Blumberg – Friedel Gerber, die Witwe des früheren Blumberger Bürgermeisters Werner Gerber, wird am morgigen Sonntag 95 Jahre alt. Sie blickt auf ein engagiertes, intensives Leben zurück, das über lange Jahrzehnte aufs engste mit Blumberg verbunden ist. In Mußbach in der Pfalz wuchs sie als eines von acht Geschwistern auf, besuchte in Kehl die Schule, nach Schulabschluss die Handelsschule und begann eine Ausbildung als Drogistin.

In Kehl arbeitete sie dann in der Krankenhausverwaltung. 1946 heiratete sie Werner Gerber. Über Villingen kam sie dann mit ihrem Mann nach Blumberg, der 1963 zum Bürgermeister der Eichbergstadt gewählt worden war. Drei Kinder und eine Pflegetochter vervollständigten die Familie und Friedel Gerber sorgte für all die anfallenden Aufgaben, die Familie, Haus und Garten mit sich bringen. Aber allein bei dieser Aufgabe blieb es nicht.

Soziales Engagement

Über die Kriegs- und Nachkriegszeit immer wieder mit Not und Elend konfrontiert, war soziales Engagement für Friedel Gerber eine Selbstverständlichkeit, und so gründete sie 1978, als die Kinder schon alle aus dem Haus waren, mit sechs gleichgesinnten Frauen den „Mobilen Mittagstisch“, um allen, die selber nicht mehr in der Lage waren, sich zu versorgen , einmal täglich eine warme Mahlzeit zu ermöglichen. Am Anfang wurde noch selbst gekocht, das war aber auf die Dauer wegen der großen Nachfrage nicht mehr möglich. „Die damalige Firma Teves übernahm über die Kantine das Kochen, und wir waren mit unserem Angebot zwei Jahre vor Donaueschingen erfolgreich,“ Friedel Gerber freut dies noch heute.

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Die enge Zusammenarbeit mit dem DRKBlumberg kam zustande und ist heute kaum mehr im sozialen Angebot wegzudenken. Jetzt versorgen die Fahrerteams des DRKBlumberg kontinuierlich immer mehr ältere Mitmenschen mit der täglichen warmen Mahlzeit. Aber das ist ja nicht alles. „Die freiwilligen Helfer kommen ins Haus und haben immer Zeit für ein kleines Gespräch, das ist ganz wichtig für ältere Menschen in unserer so schnelllebig gewordenen Zeit,“ so Friedel Gerber nachdenklich. 1996 legte sie die Verantwortung für den so gut etablierten „Mobilen Mittagstisch“ in jüngere Hände und widmete sich der immer größer gewordenen Familie.

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Viel hat sie zusammen mit ihrem Ehemann über lange Jahre getragen und verändert. Gern erinnert sie sich an die allerersten Neujahrsempfänge, zu denen nur Herren gebeten waren. „Hat sich schnell geändert,“ sagt sie lachend. Und wichtig war ihr auch immer das kirchliche Engagement bei den Basaren der evangelischen Kirchengemeinde.

Kunstausstellung besucht

Die Vernissagen der Kunstausstellung besuchte sie regelmäßig, wie auch die großen Konzerte der Stadtkapelle und die klassischen Neujahrskonzerte zum Jahreswechsel. Lange Jahre nach dem Tod ihres Mannes 1991 lebte Friedel Gerber noch in ihrem Haus. Das hat sich geändert. „Das Alter und die Gesundheit forderten ihren Tribut und dem musste ich Rechnung tragen,“ sagt sie nachdenklich.

Heirat in Kehl

So zog sie 2016 zu ihrer Tochter Gerlinde Rimmler nach Hausen vor Wald, und im Januar 2018 erfolgte der Wechsel ins Pflegeheim „Haus Eichberg“ nach Blumberg, ihre Heimatstadt, wie sie sagt. „“Hier fühle ich mich daheim und kenne durch die langen gemeinsamen Jahre mit meinem Ehemann Werner Gerber viele Leute.“ Das gibt viel Gesprächsmöglichkeiten und mit dem vielfältigen Angebot im Haus kommt auch keine Langeweile auf. Friedel Gerber ist sehr zufrieden. Mit der gesamten Familie, Kindern, acht Enkeln und mittlerweile elf Urenkeln wird der Geburtstag der Familienseniorin gebührend gefeiert. „Und dann kommt der Neujahrsempfang, da bin ich schon eingeladen und freue mich darauf.“