Schon bei der Zufahrt ins Werner-Gerber-Stadion wird deutlich, dass an der 1977 eingeweihten Sportanlage der Zahn der Zeit nagt: Das T auf der Hinweistafel ist abgeblättert und auch die Umgebung hinterlässt einen unfertigen, fast schon ein wenig schmuddeligen Eindruck. Auf der Aschenbahn wächst Gras, gleiches gilt für den Hartplatz. Und auf dem alten Handballplatz ist der Tartanbelag zum Teil abgeblättert, vor Jahrzehnten hat hier zum letzten Mal ein Rückraumspieler zum verzögerten Sprungwurf abgehoben. Das Werner-Gerber-Stadion ist seit vielen Jahren eine Dauerbaustelle.

Bis 2005 sah das freilich ganz anders aus, denn in der Person von Albert Schnell leistete sich die Stadt einen eigenen Platzwart. Die Stelle wurde nach der Pensionierung des vielfach engagierten Blumbergers nicht mehr besetzt. Unter dem früheren Bürgermeister Matthias Baumann regierte im Rathaus der Rotstift, vor allem auch bei den Personalkosten. Natürlich halten Verwaltung und Gemeinderat die für eine Kleinstadt wie Blumberg mittlerweile viel zu groß gewordene Anlage soweit in Schuss, dass der Trainings- und Spielbetrieb funktioniert, so wurden unter anderem die schlimmsten Mängel am Funktionsgebäude (Umkleidekabinen, Duschen) vor einigen Jahren behoben oder die Abwasserrinnenabdeckung an der 400-Meter-Bahn wieder in Ordnung gebracht. Aber: attraktiv und modern ist anders.

Doch jetzt geht der TuS Blumberg in die Offensive. Er kann sich vorstellen, den Hartplatz und eventuell den alten Handballplatz zu übernehmen (auf der Grafik rot umrandet). Und auch das Funktionsgebäude samt kleinem Rasengrundstück (blau umrandet). Gleichzeitig kündigt Vereinschef Marco Hörenz in einem Schreiben an das Rathaus an, diese beiden Bereiche dann „umgehend zu modernisieren". Der Vorsitzende geht davon aus, dass für eine Gesamtmodernisierung des Stadions inklusive der Umwandlung des Hartplatzes in einen Kunstrasenplatz kein Geld vorhanden sei, Hörenz schätzt die Investitionskosten dafür auf weit über eine Million Euro. Sein Vorschlag werde dazu beitragen, die Stadt "planungstechnisch und finanziell" zu entlasten, ist sich Hörenz sicher.

Damit der TuS selbst aktiv werden kann, müssten die genannten Bereiche des Stadions aber in das Eigentum Turn- und Sportvereins übergehen. Zwei Alternativen kommen laut Hörenz dafür infrage: Entweder verkauft die Stadt die beiden angesprochenen Flächen für einen symbolischen Preis von einem Euro, denkbar sei aber auch eine Erbpacht-Regelung.

Ein Grobkonzept für die Sanierung von Hartplatz und altem Handballplatz hat der TuS schon aufgestellt und den Gemeinderäten zukommen lassen. Danach hat der Verein von einem Kunstrasenplatz Abschied genommen, weil die Kosten dafür einfach zu hoch sind. Stattdessen soll ein neuer Rasenplatz angelegt werden. Ein Kunstrasenplatz, so hat der TuS ausgerechnet, schlägt in 25 Jahren mit 910 000 Euro zu Buche (Baukosten plus alle zwölf Jahre Erneuerung der obersten Schicht plus Entsorgungskosten), ein Naturrasen dagegen nur mit 180 000 Euro (einmalige Baukosten). Bei dieser Rechnung fehlen die Wartungs- und Unterhaltskosten. Die würden aber ebenfalls zu ungunsten des Kunstrasens ausfallen, schreibt der TuS in seiner Gemeinderatsvorlage. Außerdem kündigt der TuS an, die Flutlichtanlage modernisieren zu wollen. LED soll die herkömmlichen Leuchtmittel ersetzen, hier seien Förderungen durch den Bund von bis zu 90 Prozent möglich. Um den neuen Rasenplatz würden die Vereinsmitglieder Pflastersteine verlegen. Die Breite des neuen Weges läge bei mindestens zwei Meter. Hinter den Toren und auf der Gegengeraden kann sich Hörenz einen rund einen bis eineinhalb Meter hohen Wall vorstellen, von dem aus die Zuschauer gut die Spiele verfolgen könnten.

Für den alten Handballplatz gibt es auch schon eine Idee. Der könnte mit den Resten des Hartplatzes aufgeschüttet werden, um bei schlechtem Wetter auf diesen Platz auseichen zu können. Eine zukünftige Strategie könnte auch sein, dass der TuS zu einem späteren Zeitpunkt aus diesem Hartplatz dann einen Rasenplatz macht.

Im Gespräch mit dem SÜDKURIER macht Hörenz klar, dass die von ihm und seinen Vorstandskollegen ausgearbeiteten Übernahmepläne samt Grobkonzeption und Finanzierungsplan noch mit den TuS-Mitgliedern abgestimmt werden müssten. Dafür will er eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Doch zunächst muss er bei der nächsten Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 19. Juli, die Fraktionen von seinen Visionen überzeugen.