Blumberg – Dass eine Staatssekretärin aus Berlin nach Blumberg kommt, ist etwas Besonderes. Wenn dann auch noch ein Staatssekretär der Stuttgarter Landesregierung und ein Regierungs-Vizepräsident anreisen, muss es sich schon um etwas ganz Besonderes handeln. Und das war es auch am Mittwoch in Blumberg-Achdorf. Dort wurde im „Haus des Gastes“ die Umsetzung des „Naturschutzgroßprojekts Baar“ gestartet. Ein Projekt von zehn Gemeinden mit einer Fläche von mehr als 4200 km2, bei dem der Schwarzwald-Baar-Kreis als Projektträger mit dem Landkreis Tuttlingen kooperiert, da Geisingen zu den Projekt-Gemeinden zählt. Höhepunkt war das Überreichen eines Förderbescheids über mehr als acht Millionen Euro durch die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter.

Die Jagdhornbläsergruppe des Hegerings Donaueschingen eröffnete die denkwürdige Feier stilvoll, das Stück „Vier Jahreszeiten“ passte zum Frühling. Auf einer großen Karte stand „Chance Natur“, darum ging es die nächsten Stunden. Das Achdorfer Tal ist für das Projekt prädestiniert, zählt es doch zu den jüngsten Tälern Europas mit einem großen Artenreichtum. Achdorf stehe für den ländlichen Raum, betonte Blumbergs Bürgermeister Markus Keller. Fast ein Fünftel des Naturschutzgroßprojekts befinde sich auf Blumberger Gemarkung, „was uns auszeichnet, ist die hervorragende Natur und Landschaft“.

Landrat Sven Hinterseh schilderte kurz die Entwicklung des Naturschutzgroßprojekts und ging auch auf Vorbehalte des BLHV ein. „Wir wollen dafür werben, dass wir viele Landwirte finden, die mitmachen“, sagte Hinterseh.

Nach dem offiziellen Teil und einem Empfang schilderten Professor Markus Röhl von der Hochschule Nürtingen und Projektleiter Thomas Kring auf einer kleinen Exkursion am unteren Waldrand des Eichbergs die Bedeutung der hier vorhandenen Leitstrukturen für den Artenreichtum. Und Landtagsabgeordnete, hohe Beamte, Bürgermeister, Kreisräte und Stadträte aus beiden Landkreisen hörten aufmerksam zu. Naturschutz, das wurde hier deutlich, verbindet.

Landwirte sehen das Projekt skeptisch

Die Gemarkung Blumberg liegt inmitten dieses kreisübergreifenden Projekts.

  • Das Naturschutzgroßprojekt Baar ist zum uberwiegenden Teil im Schwarzwald-Baar-Kreis angesiedelt. Das Projektgebiet umfasst circa 440 km² und erstreckt sich im Schwarzwald-Baar-Kreis auf Teilflächen der Kommunen Königsfeld, Mönchweiler, Brigachtal, Villingen-Schwenningen, Bad Durrheim, Donaueschingen, Bräunlingen, Hufingen und Blumberg sowie auf Geisingen im Landkreis Tuttlingen, heißt es auf der offiziellen Homepage.
  • Vorbehalte: Bei der Diskussion im Blumberger Gemeinderat äußerte der BLHV-Stadtverbandsvorsitzende Markus Keller aus Opferdingen Bedenken seitens der Landwirte. Die Blumberger Landwirte lehnten das äußerst umstrittene Großprojekt schlichtweg ab. „Wir sind hier im Kreis in Sachen Naturschutz- und Vogelschutzgebiet sehr weit vorne“, sagte er.
  • FFH-Flächen: Im Interview mit dem SÜDKURIER hatte Markus Keller auf die Problematik der FFH-Flächen (Flora, Fauna, Habitat) für die Landwirte hingewiesen. „Die Kartierung einer FFH-Fläche gleicht einer Enteignung“: was einmal als FFH-Wiese kartiert sei, wird diesen Status immer behalten. Der Aufwuchs einer solchen Fläche kann allenfalls als Pferdeheu verwendet werden, wenn keine Giftpflanzen wie Herbstzeitlosen darin enthalten sind. Aber für eine Milchkuh dient es höchstens als schlechter Einstreu.“
  • Ausstellung: Einen ersten Eindruck von dem geplanten Großprojekt konnte sich die Bevölkerung in Blumberg ab Mai 2015 im Rahmen einer Wanderausstellung machen. Eine Reliefkarte zeigte das gesamte Gebiet. Die Besucher konnten Knöpfe drücken und anhand der aufgehenden Lichter selbst sehen, wo bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie die Strauch-Birke oder das Braunkehlchen vorkommen. (blu)