Früher ein Mahnmal des erbitterten Streits steht heute die Kirche St. Cyriak in Kommingen für Versöhnung und Gemeinschaft. Die kirchlichen und weltlichen Gemeinden feierten am Samstagabend den Bau des Gotteshauses vor 200 Jahren mit einem Festakt im Gemeinschaftshaus.

Das Bläserensemble Hannoken Sextett aus Radolfzell eröffnete den Abend mit einer Intrade aus der Barockzeit. In seiner Begrüßungsrede stellte Pfarrgemeinderat Ekkehard Faller fest, dass die Einwohner von Kommingen viel mit St. Cyriak in Verbindung bringen. Die einstige Trennung der Altkatholiken von den Römischkatholischen habe Schmerzen verursacht.

Heute stehe die Kirche für Gemeinsamkeit der Dorfgemeinschaft. Die beiden Geistlichen Karlheinz Brandl und Stefan Hesse betonten in ihrem Gebet, dass die Kirche für die Menschen da ist. Auf Spurensuche begaben sich die beiden Dorfhistoriker Matthias Lohberger und Harald Sauter bis ins Archiv des Erzbistums Freiburg.

Matthias Lohberger referiert am Samstagabend über 700 Jahre Kommingener Geschichte.
Matthias Lohberger referiert am Samstagabend über 700 Jahre Kommingener Geschichte. | Bild: Gernot Suttheimer

Die Ergebnisse trug Lohberger in einem bebilderten Vortrag als Zeitreise mit historischen Ankern vor. Er beleuchtete die Vorgeschichte des Ortes Kommingen und fasste 700 Jahre Geschichte in der Länge eines Gottesdienstes zusammen.

Eine bis zu 700 Jahre alte Monstranz ist das älteste Zeugnis der Komminger Kirchengeschichte. Die Vorgängerkapelle von dem heutigen Kirchenbau St. Cyraik stand vermutlich schon um 1360. Eine rund 400 Jahre alte Figur ist erhalten geblieben.

Im 14. Jahrhundert gehörte das Hofgut Kommingen zum Kirchenbezirk Tengen. Die Kirchengemeinde wurde 1814 gegründet und fünf Jahre später die heutige Kirche gebaut. 1875 entstand ein heftiger Glaubenskonflikt zwischen Altkatholiken und Römisch-katholischen Gläubigen.

Das Kirchengebäude wurde zum Zankapfel. Heute sei dieser Streit nicht mehr nachvollziehbar, betonte Lohberger. Durch den Bau der alt-katholischen St. Johanneskirche wurden die Weichen für eine friedliche Zukunft gestellt. Cyriak passe gut zu Kommingen. Früher war es ein Mahnmal für Zerstrittenheit, heute ist es ein Zeichen für Toleranz.

Der stellvertretende Bürgermeister Rainer Gradinger überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Stadt und des Gemeinderats Blumberg. Heute sei in Kommingen ein harmonisches Miteinander fest zu stellen. Beide Kirchengemeinden würden sich durch gegenseitige Hochachtung auszeichnen.

Der Vorsitzender der alt-katholischen Kirchengemeinde Kommingen, Nordhalden und Uttenhofen, Rainer Happle, erklärte, die Kirche sei ein Stück Heimat und offen für alle, die Zuflucht suchen. In seinem Schlusswort dankte Pfarrgemeinderat Bernhard Rösch allen Personen, die am Fest mitwirkten. Am Sonntag kamen viele Gläubige zum Gottesdienst in die Kirche St. Cyriak.