Gerechte Produktionsbedingungen zu sichern, sowie in den Produktionsländern soziale und umweltschonende Herstellungs- und Handelsstrukturen zu garantieren, mitunter dafür steht das Fair-Trade-Siegel auf derlei vertriebener Ware. 24 solcher Produktionspartner, hauptsächlich aus dem südostasiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Raum hat auch der im Kurpark gelegene Karibuni Weltladen.

Eine 7-Kräuter-Schokolade mit dem Logo von Bad Dürrheim, dem Fit-Man, hat Erich Mayer zur Fairen Woche kredenzt. Diese wird nun auch bei Karibuni von Roswitha Kneer, Brian Brugger und Sabine Metzger (von links) verkauft. Bilder: Alexander Hämmerling
Eine 7-Kräuter-Schokolade mit dem Logo von Bad Dürrheim, dem Fit-Man, hat Erich Mayer zur Fairen Woche kredenzt. Diese wird nun auch bei Karibuni von Roswitha Kneer, Brian Brugger und Sabine Metzger (von links) verkauft. Bilder: Alexander Hämmerling

Bei einer Mini-Messe stellten sich nun drei Handelspartner des Weltladens vor, die fair gehandelte Ware vertreiben und deren Sortiment auch bei Karibuni zu finden ist. Die Mini-Messe war in Bad Dürrheim der Schlusspunkt zur bundesweiten, fairen Woche, an der sich Karibuni jährlich beteiligt. Das diesjährige Motto lautete „Fair statt mehr“. Dabei stand auch die Frage im Mittelpunkt, was der faire Handel zum Wandel zu einer nachhaltigen Lebensweise beiträgt. Roswitha Kneer, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Unternehmergesellschaft des Ladens und überzeugte Aktivistin, zieht Fazit.

  • Faire Woche: „Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit dem Verlauf der Woche“, hält Kneer vorläufig fest. Fünf Partnergeschäfte und weitere Akteure mit Einzelaktionen hatten sich neben Karibuni an der Fairen Woche in Bad Dürrheim beteiligt. Auf fair gehandelte Ware in den Partnerläden gab es Rabatte, zusätzlich boten beteiligte Gastrobetriebe fair gehandelte Produkte an. Inwiefern sich die Aktion für die Partner auch finanziell gelohnt hat, sei abzuwarten.

Eine bittere Enttäuschung für Kneer wäre die Anwesenheit von lediglich zehn Hörern zum Vortrag „Mais, das wahre Gold Mexikos“ von Pablo Mattes gewesen. Dabei ist das Thema eines genetisch unveränderten Getreides als Wirtschaftsfaktor wissenschaftlich brisant.

Bei Karibuni an sich entspreche der Umsatz innerhalb der fairen Woche dem sonst gängigen Umfang. Punkten konnte die Aktion in erster Linie mit ihren Spendenboxen, die während der Woche ausgestellt waren. So geht ein Obolus von 200 Euro an die Produktionspartner in Südafrika und 200 Euro nach Peru, jeweils 100 Euro gehen nach Brasilien, dem Libanon, Kambodscha und Burkina Faso.

„Es geht bei der Fairen Woche sowieso mehr als nur ums Einkaufen. Die Pflege des geistigen Gedankens fairer Ware und das Miteinander sind essenziell“, so Kneer. Eine neue Idee entsprang aus der Aktion, wonach Karibuni seinen dritten Verkaufspavillon optimaler zur Präsentation der Produktionspartner in Übersee, als auch der Handelspartner in Deutschland, zu nutzen beabsichtigt. Drei dieser Handelspartner wurden auch bei der Mini-Messe vorstellig. Aus Bad Dürrheim war der für seine Meisterwerke aus Marzipan und Schokolade bekannte Erich Mayer mit an Bord. Er führte anlässlich der fairen Woche seine neue Heidelberger‘s 7-Kräuter-Schokolade in sein Sortiment ein. Das Produkt ist nunmehr auch bei Karibuni erhältlich.

