Angelika Strittmatter und Wolfgang Götz vom Vorstandsteam des Generationentreffs Lebenswert haben für die Zukunft viele Themen auf ihrer Agenda.
Angelika Strittmatter und Wolfgang Götz vom Vorstandsteam des Generationentreffs Lebenswert haben für die Zukunft viele Themen auf ihrer Agenda. | Bild: Naiemi, Sabine

Als der Generationentreff gegründet wurde, hätten Sie jemals gedacht, dass das nachher so etwas Großes wird?

Angelika Strittmatter: Dazu kann ich spontan sagen: in dieser Form sicher nicht. Bis 2010 offiziell eröffnet wurde, war ein relativ langer – über Jahre hinweg dauernder – Vorlauf nötig. Es dauerte Jahre, bis wir die Gemeinde überzeugen konnten, dass das Sinn macht in unserer Stadt. Es war schon ein Erfolg an sich, dass überhaupt eröffnet wurde und der Mietvertrag von der Stadt geschlossen wurde. Unser vorrangigstes Ziel war, dass das Ganze nicht als Eintagsfliege endet. Das Wichtigste für uns war, dass man auf einen Bedarf stößt, dass wir als Bestätigung unserer Arbeit Rückmeldungen aus der Bevölkerung kriegen. Aber diese Entwicklung haben wir nicht vorhergesehen.

Es war also ein steiniger Weg. Was war für Sie die größte Hürde auf dem Weg zum Generationentreff?

Angelika Strittmatter: Eine große Hürde war damals die Bereitschaft der Kommune, sich wirklich einzubringen und uns zu unterstützen. Bis zu dieser Akzeptanz bedurfte es vieler kleiner Projekte, wie die Lesepaten, Bürgerlotsen, Senioren an den Computer. Wir waren immer auf der Suche nach einem Raum. Wir, das heißt der AK5 (Arbeitskreis), resultierten aus der Zukunftswerkstatt 2020. Das war ein Prozess, der noch unter der Ägide von Altbürgermeister Gerhard Hagmann ins Leben gerufen wurde. Der AK5 „Soziales, Bildung und Kultur“ war der einzige Arbeitskreis, der über einen längeren Zeitraum überlebte und aus dem dann die Projektschmiede wurde.

Haben Sie angesichts dieser Länge der Zeit manchmal daran gedacht, alles hinzuschmeißen?

Angelika Strittmatter: Was mich bestärkt hat war, dass es viele Mitstreiter gab, die das gleiche Ziel mit enormer Motivation verfolgt haben, auch wenn es manchmal wirklich zäh war. In der Anfangszeit wurden wir kritisch beäugt von den Vereinen und zum Teil von alteingesessenen Einwohnern, die dachten, man will ihnen etwas wegnehmen. Als der Generationentreff gegründet wurde, war er für viele irgendwie ein Fremdkörper. Das hat sich zum Positiven verändert.

Herr Götz, was hat Sie bewogen in die aktive Vorstandschaft einzusteigen?

Ich bin 2013 eingestiegen, nachdem eines der Vorstandsmitglieder ausgeschieden war. Damals war ich noch im Gemeinderat für die LBU. Der Kontakt kam über Wolfgang Kaiser zustande.

Was brachte Sie überhaupt dazu, sich für den Generationentreff zu engagieren?

Es war ein ganz neues Konzept, nicht eine Vereinsgeschichte auf sonst üblicher Basis. Die waren damals schon auf dem Weg dazu, Angebote zu unterbreiten, die es sonst nicht gab. Ich war von dem Konzept überzeugt und habe da das Potenzial gesehen.

Sind nun immer noch 14 Gruppen unter dem Dach des Generationentreffs beheimatet oder hat sich da etwas geändert?

