Mit einem Freispruch für einen Quertreiber gegen die Energieversorgung Südbaar (esb) endete am Donnerstag ein Prozess vor dem Donaueschinger Amtsgericht. Der Angeklagte liegt seit Jahren im Streit mit dem in Blumberg ansässigen Energieversorger. Im Jahr 2012 ließ er nach Angaben des Anwalts auf seinem Haus in der Riedöschinger Ortsdurchfahrt eine Fotovoltaik-Anlage montieren, allerdings ohne die gesetzlichen Bestimmungen dafür zu erfüllen. Der Gesetzgeber verlangt, dass ein Fachmann Fotovoltaik-Anlagen in Betrieb nehmen muss, wenn sie ans öffentliche Netz angeschlossen werden sollen. Außerdem müssen sie schriftlich angemeldet werden. Und genau diesen Forderungen habe sich der Mann, der nur gebrochen deutsch spricht, verweigert, hatte Anwalt Jürgen Rapp Ende Januar dem SÜDKURIER erklärt. Im Gegenzug habe er damit begonnen, seine Vorwürfe gegen die an die Hauswand zu pinseln.

Und die sind happig. Überall an der Fassade seines Hauses in Riedöschingen in der Otto-Efferenn-Straße prangern Angriffe auf eine Spaichinger Solarfirma und die Energieversorgung Südbaar (esb) – in dicken Buchstaben und in holprigem Deutsch. Esb-Mitarbeiter müssen sich beschimpfen lassen, der Urheber hat es vor allem auf Geschäftsführer Thomas Fischinger abgesehen. Der muss sich als "Einbrecher", "grosse Betrüger" und "Meuchelmörder" beschimpfen lassen. Die Hauswand informiert auch über den Grund der Beleidigungen: "Ich brauchen mein Solarstrom."

Und dann kam es dazu, wozu es kommen musste: Die esb zeigte den Mann an und das Donaueschinger Amtsgericht erließ einen Strafbefehl. Gegen den legte der Spanier Einspruch ein, es kam zur Verhandlung. Der Angeklagte wurde Mitte vergangenen Jahres wegen Beleidigung, Verleumdung und Hausfriedensbruchs zu einer geringen Geldstrafe verurteilt. Hausfriedensbruch, weil sich der Mann nicht an ein von der esb gegen ihn verhängtes Hausverbot gehalten hat. Auch bei dem Prozess war ein Dolmetscher anwesend. Sogar der Staatsanwalt habe bestätigt, dass die esb im Umgang mit dem Mann sehr viel Langmut gezeigt habe, berichtet Rapp.

Allerdings: Die Verurteilung hat bei dem Spanier nichts bewirkt, er schrieb neue Schmähungen an die Hauswand und an eine Mauer, die sein Grundstück begrenzt.

Doch um die erneuten Schmähungen und Beleidigungen ging es in dem jetzigen Verfahren vor dem Donaueschinger Amtsgericht nicht. Vielmehr ging es um den Vorwurf des Hausfriedensbruches. Die esb hatte längst ein Hausverbot verhängt, dagegen soll der Mann mehrfach verstoßen haben, weil er voriges Jahr mindestens zwei Mal Post in den Briefkasten der esb eingeworfen habe. Der Briefkasten hängen außen am Zaun, sagte Richterin Franziska Schwalenberg auf Anfrage des SÜDKURIER, dazu müsse der Mann das Grundstück gar nicht betreten. Zwei Mitarbeiter der esb hätten ihn auch nicht auf dem Grundstück gesehen.

Bei der esb will Geschäftsführer Thomas Fischinger nach eigener Aussage nun zivilrechtliche Schritte in Erwägung ziehen.