Peru war von Corona-Maßnahmen besonders hart betroffen. Darunter litten auch Handelspartner von Karibuni sowie deren Produktionspartner im Ausland.
Peru war von Corona-Maßnahmen besonders hart betroffen. Darunter litten auch Handelspartner von Karibuni sowie deren Produktionspartner im Ausland.
  • Partner aus Peru: Seit Jahren pflegt Karibuni Geschäftsbeziehungen zum Import-Export-Unternehmen „El Inka“ mit Sitz in Traunstein. Geschäftsführerin Rina Gurtner wiederum steht mit etwa 20 Familien in Peru in Kontakt, die ein opulentes Kleidersortiment aus Alpaka-Wolle in ihren Kleinbetrieben, meist in den Privathäusern untergebracht, anfertigen. Den Händlern vor Ort ist neben der finanziellen Basis laut eigenem Anspruch auch der Mut zur Selbstständigkeit, sowie Selbstwertgefühl und Würde zu geben. Und Würde ist in Peru während der Corona-Zeit ein knappes Gut. So ließ Gurtner ihre Produktionspartner zu den härtesten Zeiten sich von einem separaten Reservekonto finanziell bedienen. „Es sind aber stolze Leute, die keine Almosen annehmen wollten. Irgendwann nahmen sie dann auch nichts mehr, mit dem Verweis, dass ich ja auch hier hart arbeite“, sagt Gurtner.

Der Grund für die Misere sind drastische Maßnahmen der peruanischen Regierung auf Corona. Auf den Straßen patroullierte zur Durchsetzung der Ausgangssperre das Militär, die Flughäfen wurden abgeriegelt. Ein Desaster für den Lufttransport der Ware aus Peru hin zu El Inka. Doch dies ist nur das letzte Glied der Handelskette. Durch das Lahmlegen des inländischen Transports in dem Andenstaat war die Beschaffung des Rohstoffs Wolle für die Produktionspartner nur erschwert möglich. Zusätzlich war die Herstellung der Ware durch das Einhalten von räumlichen Trennungen innerhalb der Betriebe auch verzögert. In Deutschland war der Ausfall der Messen als ein Grundpfeiler für den Verkauf ein ernstzunehmender Faktor, auch nahmen bundesweit die Welt-Läden weniger Ware ab. Ein Glücksmoment für El Inka war die Tatsache, dass ein Teil der für diesen Sommer bestimmten Verkaufsware bereits im Februar per Lufttransport die Lager füllte. Umso mehr schätzt El Inka Möglichkeiten wie die Mini-Messe von Karibuni.

Der Weltladen hat viele Partner. Eine davon ist Hannelore Schillinger-Sauer mit ihren von Hand abgefüllten, individuellen Gewürzmischungen.
Der Weltladen hat viele Partner. Eine davon ist Hannelore Schillinger-Sauer mit ihren von Hand abgefüllten, individuellen Gewürzmischungen.
  • Kräuterspezialitäten: „Albgockel“, „Albacker“ oder „Orangen D‘Espelette“ sind beispielsweise pikante Gewürzmischungen von Hannelore Schillinger-Sauer aus Engstingen, die ebenfalls seit Jahren Kontakte zu Karibuni pflegt. Dabei hat die tüchtige Geschäftsfrau einen Doppelhut auf, sie firmiert als Unternehmen „respecca“ sowie alws „albfinesse“. Unter Respecca importiert sie fair gehandelte Seidenschals und Accessoires aus Kambodscha, deren Herstellung hundertprozentig nach traditionellem Handwerk vor Ort erfolgt. Die ökologischen Produkte entspringen einer nachhaltigen Fertigung. Erstmals vor zwölf Jahren betrieb Schillinger-Sauer fairen Handel mit Partnern aus Kambodscha, laut eigenen Aussagen als Pionierin im Bundesgebiet. Derweil ist sie mit drei Produktionspartnern in Südostasien verbunden.

Unter „albfinesse“ werden seit fünf Jahren roter und schwarzer Pfeffer aus Kambodscha vertrieben, die sich durch klimatische Besonderheiten eines speziellen Aromas erfreuen. Zwei Kräuter-Lieferanten von der Schwäbischen Alb versorgen Albfiness mit ihren Produkten. Schillinger-Sauer setzt auf mehrere Maximen zugleich: einerseits einer fairen Entlohnung für die heimischen und internationalen Partner, die Stärkung der regionalen Wirtschaft mit Vorteilen wie kurzen Transportwegen, als auch strikte Einhaltung eines ökologischen Anbaus aller gehandelten Produkte. Seien es Paprika aus Spanien, Gourmet-Chili aus dem französischen Baskenland (Espelette), oder Zitronen und Orangen von der Amalfiküste. In der hauseigenen Manufaktur werden all jene Ingredienzien als Gewürzmischungen von Hand abgefüllt und etikettiert. Ein Testpublikum spielt die Verkoster. „Auch wir sind froh, uns bei der Mini-Messe präsentieren zu können“, sagt die langjährige Handelspartnerin von Karibuni.

Bad Dürrheim indes kann sich rühmen, als Fair-Trade-Stadt ein weiteres Alleinstellungsmerkmal im Kreis vorzuweisen, obwohl Roswitha Kneer da noch viel Potenzial nach oben sieht.

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