Wie realistisch ist es, dass das Landratsamt einer Höchstgeschwindigkeit von Tempo 30 oder 40 in der Kernstadt genehmigt, nachdem sich zuletzt wieder Anwohner über Lärm und viel zu schnell fahrende Autos auf Blumbergs zentraler Verkehrsader beschwert haben? Als Landrat Sven Hinterseh vor Kurzem im Rahmen einer Kreisbereisung in Blumberg weilte, wurde er aus den Reihen des Gemeinderats mit dieser Frage konfrontiert.

Die meisten Menschen sind Anwohner und Autofahrer gleichzeitig

Der Landratsamts-Chef antwortete ausweichend mit dem Verweis auf die Gesetzeslage, an die seine Behörde ihre Entscheidungen auszurichten habe. Und er erinnerte an die Doppelrolle, in der jeder Bürger stecke: Einmal sei er als Anwohner einer temporeduzierten Straße erfreut über weniger Krach und Raserei, zum anderen sei er aber auch Autofahrer und als solcher nicht unbedingt glücklich darüber, innerorts nicht länger mit 50 Stundenkilometern unterwegs sein zu dürfen.

In Zollhaus Tempo 30 schon genehmigt

Ein Blick über die Blumberger Gemarkungsgrenzen zeigt: Im Schwarzwald-Baar-Kreis gilt auf einigen Hauptstraßen, die als Kreisstraßen klassifiziert sind (so wie die Blumberger Hauptstraße auch), Tempo 30. In Brigachtal wurde Tempo 30 auf der Marbacher Straße (Kirchdorf) und auf der Hauptstraße (Klengen) angeordnet. Als Rechtsgrundlage dafür gibt die Kreisbehörde auf Nachfrage Paragraf 45, Absatz 9, Satz 3, Ziffer 6 der Straßenverkehrsordnung an (siehe Infokasten). Ebenso sei dies in Niedereschach in der Villinger Straße und Dauchinger Straße sowie in der Hauptstraße in Wolterdingen und in Blumberg-Zollhaus der Fall gewesen. Weitere Geschwindigkeitsbegrenzungen mit Tempo 30 gibt es aufgrund von Kurzonen in Königsfeld, Schönwald und Triberg.

Stadt hat Lärmaktionsplan beschlossen

Blumbergs Bürgermeister Markus Keller stuft das Thema Temporeduzierung als wichtig ein, vor allem aus Sicherheitsgründen. Er glaubt auch nicht daran, dass der Verkehrsfluss dadurch gefährdet werden könnte. Er erinnert in diesem Zusammenhang an den Lärmaktionsplan, den der Gemeinderat 2015 verabschiedet hat. Der fordert, die maximale Höchstgeschwindigkeit im Bereich der Hauptstraße vom westlichen Ortsschild Richtung Achdorf bis zum östlichen Ortsschild Richtung B 27 auf Tempo 30 abzusenken. Für den Bereich vom östlichen Ortsschild bis zum B 27-Kreisel wurden zwei Varianten aufgestellt: Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 50 bis circa 500 Meter zum Ortseingangsschild, sofern innerorts Tempo 30 gilt. Oder: Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 70 bis rund 500 Meter zum Ortseingangsschild, sofern innerorts Tempo 50 gilt.

Tempodrosselung über Lärm wohl kaum durchsetzbar

Für die Prüfung, ob ein Tempolimit aus Lärmschutzgründen angeordnet werden kann, sind die Lärmschutz-Richtlinien-Straßenverkehr 2007 eine wichtige Orientierungshilfe. Maßnahmen kommen demnach insbesondere in Betracht, wenn die Lärmwerte 70 dB(A) tags beziehungsweise 60 dB(A) nachts überschreiten. Rathaus und Gemeinderat wissen: Über diese Schiene lässt sich in Blumberg wohl kaum etwas machen. Andererseits: Der Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen im Bodenseekreis ist es gelungen, ihre beiden Hauptstraßen, die als Landesstraße klassifiziert ist, nachts auf Tempo 30 reduziert zu bekommen. Und zwar obwohl die gesetzlichen Grenzwerte den Lärm betreffend (knapp) unter den Grenzwerten liegen. Tempo 30 hatte sogar vor dem Verwaltungsgerichtshof Bestand, nachdem das Landratsamt den Antrag auf Tempo 30 abgelehnt hatte.

Landesregierung hat Tempo 30 innerorts erleichtert

Vor drei Jahren hat die Landesregierung die gesetzlichen Hürden für eine Temporeduzierung innerorts gesenkt. Davon könnte Blumberg möglicherweise profitieren, liegen doch die Seniorenwohnanlage der Arbeiterwohlfahrt und die Kindertagesstätte Stadtzwerge direkt an der Hauptstraße. Und die Scheffelschüler müssen auf dem Weg zur Sporthalle und zur Mensa ebenfalls die Hauptstraße kreuzen. Das sind Faktoren, die in die neue Gesetzgebung eingeflossen sind. Da könnte Blumberg doch gut mit argumentiere. Dazu Bürgermeister Keller: „Ich bin überzeugt, dass Landrat Hinterseh unseren Wunsch mitgenommen hat und wir gemeinsam – trotz schwieriger rechtlicher Lage – schauen, ob und welche Lösungen es gibt.“