Wir leben seit einem Jahr im Ausnahmezustand, wie viele Vereine auch. Anfang letzten Jahres hat das Ganze geboomt und 14 Gruppen waren gesetzt, und es kam je nach Bedarf immer noch was Neues dazu. Fakt ist, wir wollen in Richtung Öffnung denken. Der Treff lebt von Begegnung und Austausch, viele Gruppen sind darauf angelegt. Das ist durch die Corona-Pandemie voll zum Stillstand gekommen.

Haben sich bereits Gruppen aufgelöst oder warten die ab, wie sich alles entwickelt?

Wolfgang Götz: Auflösungen hatten wir noch keine. Wir sind mit allen Gruppen im Gespräch, um keinen zu verlieren. Wir sind, Stand heute, guter Dinge, dass sich die Gruppen wieder finden werden, wenn dann mal wieder geöffnet wird.

Angelika Strittmatter: Das Thema ist: Kann man anknüpfen an das, was vorher war oder nicht? Wir hatten im März 2020 das Haus proppenvoll. Mittwochs zum Café etwa war die Hölle los. Das ist eine Art der gemeinschaftlichen Begegnung, die wir in nächster Zeit wahrscheinlich nicht mehr haben können. Wir sind jetzt dran, bestimmte Dinge ins Digitale zu verlagern. Das sagt sich leicht, aber das geht eben nicht mit allem, besonders ein Gesprächskreis etwa lebt von der menschlichen Präsenz und dem persönlichen Austausch. Alle sagen, sie kommen wieder wenn wieder geöffnet ist. Aber wie es später tatsächlich aussieht, kann man nicht sagen.

Das bedeutet also, der Generationentreff muss vollkommen neu planen?

Wolfgang Götz: An dieser Frage arbeiten wir schon seit Wochen, besser gesagt seit Monaten. Wir versuchen, wo es geht, Gruppen ins Digitale umzustellen. Aber das können viele Ältere nicht bewältigen. Deshalb wollen wir wieder verstärkt Schulungen im IT-Bereich anbieten.

Frau Strittmatter, Sie haben gesagt das Haus war voll, und dass eigentlich viel größere Nachfrage bestünde, etwa beim Frühstückstreff und Mittwochscafé. Wie lange werden denn die Räumlichkeiten hier noch ausreichen, wenn die Nachfrage so groß ist?

Das ist eine gute Frage. (Beide lachen). Diese Frage stellte sich uns schon vor Corona-Zeiten. Aber gegenwärtig ist das ein Thema, mit dem wir uns nicht beschäftigen können. Wenn nach der Wiedereröffnung die Nachfrage so ist wie sie vorher war, dann wird das das große Fragezeichen. Aufgrund der aktuellen Situation stellt sich uns momentan die Raumfrage nicht so dringend. Wäre die Entwicklung so weitergegangen wie vor Corona, wäre das ein wirklich konkretes Thema geworden.

Gibt es denn schon konkrete Pläne für die neue Förderphase?

Ein großer Schwerpunkt wird wieder die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für alle Gruppen sein und die digitale Teilhabe für Senioren. Wir hatten einen guten Riecher und waren mit unseren Internetkursen der Zeit voraus. Wir müssen uns nicht verkrampfen und neue Themen aus dem Hut zaubern. Begegnungen fördern und stärken ist ein weiteres zentrales Thema. So wollen wir mit einem digitalen Generationenworkshop, den wir gemeinsam mit der Familienforschung Baden-Württemberg veranstalten, Begegnung und Austausch zwischen den Generationen ermöglichen.

Sind denn die jungen Menschen offen für solche Ideen oder muss man Überzeugungsarbeit leisten?

Es ist nicht einfach auch mit Hilfe von Multiplikatoren, an junge Leute heranzukommen, die sich in so einem Format betätigen wollen. Das ist ganz schwierig. Jugendliche interessieren sich wenig für diese Thematik. Zwangsverpflichten macht auch keinen Sinn. Offen sind wir auch dafür, wenn sich junge Erwachsene beteiligen wollen. Das Ziel ist überhaupt, zum Austausch zu kommen.

