„Blumberger Seifenkistenrenn – ein Volksfest“ – so titelte der SÜDKURIER am 17. September 1953. Als der Zollhauser FDP-Gemeinderat Werner Waimer Ordnung in seine vielen Unterlagen und Dokumente brachte, da fiel ihm der entsprechende Zeitungsartikel in die Hände – und er reichte ihn weiter an die Lokalredaktion. Ein Seifenkistenrennen in Blumberg? Veranstaltet von einem Hamburger Verein, den es längst nicht mehr gibt. Was hat es damit auf sich? Friedrich-Wilhelm Pfaff, der frühere Chef des Energiedienstleisters esb, erinnert sich, er war als Bub selbst Teilnehmer an den Seifenkistenrennen.

Der Hamburger Verein sei der erste Verein gewesen, der nach dem Krieg Leben in die Stadt brachte, erzählt Pfaff. Gegründet wurde er von Mitarbeitern des Hamburger Unternehmens W. Kopperschmidt, das 1942 nach Ende der Doggerzproduktion in die stillgelegten Gruben einzog, um gut geschützt vor Luftangriffen Flugzeugkanzeln aus Plexiglas herzustellen. Rund 100 Handwerker aus Hamburg, so berichtet Gustav Albiez 1974 in einem Beitrag für die Schriftenreihe des Baarvereins, sind so nach Blumberg gekommen.

Der Hamburger Verein ist es auch gewesen, der die Fasnacht nach Blumberg brachte. Damals gab es einen Kindernarrenrat und jedes Jahr wurde ein Narrenprinz und eine Narrenprinzessin gekürt. Pfaff erinnert sich auch gut an die Tanzveranstaltungen, die die Hamburger organisierten. Und zwar im Gasthaus Grenzhof, das längt abgerissen wurde. Ein bekanntes Mitglied des Hamburger Vereins war Heinrich Überle, weiß Pfaff. Der habe auch den Blumberger Tennisclub mit aus der Taufe gehoben und eine Achsenfabrik für Lastwagen in Riedböhringen gehabt.

Als Rennstrecke für die Seifenkisten diente der Eichberg. Start war unterhalb der – ebenfalls schon lange aufgegebenen – Gaststätte von Leo Sowada gewesen, in etwa dort, wo heute die Abzweigung zu den beiden Villen ist, die einst von Blumberger Nazigrößen bewohnt wurden. Das Ziel lag beim Schuhhaus Greitmann. Pfaffs Seifenkiste ist von Walter Glatz gebaut worden, der damals bei der Zimmerei Greitmann in Ausbildung war und später als Architekt in Blumberg arbeitete. An Räder und Holz für die im Vergleich zu heutigen Seifenkisten sehr einfach daherkommenden Kinder-Flitzer zu kommen sei in den ersten Nachkriegsjahren sehr schwierig gewesen.

In der Siegerliste des Zeitungsartikels von 1953 finden sich zahlreiche bekannte Blumberger Namen. Unter anderem der des langjährigen SPD-Gemeinderats Albrecht Guckeisen oder der von Werner Knöpfle, dem Gründer des gleichnamigen Baufachmarkts. Am Mikrofon saß seinerzeit Jürgen Henckell, der Gründer und langjährige Organisator der mittlerweile eingestellten Blumberger Kunstausstellung war. Wann genau Schluss war mit den Seifenkistenrennen, weiß Pfaff nicht mehr ganz genau, in den 60er-Jahren jedenfallls habe es sie nicht mehr gegeben. Die Rennen seien auch nicht ganz ungefährlich gewesen, einen Schutzhelm oder Handschuhe trug damals niemand, sagt Pfaff. Der Sieger der Sonderklasse B, ein gewisser Hans Thoma, kam 1953 immerhin auf eine Spitzengeschwindigkeit von Tempo 45, wie der SÜDKURIER berichtete.