Blumberg – Die Diskussion über den Notarzt-Standort Blumberg hält an. Und je länger die Diskussion dauert, umso mehr Kritik wird laut. Kritik aus Blumberg und aus dem benachbarten Geisingen, weil weder die Gemeinden noch die beiden DRK-Ortsvereine die Pläne vorgestellt bekamen, wie Blumbergs Bürgermeister und DRK-Vorsitzender Markus Keller sowie Geisingens Bürgermeisterstellvertreter und stellvertretender DRK-Ortsvorsitzender Paul Haug erklären.

Bild: Lutz, Bernhard

Die Blumberger Notärzte kritisieren, dass sie über die Pläne gar nicht informiert worden seien. Beim zuständigen Bereichsausschuss hieß es zum letzten Punkt von Geschäftsführer Winfried Baumann auf Nachfrage, das könne er aus dem Stegreif gar nicht mehr sagen, „der Bereichsausschuss hatte das zu entscheiden.“

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  • Bereichsausschuss: Der Bereichsausschuss, in dem vor allem die Kostenträger das Sagen haben und die Notärzte nur beratende Funktion, hatte aufgrund eines Gutachtens entschieden, dass Blumberg künftig zwar ein offizieller Notarzt-Standort wird, dass dieser Standort aber am Längehaus bei Riedöschingen angesiedelt werden sollte, um von dort aus auch den benachbarten Raum Geisingen mitversorgen zu können.
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  • Dagegen wandten sich vor allem die Blumberger Notärzte, die diesen Dienst bisher neben ihren Praxen in Blumberg leisten. Von ihnen lud Rainer Holzke, der im Jahr an 300 Tagen Notarztdienst leistet, seine Blumberger Kollegen Martin Humbach und Christoph Damm, sowie Dr. Ekhard Stegmann vom Klinikum Tuttlingen und zwei Vertreter der Malteser ein, die den Zuschlag für den Notarztstandort Blumberg erhalten hatten.
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Großer Radius von Blumberg aus

  • Blumberg ist bei den Notärzten ein Standort mit einem großen Einzugsgebiet. Die Einsätze reichen bis nach Villingen im Norden, Tuttlingen, Singen, Schaffhausen, Lottstetten, Stühlingen und Bonndorf, wie eine Aufstellung von Notarzt Rainer Holzke zeigt (Grafik). Holzke und sein Kollege Martin Humbach hatten immer wieder betont, dass sie von Blumberg aus zumindest einen Teil von Geisingen mitversorgen, namentlich die Ortsteile Leipferdingen, Aulfingen und Kirchen-Hausen.
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  • Eine Recherche des SÜDKURIER ergab, dass in Geisingen tatsächlich Bedarf besteht. Geisingens Bürgermeister Walter Hengstler und DRK-Ortsvorsitzender hatte dazu Ende Mai, also bevor er seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahl zurückgezogen hatte, folgendes mitgeteilt: Aufgrund der Randlage von Geisingen im Landkreis Tuttlingen und der Entfernung nach Tuttlingen sei es schwierig, die Zeitvorgaben bei Rettungseinsätzen einzuhalten.
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  • Dieses Problem hätten sie zum Beispiel auch bei Feuerwehreinsätzen, wenn eine Drehleiter benötigt werde und diese aus Tuttlingen kommen müsse. Bei Notarzt- und DRK-Einsätzen rücke eine sogenannte Helfer-vor-Ort-Gruppe der DRK-Bereitschaft Geisingen mit aus (ehrenamtlich), und leiste wertvolle Unterstützung. Daher sei er froh, „wenn durch die Einrichtung eines Notarzt-Stützpunktes beim Längehaus eine schnellere Hilfe für unsere Einwohner erreicht wird.“

Hilfsfristen verbessern

  • Vorgaben für Gutachten: Die Aussagen von Geisingens Bürgermeister spiegeln sich in der Wahrnehmung des Bereichsausschusses. Dort nannte Geschäftsführer Baumann auf die Frage nach der Vorgabe für das Gutachten: die Verbesserung der Hilfsfristen für Geisingen und erläuterte, bei der Notarzt-Versorgung der Bevölkerung solle man die benachbarten Rettungsbereiche miteinbeziehen. Die Hilfsfristen betragen zehn bis 15 Minuten in 95 Prozent aller Fälle eines Rettungsbereichs im Jahr.