Gibt es dazu denn schon ein paar Ideen?

Wir wollen nichts vorgeben. Zunächst wollen wir in einer Rückschau auf den letzten Workshop eingehen, bei dem es ein paar gute Ideen gab. Was wurde umgesetzt davon und was nicht und warum. Wir lassen uns überraschen, was da kommt. Es gibt sicherlich einiges aus den Vorzeiten, was sich lohnen würde umzusetzen und was man nicht neu erfinden muss.

Gibt es bei den Angeboten für Familien neue Pläne?

Wir hatten letztes Jahr ein Eltern-Café, wo sich Mütter hier getroffen haben. Wir waren in Gesprächen mit den damals Beteiligten über einen virtuelle Austausch. Das ist jedoch der Pandemie vollständig zum Opfer gefallen Viele Eltern stehen durch Homeschooling und Homeoffice total unter Stress.

Das kostet Geld. Wie würde sich das finanzieren?

Angelika Strittmatter: Vom Landesprogramm her gibt es dieses Jahr keine Mittel mehr. Aber es wäre es uns wert, selbst Geld dafür in die Hand zu nehmen.

Wolfgang Götz: Das ist ein ganz wichtiges Thema für uns. Was ist passiert während der Pandemie, als Kinder und Eltern zu Hause waren? Da ist eine ganze Menge Flurschaden entstanden. Wir wollen im Zuge unserer Möglichkeiten schauen, was wir machen können, um zu helfen. Auch die Lernlotsen wurden wieder aktiviert. Das heißt, Kinder oder Jugendliche (momentan drei Kinder), die nur in Präsenz geschult werden können, erhalten Nachhilfe in Einzelbegleitung.

Welche Zukunftsthemen haben Sie außerdem auf Ihrer Agenda?

Sozialplanung ist eines unserer Themen. Die Kommune kann mit unserer Hilfe bestimmte Projekte fördern, die dem kommunalen Geschehen zugute kommen, die den demografischen Wandel gestalten. Die Sozialplanung beinhaltet Bereiche wie Migration, Senioren, Jugendliche, es ist ein breites Feld. Ein Sozialkonzept würde bedeuten, dass man ähnlich wie bei der Demografie-Strategie des Landkreises diesen herunterbricht auf die Stadt. In Bad Dürrheim gibt es noch kein ausgereiftes Sozialkonzept. Das sind riesige Aufgaben, aber wir müssen ja groß denken.

In den Generationentreff dürfen alle Bürger kommen. Das Angebot steht bis auf wenige Ausnahmen kostenfrei auch Personen von außerhalb zur Verfügung und die Angebote des Generationentreffs sind auch ohne Mitgliedschaft zugänglich.

Fragen: Sabine Naiemi
Das Mehrgenerationenhaus „Generationentreff Lebenswert“ in der Viktoriastraße in Bad Dürrheim wurde 2010 ins Leben gerufen. Aktuell hat der Verein 160 Mitglieder, wobei es sich eher um Fördermitgliedschaften handelt. Der Generationentreff steht mit seinem Angebot nicht nur Bad Dürrheimer Bürgern zur Verfügung. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Angebote im Generationentreff kostenlos zugänglich. Informationen zum Generationentreff gibt es im Internet unter: www.generationentreff-lebenswert.de.
Das Mehrgenerationenhaus „Generationentreff Lebenswert“ in der Viktoriastraße in Bad Dürrheim wurde 2010 ins Leben gerufen. Aktuell hat der Verein 160 Mitglieder, wobei es sich eher um Fördermitgliedschaften handelt. Der Generationentreff steht mit seinem Angebot nicht nur Bad Dürrheimer Bürgern zur Verfügung. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Angebote im Generationentreff kostenlos zugänglich. Informationen zum Generationentreff gibt es im Internet unter: www.generationentreff-lebenswert.de. | Bild: Adam (Archiv)