Pfarrer Bernhard Jaeckel: „In dieser Woche begegnete mir in einer Nachricht unseres Landratsamtes zu den offiziellen Coronazahlen in unserem Landkreis, ein Hoffnungswort: „ genesen“. Einige Erkrankte sind nach einer gewissen Zeit wieder gesund. Es wird auch wieder aufwärts gehen die Botschaft, ein kleiner Lichtblick, obwohl wir noch nicht wissen, wie lange es noch dauern wird und wie viel Schmerzliches und Trauriges bis dahin noch insgesamt auf uns zukommt.

Zu unserem Leben gehört der manchmal plötzliche Wechsel von einer guten Situation in eine schwierige oder auch dramatische und umgekehrt der Wechsel von der Hoffnungslosigkeit zurück ins Leben.

An diesem Wochenende feiern wir in unseren Kirchen Palmsonntag, die Eröffnung der Karwoche. In unserer Ev. Johanneskirche wäre es ein Familiengottesdienst mit den Kindern und Eltern unserer Kita am Salinensee gewesen. Und zwar als Abschluss einer Kinderbibelwoche zu Passion und Ostern. Manches war schon geplant. Thematisch hätten wir uns mit der Einzugsgeschichte Jesu in Jerusalem befasst. Die Kinder wären über Zweige und Kleidungsstücke in die Kirche eingezogen, um auf diese Art nachzuempfinden, wie Jesus unter großem Jubel in Jerusalem eingezogen war. „Hosianna gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe.“ So riefen die Menschen und verbanden auf diese Art Ihre Hoffnung mit einem, der wie ein König daherkam.

Begeistert empfing man ihn, den Hoffnungsträger, der endlich etwas zum Guten verändern sollte in einem Land, das von den Römern belagert und unterdrückt war.

Aber es kam anders: Aus dem „Hosianna“ wurde sehr schnell ein „Kreuzige ihn“. Aus der Hoffnung und Hochstimmung heraus wurde ein Leidensweg für Jesus und die Seinen. Ausgeliefert war er, hatte keine Chance sich zu wehren und musste sterben.

Ein drastischer Wechsel: Glück, Hoffnung, Glaube und eine Aufbruchsstimmung endete dann im Leiden, in der Verfolgung und für Jesus und später andere im Tod.

Ein drastischer Wechsel, für manche wie aus dem Nichts.

Wir erleben in unserem Leben auch so einen drastischen Wechsel. Wie aus dem Nichts überrollt von etwas, dem wir ausgeliefert sind. Keine böse Macht oder irgendwelche Menschen und Feinde, die es böse meinen wie bei Jesus, sondern eine Krankheit. Aber diese führt viele in Schwierigkeiten in Krankheit, Leiden und eben auch in den Tod. Daran kann man fast verzweifeln, man will sich wehren, aber man hat nur bedingt eine Chance.

In dieser Woche gehen wir auf den Karfreitag, den Tiefpunkt zu, das Ende, den Punkt der größten Hoffnungslosigkeit im Leben Jesu und bedenken diesen Leidensweg. Und wir gehen ihn mit auch Jahr um Jahr verbunden mit dem Nachdenken über unser eigenes Leiden und über das Leiden in dieser Welt das immer irgendwie ein anderes Gesicht hat. Das Gesicht individuellen Leidens, das Gesicht von Hunger und Krieg, Unterdrückung und Hass oder eben das Gesicht eines anderen hässlichen Äußeren.

In diesem Jahr ist es nun das Leid, das Corona über oder zu uns bringt. Ein globales Geschehen, das uns alle betrifft. Kein Leiden, dem man einfach ausweichen kann, weil es irgendwo in Afrika geschieht oder eben bei anderen. Nein es betrifft alle!

Wie sich bei uns die Zahlen und die Situation entwickeln kann nur vermutet werden. Aber noch ist der Tiefpunkt oder der Höhepunkt der Erkrankungen nicht erreicht. Wir müssen miteinander noch einen schweren Weg gehen, wie lange und wo er endet wissen wir nicht. Ich möchte sagen genauso wie vor Jesus ein schwerer Weg lag, dem er nicht ausweichen konnte, auch wenn das im Vergleich nicht ganz das Gleiche ist. Denn er trägt ja nicht nur sein Schicksal, oder das was ihm persönlich gerade widerfuhr sondern er ging ans Kreuz, um das ganze Leid der Welt, Krankheit und Tod, das Böse und das Elend dieser Welt sozusagen stellvertretend zu tragen, so glauben wir Christen.

Aber in diesem Tiefpunkt, auf den wir zugehen, liegt auch der Wendepunkt in unserem Glauben.

An einer Stelle der Bibel heißt es dazu einmal: Die Botschaft vom Kreuz erscheint denen, die verloren gehen, als eine Dummheit. Aber wir, die gerettet werden, erfahren sie als Kraft Gottes. (1. Kor 1,18)

Am Ende steht nicht der Karfreitag, die nächste Woche, die kommt beginnt mit Ostern und der Botschaft der Auferstehung Jesu. Für uns Christen erwächst daraus eine Kraft, eine Hoffnung trotz, in und gegen alles Leiden. Weil wir wissen, da geht einer mit uns, jeden Tag, der stärker ist, und der beschenkt uns auch mit seiner Kraft für jeden Tag.

Oder anders, sehr nett ausgedrückt in einem kleinen Bild und Gedanken, der mir in diesen Tagen mehrfach zugesendet wurde:

„Nicht abgesagt: Trost, Kerzen, Glaube, Hoffnung, Osterglocken, Vogelgezwitscher, lachen, reden, Musik, träumen, Schmetterlinge, Duft, Bäume, Telefon, Spiel, PC, Menschlichkeit …… beten, Gott!“

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