Hubschrauber im Einsatz

  • Klinikum Tuttlingen: Dr. Ekhard Stegmann, der am Klinikum Tuttlingen als Oberarzt der Unfallchirurgie für den Rettungsdienst verantwortlich ist, bestätigte die geschilderte Situation: Es sei richtig, dass die Blumberger Ärzte bisher Teile des südwestlichen Landkreises Tuttlingen mitversorgen, hauptsächlich bei Einsätzen in Aulfingen und Kirchen-Hausen, in Geisingen weniger. Dass Geisingen-Stadt gut versorgt sei, könne er nicht sagen. „Hier kommt meist der Hubschrauber aus Villingen zum Einsatz – zumindest tagsüber.“
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  • Allerdings erfüllten die Blumberger Ärzte als sogenannte selbstfahrende Notärzte nicht die gesetzlichen Kriterien, die im Rettungsdienstgesetz verankerte Hilfsfrist zu markieren. An einem regulären Notarztstandort Blumberg, wie dem am Längehaus geplanten, wäre dies möglich, da dieser rund um die Uhr mit einem ausgebildeten Rettungsassistenten oder Notfallsanitätern als Fahrer besetzt wäre und diese Kriterien erfüllen würde. Der Oberarzt betont: „Um diesen Standort optimal besetzen zu können, wäre die Unterstützung der Blumberger Notärzte meines Erachtens dort sehr hilfreich.“
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  • Angebot: Notarzt Rainer Holzke bietet dem Bereichsausschuss und den Kassen eine seiner Aussage nach kostengünstigere Lösung an: Er werde seine Praxis in Blumberg noch drei bis vier Jahre betreiben und dann in den Ruhestand gehen. Danach könnte man dort den Notarzt-Standort einrichten. Das sei ungleich günstiger als ein Neu- oder Anbau beim Längehauss.

Versorgung der Bevölkerung oberstes Ziel

  • Blumbergs Bürgermeister Markus Keller liegt die Versorgung der Blumberger Bevölkerung am Herzen, das sei sein oberstes Ziel. Wegen der ärztlichen Versorgung allgemein hätten die Städte Blumberg, Donaueschingen, Hüfingen und Bräunlingen eigens einen Arbeitskreis gebildet. Einen guten Ansatz fände er, wenn Rainer Holzke beim Eintritt in den Ruhestand einen Nachfolger hätte, der die Notarzt-Dienste mit übernähme.

Einblick in Gutachten gefordert

  • Vom Bereichsausschuss hätte er gerne Einblick in das Gutachten. Bisher habe leider noch immer keine Kommunikation stattgefunden, trotz seiner bereits öffentlich geäußerten Kritik. Keller betonte: „Wir wollen das Gutachten nicht einfach so hinnehmen, und vor allem nicht auf Zuruf.“

Kritik an Bürokratie

  • Geisingens Bürgermeisterstellvertreter Paul Haug ist seit 50 Jahren im DRK-Ortsverein, derzeit als stellvertretender Vorsitzender. Er kann sich durchaus einen Notarzt-Standort in der Blumberger Kernstadt vorstellen, da der Notarzt von Donaueschingen in rund zehn Minuten in Geisingen sei. Weshalb der Notarzt-Standort an das Längehaus soll, leuchtet ihm nicht ein. „Das sieht nach Bürokratie aus“, äußert Haug und fragt sich, wie der Standort angesichts des drohenden Ärztemangels besetzt werden soll: „Wo wollen die die Ärzte hernehmen?“

Malteser fordern Tranparenz

  • Daniel Hierholzer, bei den Maltesern stellvertretender Rettungsdienstleister für Baden-Württemberg, sieht Kommunikationsbedarf beim Bereichsausschuss, der Transparenz schaffen müsse. „Uns wäre es lieb, wenn es zu einem Austausch des Ausschusses mit den bestehenden Notärzten kommt“, sagte er auf Anfrage. Sein Ziel sei es, die bestehenden Notärzte zu integrieren. Leider tage der Bereichsausschuss nur zwei Mal im Jahr.