Wer mit Karl Fricker auf den Feldwegen rund um Riedböhringen unterwegs ist, gewinnt den Eindruck, der Mann kennt jedes Schlagloch mit Vornamen. Jedenfalls steuert er seinen Golf 2 souverän um jede Bodenunebenheit herum, Ortsunkundige würden sich die Felgen ruinieren, wollten sie Frickers Tempo mithalten. Der 76-Jährige zeigt seinem Beifahrer vom SÜDKURIER die vielen Bänke am Eichberg, am Billibuck und am Wallibuck , die er für Spaziergänger mit Rasenmäher und Trimmer frei hält. Früher, so erinnert er sich, habe er häufig ältere Dorfbewohner dort sitzen sehen, den Blick auf ihre Heimatgemeinde gerichtet. Heute komme das natürlich auch noch vor, nur seltener – die Rentnergeneration ist mobil geworden.

Fricker hat bei Kardinal August Bea ministriert

Fricker kennt seine Heimatgemeinde mindestens so gut wie seine eigene Hosentasche. Er ist in Riedböhringen geboren, ist hier zur Schule gegangen und hat die meiste Zeit seines Berufslebens in der Achsenfabrik Überle verbracht und nur für die letzten zehn Jahre ging‘s nach Blumberg zu Darda. Für den VfL schnürte er die Fußballschuhe, bis er Mitte 40 war und wenn ein Trainer seinem Verein den Rücken kehrte, dann stand er als Interimscoach auf dem Platz, bis ein Nachfolger gefunden war. Und wie es sich für einen Riedböhringer in seinem Alter gehört, hat er den größten Sohn des Dorfes, Kardinal August Bea, noch persönlich kennen gelernt. Wenn der Würdenträger aus Rom kommend auf Heimaturlaub war und die Messe las, dann war der kleine Karl Fricker einer der Ministranten.

Ortsbildpflege ist bei Frickers Familiensache

Fricker hat den Job als Ortsbildpfleger 2003 von seiner Frau Rosa übernommen, nachdem für sie die Arbeit nach einer Operation zu anstrengend geworden war. Die zierliche Frau ist noch von Altbürgermeister und Altortsvorsteher Martin Buri angestellt worden. Jedes Mal, wenn sie ihren Garten betritt, blühen die Erinnerungen an jene Jahre auf: Denn dort stehen Rosen, die Mitte der 80er-Jahre beinahe einer Baumaßnahme an der Kirche zum Opfer gefallen werden. „Der Leiter der Stadtgärtnerei rief mich damals an und sagte, ich solle doch die Rosen ausgraben und mitnehmen, weil es doch schade wäre, wenn sie kaputt gingen“, erinnert sich Rosa Fricker.

Das Schaffen hat Fricker schon als Bub gelernt

Karl Fricker, der zusammen mit der Familie seines Sohnes im schön hergerichteten Elternhaus wohnt, stammt aus einer Landwirtsfamilie, das Schaffen hat er schon als Bub gelernt. Einer wie er kann nicht in der guten Stube hocken und dem Nichtstun frönen. Er muss raus, spürt er doch, wie gut ihm die Arbeit an der frischen Luft tut. Als Ortsbildpfleger warten auf ihn vor allem Mäharbeiten. Und so wirft er von Frühjahr bis Herbst seinen Rasenmäher an, ein fast schon antikes Modell, das aber noch einwandfrei funktioniert. Für die großen Flächen hat er ein Mähwerk, das er an seinen Traktor anschließen kann. Außerdem betreut er die kleine Kapelle an der Kirche, in der zwei Gedenkstelen mit den Namen der Riedböhringer hängen, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind. An Weihnachten schmückt er den Raum mit einem Christbaum. Und dann kümmert er sich noch um die Blumen am Ortseingang. Ím Winter sorgt er zudem dafür, dass die Bushaltestelle in Richtung Blumberg nicht zur Eisbahn wird.

Als Skilift-Betreiber ist Fricker in guter Erinnerung

Die tiefe Verbundenheit, die Fricker zu Riedböhringen pflegt, lebte er schon als junger Mann aus. Ende der 60er-/Anfang der 70er-Jahre konstruierte er zusammen mit Freunden und Bekannten einen kleinen, mobilen Schlepplift, der von einem Traktor angetrieben wurde und sogar einen Rundumlauf hatte. Der wurde an den Hängen rund um Riedböhringen bis Mitte der 90er-Jahre immer wieder aufgebaut – vor allem für die Kinder war das ein toller Service. Ein schattiger Hang am Eichberg wurde besonders oft zur Skipiste. „Da sind wir noch Ski gefahren, als die Bauern in Hüfingen schon am Einsähen waren“, so Fricker.

Frickers Motto: Wer rastet, der rostet

Neulich ist Fricker beim Mähen an einem kleinen Abhang ausgerutscht, er fiel hin und verletzte sich am Knie. Ein Signal, um vielleicht kürzerzutreten? Nein. Fricker weiß: Wer rastet, der rostet. Und darauf hat der Mann, der am kommenden Montag seinen 77. Geburtstag feiert, überhaupt keine Lust. Unlustig wird er nur, wenn die schwarzen Schafe unter den Hundebesitzern die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht eintüten. Verständlich, denn wer lässt sich schon beim Mähen gerne mit Kot vollgespritzen?