Theuerkorn schneidet die Blätter in Streifen, schichtet sie in mehreren Ebenen in eine große Form und verklebt sie mit Magnesit, einem häufig vorkommenden Mineral. Das Resultat: eine mehrere Quadratmeter große Platte, fünf bis zehn Zentimeter dick, einer Spanplatte ähnlich.

2Welche Vorteile hat Typha? Die langen Fasern, die netzartige Struktur der festen Querwände und das schaumartige Mark der Rohrkolbenblätter machen die Typhaplatten sehr leicht. Zudem sind solche Platten überraschend stabil. Sie halten selbst hohem Druck auf die schmalen Kanten stand. Im Blattmark ist viel Luft eingeschlossen – ähnlich wie Styropor dämmt das Baumaterial dadurch gut. Und schließlich verfügt der Rohrkolben über einen natürlichen Schimmelstopp: Die Pflanze produziert zum Schutz vor Fraßfeinden verschiedene Polyphenole, also aromatische Verbindungen, die im getrockneten Blatt auch gegen Pilzbefall wirken.

3Was sagt die Wissenschaft? Der Typha-Pavillon hat dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik erste Ergebnisse geliefert: Im Gegensatz zu vielen anderen Materialien müssen die Platten nicht verklebt werden; sie können also Wasserdampf durchlassen, was sie weniger anfällig für Schimmel macht. Die Messwerte der Forscher bestätigen die guten Werte bei Dämmung und Stabilität. Und ihr Ende ist ohnehin vorbildlich: Hat die Typhaplatte ihren Dienst getan, kommt sie auf den Kompost. Dank des mineralischen Klebers Magnesit ist sie biologisch abbaubar. (hon)