Wie kürzlich von der Espan-Klinik angekündigt (wir berichteten), wurde nun am vergangenen Mittwoch die erste Selbsthilfegruppe in Baden-Württemberg für Patienten nach Covid-Infektion auf den Weg gebracht. Diese Selbsthilfegruppe richtet sich vor allem an die Patienten, die unter Langzeitfolgen (Long-Covid) nach ihrer Erkrankung leiden.

Hilfe bei Wiedereinstieg in Beruf und Alltag

Es gebe 70 000 bis 100 000 Selbsthilfegruppen in Deutschland mit rund 2,3 Millionen Mitgliedern, erklärte Horst Wittstruck, Chefarzt der Espan-Klinik. „Wir müssen einen Großteil der Covid-Patienten arbeitsunfähig entlassen.“ Die Klinik wolle ihre 45-jährige Kompetenz beisteuern und Hilfestellung bei der Wiedereingliederung in den Beruf und im Alltag leisten.

Jochen Früh, der Leiter des Gesundheitsamtes Schwarzwald-Baar, berichtete, dass es im Schwarzwald-Baar-Kreis mehr als 150 verschiedene Selbsthilfegruppen für die verschiedensten Erkrankungen gibt. Das Landratsamt Schwarzwald-Baar hat 2002 deren Koordination als Anlaufstelle übernommen. Allerdings fände inzwischen ein Generationenwechsel statt, bedingt auch durch die Informationsmöglichkeiten im Internet.

Nach Entlassung aus der Klinik sind viele noch lange nicht gesund

Mehr als 300 Covid-Patienten wurden im Laufe des letzten Jahren in der Espan-Klinik behandelt. „Wir haben gemerkt, dass sie zwar in gebessertem Gesundheitszustand entlassen werden, aber noch lange nicht gesund sind,“ führt Psychologe Günter Diehl aus. Karl Baumann aus Regensburg – Patient der ersten Stunde – brachte es einmal auf den Punkt: „Was mache ich denn, wenn ich draußen bin? Ich bin doch noch nicht fit.“ Bei den Patienten herrsche große Unsicherheit, so Diehl. Die Patienten haben wahre Horrorgeschichten erlebt, wie sie sich kein Regisseur ausdenken könne.

Seinen Zustand und den Kampf mit den Langzeitfolgen nahm Karl Baumann zum Anlass, in Regensburg eine Selbsthilfegruppe zu gründen. „Was danach kam, war eine regelrechte Explosion!“ Er sei von den Reaktionen regelrecht überschwemmt worden. Der Informationsbedarf sei riesig, es ist ja alles neu. Arbeitgeber wissen nicht, wie sie mit ihren beeinträchtigten Arbeitnehmern umgehen sollen. Die Unsicherheit ist groß auf allen Seiten. Keiner wisse über die Langzeitfolgen richtig Bescheid, es gelte Strukturen zur Nachbehandlung zu schaffen. Die Diagnose „Post-Covid“ müsse von den Kostenträgern und der Rentenversicherung anerkannt werden. Es gibt nicht genügend psychologische Unterstützung.

Aufgrund hoher Nachfrage werden neue Gruppen gegründet

Die Nachfrage sei so groß, dass mittlerweile aus einer Gruppe drei Gruppen geworden sind, erklärte Baumann. Kontakte zur Bayerischen Staatsregierung kamen zustande, inzwischen ist Baumann Patientenvertreter im bayerischen Dachverband der Krankenkassen und Rentenversicherung. Alle Beteiligten sind sich sicher, dass auch die Gründung der Selbsthilfegruppe in Bad Dürrheim Kreise ziehen wird.

Jetzt geht es darum, die entsprechenden Strukturen vor Ort zu schaffen: Ein Internetauftritt, eine E-Mail-Adresse und vieles mehr. Hier wird die Espan-Klinik der Selbsthilfegruppe ebenfalls unterstützend zur Seite stehen. Solange die Kontaktbeschränkungen gelten, müssen die Treffen der Patienten per Videokonferenz stattfinden. Ansonsten stellt die Espan-Klinik Räume zur Verfügung. Die beiden ehemaligen Patientinnen Sabine von Staa aus Singen und Anita Reischmann aus Engen haben sich bereit erklärt, die Führung der Selbsthilfegruppe zu übernehmen.

Die Grünen Politikerin Martina Braun sagt Unterstützung zu

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Martina Braun hat bereits vor ihrer Wiederwahl ihre Unterstützung zugesagt und gab bekannt, dass sie sich bereits mit Bärbl Mielich, Staatssekretärin für Soziales und Integration, in Verbindung gesetzt habe. Diese werde am Dienstag, 20. April zu einem Treffen in die Espan-Klinik kommen, kündigte sie außerdem an.

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