Messungen haben am Samstagvormittag gezeigt, dass keine Chromsäure in die Aitrach und einen kleinen Stauweiher geflossen ist. Das Wasser des Entwässerungsgrabens, der in Richtung Aitrachtal führt, war allerdings hochgradig kontaminiert. Laut Michael Koch, dem Chef des Amts für Wasser- und Bodenschutz, wurde eine Belastung von 200 Milligramm mit Chrom 6 pro Liter gemessen, der Grenzwert liegt bei 0,1 Milligramm. 25 Kubikmeter des verseuchten Chrom 6-Wassergemisches wurden von Einsatzkräften der Feuerwehr und des Technischem Hilfswerks abgepumpt und für die Entsorgung vorbereitet. Am Montag sollen Bodenproben des Entwässerungsgrabens genommen werden. Wenn die Ergebnisse vorliegen, wird darüber entschieden, ob das Erdreich großflächig abgetragen werden muss oder nicht.

Der Teil der verdünnten Chromsäure, der nach dem Arbeitsunfall in die Kanalisation gelangte, konnte in einem Regenüberlaufbecken an der Blumberger Mühlhalde geleitet werden. Von dort wurde es den Gampen hinab in ein Becken der Achdorfer Kläranlage gepumpt. Das dauerte bis 1.30 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag.

Am Samstagnachmittag sind durch Mitarbeiter eines Tübinger Chemielabors dort Wasserproben entnommen worden– und ein erstes Ergebnis hat die Verantwortlichen durchatmen lassen: Das hochtoxische Chrom 6 sei kaum nachweisbar gewesen, es habe sich vermutlich durch die Zufuhr von Sauerstoff in andere, viel weniger gefährliche Chrombestandteile umgewandelt, so Koch. Am Montag soll das komplette Analyseergebnis vorliegen. Ob das Abwasser im Becken behandelt werden kann oder abtransportiert werden muss, wird sich dann entscheiden. Da Wassermeister Dieter Schmidl derzeit im Urlaub ist, hat dessen Stellvertreter Henry Hille Dienst. Wäre die Konzentration von Chrom 6 hoch gewesen, wäre wohl das Becken gekippt und für mehrere Wochen unbrauchbar gewesen. Anscheinend ist viel weniger verdünnte Chromsäure in der Kanalisation gesickert als in den Entwässerungsgraben. Auch der Boden rund um den Unfallort wird am Montag noch unter die Lupe genommen.

Der Chemieunfall ereignete sich bei der routinemäßigen Kontrolle zweier mit verdünnter Chromsäure gefüllten Tanks. Der Geschäftsführer stürzte von einer Leiter und beschädigte so das Verbindungsrohr und die Verschlüsse beider Tanks – worauf sechs Kubikmeter verdünnte Chromsäure ausliefen, zwei Kubikmeter davon konnten nicht mehr aufgefangen werden und flossen in die Kanalisation und einen Entwässerungsgraben. Der Mann wurde bei dem Arbeitsunfall leicht verletzt.