Nach der einstigen Euphorie vor nicht ganz vier Jahren ist der Helferkreis auseinander gefallen. Übrig geblieben sind nur der ehemalige Sozialarbeiter Gernot Suttheimer und der für Fahrten zuständige Gerhard Witter. Das einst so beliebte Flüchtlingscafé gibt es auch nicht mehr. Vom Landratsamt ist die Integrationsmanagerin Irmtraut Krohmer zuständig. Auch sie kann im Moment nur im Hintergrund wirken.

Kaum Aussichten auf einen Job

Es ist kaum möglich, in der schwierigen Lage einen Arbeitsplatz für die meist willigen jungen Männer zu finden. So haben Hekmat Mommand und Mehru Usbek, beide Muslime, 22 Jahre alt und in Blumberg wohnhaft, schon eine ganze Reihe von Bewerbungen weggeschickt. Aber sie erhalten keine Antwort, denn Arbeitgeber halten sich mit Neuanstellungen zurück.

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Hekmat Mommand hat insofern Glück, dass er in einem privaten Haushalt untergekommen ist. „An das Besuchsverbot muss ich mich erst gewöhnen“, sagt er. Immer wieder ist er zu Kumpels nach Donaueschingen oder Schwenningen mit Bus und Bahn gefahren.

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„Jetzt aber fahren kaum noch Busse“, stellt er fest. Die Betreuung durch seinen Helfer findet er gut. Er würde gerne arbeiten gehen, denn seine Familie in Afghanistan braucht Geld.

Handykontakt zur Familie

Ebenso geht es Mehru Usbek. Auch er hat etliche Bewerbungen losgeschickt. „Ich bleibe jetzt halt in meinem Zimmer, auch wenn es schwer fällt“, seufzt er. Sein Betreuer hat aber trotzdem zu tun, denn es hat sich herausgestellt, dass Usbek aus ungewöhnlichen Gründen nicht krankenversichert ist.

Im früheren Gasthaus Adler-Post in Zollhaus sind Besuche verboten. Dort lebt noch etwa ein Dutzend Asylbewerber.
Im früheren Gasthaus Adler-Post in Zollhaus sind Besuche verboten. Dort lebt noch etwa ein Dutzend Asylbewerber. | Bild: gernott Suttheimer

Der junge Mann hält Handykontakt mit seiner Familie und den Freunden über das Smartphone. Fast täglich geht er in einen Supermarkt zum Einkaufen.

Warten auf den Ex-Chef

Beide haben viele Probleme mit Behörden. So hat Mommand seinen Arbeitsplatz Ende Januar verloren und hofft darauf, dass sein Ex-Chef endlich die Arbeitspapiere für das Sozialamt herausrückt. Zur aktuellen Krise können die beiden Aylbewerber nicht viel sagen. Auch in ihrem Heimatland Afghanistan krassiert das Coronavirus und fordert Tote. Für sie ist die derzeitige Lage ungewohnt und alles andere als einfach.

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Die Flüchtlingsunterkünfte im Schwarzwald-Baar-Kreis werden nicht aufgelöst, hieß es dieser Tage. Hier sei für die erforderliche Sicherheit gesorgt. Wie sich die Isolation auf die einzelnen Bewohner auswirken wird, bleibt abzuwarten. Infizierungen in solchen Unterkünften im Landkreis sind bislang nicht bekannt geworden.

Zahlungsfristen sind hinfällig

Die Krise hat auch einige wenige Vorteile für die Asylbewerber. Gesetzte Zahlungsfristen sind hinfällig und Gerichtverfahren werden sich verzögern. „Es ist manchmal nicht zu fassen, mit welchen Problemen wir uns befassen müssen“, erklärt Flüchtlingshelfer Gernot Suttheimer. Man bekomme dabei tiefe Kenntnisse über die Arbeit vieler Behörden. „Zum Glück ist die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und anderen Behörden sehr gut“, stellt er fest, „auch wenn man sich manchmal schon überfordert fühlt“.

Sport hilft ein wenig

Sobald die intensiven persönlichen Einschränkungen gelockert sind, werden Hekmat Mommand und Mehru Usbek wieder ihre Freunde besuchen. Diese Freude teilen sie mit den einheimischen jungen Leuten. Jetzt geht es hauptsächlich darum, das Coronavirus zu überleben. „Ein wenig Sport treiben hilft auch“, sagt Usbek. „Wir sind alle in Allahs Hand“, sind sich die beiden Muslime einig und beten, so oft es ihnen möglich ist, für das Ende der Pandemie.

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