Im Revier Fützen/Epfenhofen ist trotz des Regens Anfang dieser Woche kein Durchschnaufen, schildert Revierleiter Patrick Egle. Der Regen und die abgekühlten Temperaturen hätten zwar die Entwicklung des Borkenkäfers verlangsamt, weil der Borkenkäfer bei Regen nicht fliege und dadurch keine neuen Bäume befallen könne. Doch erst am Montag habe er im Hochwald von Fützen neues Käferholz gefunden, zwei Tage später weitere zehn Bäume.

Auf dieser Freifläche im Hochwald bei Fützen stand früher dichter Wald, bis der Borkenkäfer kam. Bild: Bernhard Lutz
Auf dieser Freifläche im Hochwald bei Fützen stand früher dichter Wald, bis der Borkenkäfer kam. | Bild: Lutz, Bernhard

Von einer Lichtung im Hochwald sieht Patrick Egle den Hagenturm und den Funkmasten am Randenhof. Vor ihm eine Freifläche von etwa 0,4 Hektar, das Werk des Borkenkäfers. In seiner Hand hält er ein Tablet, mit Hilfe dessen er auf einer Landkarte die käferbefallenen Bäume eintragen, auf den Computer überspielen sowie den Mitarbeitern auf ihr Smartphone senden kann.

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„Jeder rote Punkt ist ein Befallsort“, sagt er. Grün sind die Flächen, die „schon abgevespert“ seien. Es sind schon mehrere grüne Flächen. Das Tablet, das die Stadt den Revierleitern stellt, sei für alle eine große Erleichterung.

Die Lage im Revier hat sich zugespitzt

Bei Patrick Egle hat sich die Lage im Blumberger Stadtwald in den letzten Monaten zugespitzt. „Mit der Situation Ende Juni/Anfang Juli war ich zufrieden. Wir haben nur wenig Käferholz gefunden und konnten dies dann zeitnah wegräumen.“ Mit der extremen Hitze im Juli mit Temperaturen bis zu 39 Grad seien die Bäume stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Deutlich zu sehen an dieser Fichte im Hochwald bei Fützen ist das braune Käfermehl. Bild: Bernhard Lutz
Deutlich zu sehen an dieser Fichte im Hochwald bei Fützen ist das braune Käfermehl. | Bild: Lutz, Bernhard

Das eigentliche Hauptproblem sieht Egle im trockenen und heißen Jahr 2018, als die Bäume wegen des trockenen Jahres und der hohen Temperaturen stark geschwächt worden seien. Dadurch konnten sie auch nicht wie sonst in normalen Jahren mit normen Regenfall – genügend Harz bilden, um den Borkenkäfer abzuwehren, was den ganzen Wald betraf.

Bei dieser Weißtanne hofft Revierleiter Patrick Egle auf eine Naturverjüngung im Randbereich der Freifläche im Fützener Hochwald. Bild: Bernhard Lutz
Bei dieser Weißtanne hofft Revierleiter Patrick Egle auf eine Naturverjüngung im Randbereich der Freifläche im Fützener Hochwald. | Bild: Lutz, Bernhard

„Das heißt, dass alle Baumarten mit diesem Problem zu kämpfen haben, nicht nur die Fichte“, die aber nach wie vor am meisten leide. So habe er auch ältere Tannen in seinem Revier, die es nicht mehr schaffen, das Wasser bis in die Wipfel zu transportieren und oben braun werden.

Eine junge Weißtanne, ein Leckerbissen für das Rehwild, erklärt Revierleiter Patrick Egle. Bild: Bernhard Lutz
Eine junge Weißtanne, ein Leckerbissen für das Rehwild, erklärt Revierleiter Patrick Egle. | Bild: Lutz, Bernhard

Im Juli erlebten die Forstleute jeden Tag, wie der Borkenkäfer sich vermehrte. In einem normalen Jahr finde die Borkenkäferentwicklung in drei Generationen statt. Wurde ein Baum von einem Borkenkäfer befallen, wussten die Forstleute, dass es circa fünf Wochen dauert, bis die nächste Käfer-Generation wieder ausfliegt.

