der Schlager-Combo "Feuerherz" – und ganze 21 Jahre jünger als sie. (hon)