Beim Kreiserntefest am Sonntag in Mundelfingen war es beim Stehempfang das Thema, das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und seine möglichen Auswirkungen. Nachdem Landrat Sven Hinterseh in seiner Rede auch das Thema Bienen einbezog und erklärte, sein Vater sei Winzer und könne ohne Spritzmittel den Betrieb so nicht aufrechterhalten, wurde an den Stehtischen viel darüber gesprochen.

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Wie sieht man das Ganze beim Badisch Landwirtschaftlichen Hauptverein (BLHV) in Blumberg? Bienen kennt der BLHV-Stadtverbandsvorsitzende Markus Keller seit seiner Kindheit. In seinem Heimattort Opferdingen, der heute ein Teilort des Blumberger Stadtteils Achdorf ist, gab es früher mehrere Imker. Heute gebe es mit seinem Nachbarn Josef Maier nur noch einen Imker. Markus Keller verstand Bienen zum einen als Honiglieferant, zum anderen als Kind aus einer Landwirtschaftsfamilie auch als Bestäuber der Obstbäume auf den zahlreichen Streuobstwiesen des Achdorfers Tals.

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Auch heute sieht Keller die Bienen nach wie vor als wichtigen Bestäuber im Obstbau und für andere Kulturpflanzen. Zur Erhaltung der Artenvielfalt sei die Biene auch wichtig. Eines betont der engagierte Landwirt: Die Honigbiene selbst sei seines Erachtens nicht vom Aussterben bedroht, bedroht seien vielmehr die Wildbienen und andere Insekten. Mit dem Rückgang der Landwirtschaft seien auch viele Insekten verschwunden, weil es heute kaum mehr Misthäufen gebe, auf denen die Insekten Nahrung finden.

Kaum mehr Misthäufen im Ort

„Wenn man heute durch neue Baugebiete fährt, befinden sich vor den Häusern oft nur noch Steine, und hinter dem Haus läuft oft der Rasenroboter, der jedes Gänseblümchen abschneidet, das den Kopf gegen die Sonne streckt.“ Wo, so Keller, „soll ein Insekt hier noch Nahrung finden?“

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Für den BLHV erklärt Markus Keller: „Wir wenden uns entschieden gegen das Volksbegehren.“ Die Initiatoren nutzten die Biene als populäres Mittel zum Zweck und verweist auf einen Bericht des BLHV-Landesverbands Baden in der Badischen Bauernzeitung. Hier dränge sich der Verdacht auf, dass es nicht zuerst um die Biene gehe, sondern um andere Ziele. Einen Aufruf „rettet die Schnaken“ würde vermutlich keiner unterzeichnen, heißt es in dem Bericht.

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Zu dem im Volksbegehren ebenfalls angestrebten Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten weist Keller darauf hin, dass es in Blumberg fast flächendeckend Vogelschutzgebiete gebe, mit Ausnahme von Teilen Riedöschingens, sowie den ganzen Gemarkungen von Kommingen und Nordhalden.

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Heute sei fast die ganze Baar, einst die Kornkammer Badens genannt, Vogelschutzgebiet, wo dann keine Spritzmittel mehr eingesetzt werden dürfen. Doch die Spritzmittel würden ja angewandt, um die Pflanzen zu schützen und hochwertige Nahrungsmittel zu erzeugen, und nicht, um irgend jemanden zu vergiften. Auch in der Biolandwirtschaft würden Mittel eingesetzt, Biozide, sagt Keller.

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Hätte das Volksbegehren Erfolg, müssten die Landwirte gerade im Getreideanbau mit schlechteren Erträgen rechnen, und dies auch noch mit schlechterer Qualität. Im Obstbau wiederum würden dann viele Äpfel oder Birnen nur noch Mostobst, bei Preisen von sechs Euro für einen Doppelzentner, wie bereits erlebt, lohne sich das Bücken zum Aufheben gar nicht mehr. Das Volksbegehren strebe bis zum Jahr 2035 insgesamt 50 Prozent Ökolandbau auf Agrarflächen an. Der BLHV strebe jetzt mit anderen Verbänden einen Volksantrag als bessere Alternative an, über den demnächst näher informiert werden soll.

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Keller sieht ein Problem: Auch das Agrarpaket der Bundesregierung, das durch das Insektenschutzprogramm Einschnitte für die konventionelle Landwirtschaft bedeute, drücke die Landwirte. Als stiller Protest „kam die Reaktion mit den grünen Kreuzen.“

Bei der Gewerbeschau in Riedböhringen hatten wir einen Stand, wo es auch um dieses Thema gegangen ist. Sie hätten viele gute Gespräche geführt.

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Etwas anders sieht das Ganze Bernhard Keller, der Leiter des Hegerings Blumberg. Er sei für das Volksbegehren, sagt er. Sie hätten früher auch Landwirtschaft in Riedöschingen gehabt, und das Unkraut mit der Hacke und der Hand bekämpft. Es gebe immer weniger Insekten, das merke er unter anderem an der Windschutzscheibe seines Autos. Früher sei sie schnell voller Insekten gewesen, heute müsse er sie ungleich weniger davon säubern.