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Dieses Jahr dann das Fiasko: „In einem Baum, den wir gefällt haben, konnten wir sowohl Eier, Larven, Jungkäfer und erwachsene Käfer finden“, schildert Egle. „Für mich war das deshalb so schlimm, weil ich gar nicht die Kapazität habe, um an allen Plätzen gleichzeitig zu arbeiten.“ Er habe nur eine bestimmt Anzahl Waldarbeiter und Unternehmer. Egle hat normalerweise drei Waldarbeiter, dieses Jahr waren sie aber im Revier Blumberg-Riedöschingen bei seinem Kollegen Stefan Riedmüller, der den stärksten Käferbefall zu verzeichnen hat. „Dieses Jahr hätten wir eigentlich überall gleichzeitig sein sollen.“ So habe er das Käferholz zusammen mit einem Unternehmer aufgearbeitet, der inzwischen aber wieder anderswo tätig sei.

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Das massenhafte Auftreten von Käferholz bereitet den Forstleuten mehrere Probleme. Die Unternehmer haben viele Aufträge, es gebe auch nicht mehr so viele wie vor ein paar Jahren. „Deshalb muss ich Unternehmer frühzeitig anfragen, um sie einzuplanen.“ Aus diesem Grund sei es auch so wichtig, dass die Stadt Blumberg eigene Waldarbeiter habe, die die unterschiedlichen Bedingungen der Reviere kennen und flexibel eingesetzt werden könnten.

In vielen Stellen des Stadtwalds wie hier im Distrikt Breitwang sind abgestorbene Fichten zu sehen, erkennbar an ihrer braunen Farbe. Bild: Bernhard Lutz
In vielen Stellen des Stadtwalds wie hier im Distrikt Breitwang sind abgestorbene Fichten zu sehen, erkennbar an ihrer braunen Farbe. | Bild: Lutz, Bernhard

In Egle Revier sind Freiflächen entstanden, zum Beispiel im Distrikt Hochwald zwischen Fützen und dem Schweizer Nachbarort Beggingen. Sie sollen im nächsten Frühjahr mit standortgerechten Bäumen aufgeforstet werden. Von der Forstverwaltung hätten sie dafür zwei Hilfsmittel: Die Standort-Karte und die Baumarten-Eignungstabelle.

Standort-Karte hilfreich

Die Standort-Karte beinhalte unter anderem die Bodeneigenschaften wie trocken, feucht, ob die Böden eher locker sind oder ob dort schwere Tonerde zu finden ist. „Uns ist es wichtig, dass man nicht eine Monokultur begründet, sondern mehrere Baumarten pflanzt, um das Risiko zu verringern und den Wald so stabil wie möglich in die Zukunft zu führen.“

Holzschwemme führt zu Preisverfall

„In diesem Jahr blutet uns Förstern das Herz“, sagt Patrick Egle. Das massive Auftreten von Käferholz führe zu einem Zerstören der gewohnten Waldbilder. Die dadurch mit bedingte Holzschwemme auf dem Markt führe zu einem Preisverfall, der auch die wertvolleren Hölzer betrifft.

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Auf der Rückfahrt nach Fützen reicht der Blick über die Wutachflühe auf die gegenüberliegende Blumegger Seite. Auch in den dortigen Wäldern sind deutlich die braunen Stellen mit den abgestorbenen Bäumen zu sehen, ebenso am Buchberg-Südwesthang. Auf den Forst kommt noch viel Arbeit zu.

SÜDKURIER-Serie über die drei Reviere endet

Die Schäden durch den Borkenkäfer waren im Juli Thema im Blumberger Gemeinderat. Vor der Waldbegehung am 13. September berichtet der SÜDKURIER über die drei Reviere. Auftakt war am 27. Juli das Revier Blumberg-Riedöschingen von Stefan Riedmüller (“Borkenkäfer bedroht den Stadtwald„). Am 16. August folgte das Revier Blumberg-Riedböhringen-Achdorf von Wolfgang Schelb (“Borkenkäfer setzt dem Stadtwald zu“). Heute nun das Revier Fützen-Epfenhofen von Patrick Egle.