Das ist kein Ruhmesblatt für die Stadt Blumberg: Rund zehn Jahre, nachdem der damalige Fraktionschef der CDU, Stefan Scherer, im Gemeinderat angekündigt hatte, die Initiative für eine Bürgerstiftung zu ergreifen, haben er und die Stadt Blumberg das Projekt wieder begraben. In einem von Bürgermeister Markus Keller und dem Ehrenbürger Stefan Scherer unterschriebenen Brief wird den offensichtlich zu wenigen Geldgebern für ihr Engagement gedankt. Gleichzeitig werden sie darüber informiert, dass der gespendete Betrag wieder auf ihr Konto zurücküberwiesen wird.

In einem dem SÜDKURIER vorliegenden Schreiben heißt es, dass bislang 54 000 Euro an Spenden eingegangen seien. Darunter sind 25 000 Euro, die der Gemeinderat 2014 bewilligte, um seine Verbundenheit mit dem Projekt auszudrücken. Doch auch dieses Signal hat nicht geholfen, zu viele Blumberger Gewerbetreibende, Industriebetriebe und Privatpersonen hielten ihre Geldbeutel geschlossen. Auch mehrere Aufrufe im Mitteilungsblatt, sich als Stifter einzubringen, waren nicht von Erfolg gekrönt.

Nachdem 2009 das Gründungskapital einer Stiftung bei 50 000 Euro lag, hat sich dieser Betrag mittlerweile verdoppelt. Keller und Scherer glauben nicht, dass in den nächsten Jahren 100 000 Euro zusammenkommen werden. Und auch mit 100 000 Euro sei "heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen", sagt Keller. Das Zinsniveau sei einfach zu gering und es drohten sogar Negativzinsen. Der Rathauschef ist sich sicher: Wäre die Bürgerstiftung ein paar Jahre früher auf den Weg gebracht worden, dann wäre aus ihr auch etwas geworden. Auch Stefan Scherer spricht davon, dass ihm die Finanzkrise 2008 und die folgende Wirtschaftskrise die Geld-Akquise erschwert habe.

Die projektierte Bürgerstiftung hatte zum Ziel, sozial schwache oder in Not geratene Blumberger zu unterstützen. Als Adressat von Finanzspritzen waren auch wichtige Vereine wie die Feuerwehr im Gespräch, Kindergärten oder Institutionen, die sich um Heimatpflege und Brauchtum oder um Gesundheitsvorsorge kümmern.

Bürgermeister Markus Keller kündigt auf Nachfrage an, in einigen Jahren – "wenn die Rahmenbedingungen besser sind" – erneut den Versuch zu unternehmen, eine Bürgerstiftung aus der Taufe zu heben. Möglicherweise führe der Weg, den Bad Dürrheim eingeschlagen habe, zum Erfolg. Dort sei zunächst ein auf mehreren Füßen stehender Förderverein gegründet worden, der dann in eine Bürgerstiftung überführt wurde.

So berichtete der SÜDKURIER in seiner Ausgabe vom 5. Mai 2015.
So berichtete der SÜDKURIER in seiner Ausgabe vom 5. Mai 2015. | Bild: Südkurier

Bekannte Gesichter stehen Stiftungen vor

Blumberg ist die einzige Stadt im Städteviereck ohne Bürgerstiftung.

  • Bürgerstiftung Donaueschingen: Am 1. Dezember 2006 haben 101 Privatpersonen, Firmen und Institutionen die Bürgerstiftung Donaueschingen mit einem Grundstock von 150 000 Euro gegründet. Das Vermächtnis der Lehrerin Elisabeth Stierle vervielfachte 2010 das Stiftungsvermögen auf knapp über eine Million Euro. Stiftungsratsvorsitzender ist mit dem früheren Donaueschinger Hauptamtsleiter Ernst Zimmermann eine renommierte Persönlichkeit. Mit rund 200 000 Euro Fördermitteln hat die Bürgerstiftung Donaueschingen bislang Dutzenden Projekten zur Umsetzung verholfen.
  • Bürgerstiftung Bräunlingen: Die Stiftung ist seit 30. Mai 2005 als gemeinnützig anerkannt. 29 Gründungsmitglieder haben das Gründungskapital von rund 72 000 Euro aufgebracht. Mittlerweile beträgt das Stiftungskapital über 220 000 Euro. Vorsitzender des Stiftungsrats ist ein in der Region bekanntes Gesicht: Steffen Würth, Geschäftführer von Straub Verpackungen. Das Augenmerk der Bürgerstiftung Bräunlingen gilt hilfsbedürftigen Bürgern, der Jugendhilfe und der Altenhilfe.
  • Bürgerstiftung Hüfingen: Sie wurde auf Initiative des Rathauses und des Gemeinderates in den Jahren 2007 und 2008 geplant und gegründet. Das Gesamtkapital der Bürgerstiftung Hüfingen beträgt 168 000 Euro, knapp 160 000 Euro davon sind Stiftungskapital. Die Hälfte der Zinserträge werden laut Satzung in Jugendarbeit, Bildung, Altenhilfe, Sport/Gesundheit, Umwelt- und Naturschutz sowie Kunst, Kultur und Denkmalpflege gesteckt. Vorsitzender des Stiftungsvorstands ist Thomas Liebert, Chef eines in Hüfingen ansässigen Ingenieurbüros für Versorgungstechnik mit Niederlassungen in Berlin, Neu Delhi und München.
  • Im Wortlaut: In ihrem Brief an die Spender der nicht zustande gekommenen Blumberger Bürgerstiftung finden Markus Keller und Stefan Scherer warme Worte: "Wir danken Ihnen für Ihren Einsatz und den Willen, ein Projekt zu unterstützen, dass zum Ziel gehabt hätte, die Zinserträge an sozial schwache Personen auszuschütten. Wir sind uns sicher, dass Ihr soziales Engagement nicht mit der Absage der Bürgerstiftung aufhört." 

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