"Die ganz genaue Besucherzahl haben wir noch nicht, aber ich kann guten Gewissens sagen, dass wir noch nie so viele Gäste hatten wie in diesem Jahr. Schon am Samstagnachmittag, an dem es früher immer etwas ruhiger zuging, war richtig viel los", so Clemens Benzing, der Initiator der Festivals am Sonntagabend. Mit der Rekordkulisse strahlt die Blumberger Leuchtturmveranstaltung weit in die Region aus und hat beste Werbung für das Image der Stadt zwischen Eichberg und Buchberg gemacht.

Bemalte Gesichter, bemalte Straße: Timm Reining und Josephine Renge.
Bemalte Gesichter, bemalte Straße: Timm Reining und Josephine Renge. | Bild: Roland Sigwart

Was auffiel: Weil der große und von der Stadtkapelle betreute Getränkestand ganz nah an die Wiese zwischen Sparkasse und der Kita Stadtzwerge gewandert war und dort auch der TuS seine Grills aufgebaut hatte, entstand auf dem Festivalgelände plötzlich ein richtiger Biergarten. Dicht gedrängt saßen hier die Menschen zusammen, teilweise im Schatten von Bäumen. Dieses schöne Fleckchen Erde mitten in Blumberg gehöre viel öfters für Feste oder andere öffentliche Veranstaltungen genutzt, war immer wieder von Blumbergern zu hören. Vielleicht macht der Erfolg beim Street-Art-Festival der Stadtverwaltung und den Vereinen ja Mut, hier häufiger den Bär steppen zu lassen.

Video: Holger Niederberger

Am Sonntagnachmittag gab es dann kaum mehr ein Durchkommen, so viele Neugierige bevölkerten die Hauptstraße und die meist gut gefüllten Spendenkässchen an den Straßenbildern zeigten, dass viele Besucher in Geberlaune waren. Davon profitiert auch das Kreistierheim Donaueschingen, das in diesen Tagen neu gebaut wird. Street-Art-Künstlerin Sandra Friedrich griff für die Einrichtung zur Kreide und malte Hunde, Pferde, Katzen und weitere Tiere.

<strong>Oben:</strong> Aufgereiht wie an einer Perlenkette: Straßenmaler brauchen gute Kniegelenke. <strong>Links:</strong> Eine Schönheit mit wehendem blonden Haar von Laura Nannucci. Rechts: Martino Larocchia zeigt, das Straßenmalerei auch in Schwarz-Weiß funktioniert
Bild: Roland Sigwart

Einen Künstler herauszuheben, würde bedeuten, den anderen unrecht zu tun. Was für Erwachsene gilt, trifft aber nicht auf Kinder zu: Der elfjährige Maxim Ristoc, zum zweiten Mal dabei, gewann im vergangenen Jahr die Kinderklasse und wurde dieses Jahr in die Hobby-Meisterklasse eingestuft. "Das gab's noch nie", sagt Clemens Benzing. "In diesem Alter schon so gut zu sein, Wahnsinn." Eine Künstlerin muss dann aber doch erwähnt werden, weil ihr Motiv einigen Besuchern Rätsel aufgab. Hat Ornella Zaffanelli jetzt David Bowie oder Billy Idol auf den Blumberger Asphalt gebracht? Der schwarze Hintergrund konnte als Hilfe dienen: Es war der viel zu früh gestorbene David Bowie. Ein Besucher vermisste religiöse Motive, die in Italien bei vergleichbaren Veranstaltungen immer in großer Anzahl vorkommen.

Video: Holger Niederberger

Ein Verein nutzte den großen Bekanntheitsgrad des Street-Art-Festivas, um auf eine Straftat aufmerksam zu machen, die bei den meisten Menschen ohnmächtige Wut verursacht: der Missbrauch von Kindern. Der Blumberger Eugen Schäfer betreute einen Infostand der "Biker Against Childporn and Abuse" (übersetzt: Finger weg – Biker gegen Kinderpornografie). Der Verein hat seinen Sitz in Leverkusen. Schäfer zählt zu den wenigen Aktiven der Regiogruppe Baden-Württemberg und will mit seinem Engagement dazu beitragen, die Mauern des Schweigens, die das Thema immer noch umgeben, zu durchbrechen. Nicht wegsehen, sondern handelt, so sein Credo. Der Verein sammelt Geld und unterstützt damit Vereine, die über sexuellen Missbrauch aufklären und Betroffenen helfen.

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Sobald die Schönwetterperiode endet und sich die ersten Wolken über Blumberg abregnen, werden die Zeugnisse des Straßenmaler-Spektakels verschwinden. Damit haben die Straßenkünstler gelernt zu leben. Und die Blumberger auch. Sie wissen: nach dem Street-Art-Festival ist vor dem Street-Art-Festival.

Wächst aus dem Asphalt raus: Das Motiv von Javier Arredondo Escalante.
Wächst aus dem Asphalt raus: Das Motiv von Javier Arredondo Escalante. | Bild: Roland Sigwart