War da was? Gab es nicht erst vor einem halben Jahr die größte in Bad Dürrheim je durchgeführte Bürgerbefragung zur Stadtentwicklung? Die Ergebnisse gefielen der Stadt und dem Investor wohl nicht und deshalb muss nun eine neue Bürgerbeteiligung in Form eines Mini-Workshops her, wo in ein paar Stunden die Stadt- und Investorenvorstellung abgenickt werden soll. Frei nach dem Motto: Wenn die Bürger nicht so wollen wie wir, dann befragen wir sie so lange, bis uns das Ergebnis gefällt. Das Eckpunktepapier, über das beim Workshop informiert werden soll, nimmt jedenfalls die Ergebnisse der Bürgerbefragung nur sehr verzerrt wahr (die Ergebnisauswertung der Bürgerbefragung durch die beauftragte Firma Burgbacher war eine Farce, wie schon mehrfach bemerkt wurde). Nehmen wir mal das Beispiel der Hofen-II-Entwicklung. Dort sollen laut Immobilien Rebholz die Grün- und Parkflächen mit Ein- und Mehrfamilienhäuser vollgepflastert werden. Bei der Bürgerbefragung war dieses Thema einer der Hauptschwerpunkte. Nicht nur 55 Beiträge (wie fälschlicherweise im Eckpunktepapier steht; jeder kann es auf der Befragungshomepage nachprüfen), sondern über 100 (!) Beiträge und Kommentierungen in unterschiedlichen Rubriken sprachen sich eindeutig dafür aus, dass diese Grünflächen erhalten bleiben sollen, da sie als innerstädtische Grünanlagen in Verbindung mit der evangelischen Kirchenwiese und dem Hindenburgpark mitten im Kurgebiet besonders wertvoll sind. Im Eckpunktepapier steht unter dem Stichpunkt „Wohnbebauung Hofen“ nichts mehr von diesen klaren Voten. Dafür steht ganz blumig und ohne den Bezug zur geplanten Zerstörung der Hofen-Grünanlagen im Eckpunktepapier: „Schaffung von Aufenthaltsqualität in Grün- und Parkanlagen“. Ja wo soll denn die Aufenthaltsqualität geschaffen werden, wenn an die 100 jahrzehntealte Bäume, Sträucher und eine Streuobstwiese im Hofenpark einfach plattgemacht werden? Und wie sollen denn bitte 25 zufällig ausgewählte Bürger beim kommenden – gerade mal halbtägigen Workshop – auf dieses nun im Eckpunktepapier verschwundene Hauptthema reagieren? Die Frage muss schon erlaubt sein: Will die Stadt hier ein Hauptergebnis der Bürgerbefragung verschleiern? Man kann nur darauf hoffen und darauf bauen, dass der Gemeinderat, der die Entscheidung über den Erhalt der Grünflächen zu fällen hat, dieses klare Bürgervotum angemessen berücksichtigt.

Tom Dickmann, Bad Dürrheim

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