Rektor Heinz Kriebel von der Grund- und Werkrealschule in Bad Dürrheim geht nach rund 30 Jahren im Amt Ende Juli in den Ruhestand. Wie geht es dem 65-Jährigen damit?

Dieses Gefühl „endlich ist es soweit“, habe er nie gehabt, erklärt Kriebel im Gespräch mit dem SÜDKURIER. „Ich war nie der Typ, der vorher die Jahre gezählt hat“, antwortet Kriebel. Er habe immer gern gearbeitet und immer gern versucht, etwas zu gestalten und zu bewegen. Nachdem die Entscheidung getroffen war, dass er aufhört, wäre es anfangs noch eine ganz offene Situation gewesen. „Aber so Stück für Stück merkt man doch, wie man mental langsam den Hebel umlegt und sagt: Ja, ich schaue jetzt, dass ich die Übergabe mache, schaue dass ich mich langsam zurückziehe und gleichzeitig kommen einem Ideen, was man machen könnte. Das ist ein schönes Gefühl. Ich war immer sehr eingespannt und dass dieser Druck, besonders jetzt noch durch Corona, weg ist, das ist auch ein schönes Gefühl.“

Ein wesentlicher Punkt sei gewesen, dass Internet und EDV in die Schulen reinkam, erklärt Kriebel auf die Frage nach den größten Änderungen der vergangenen 30 Jahre. „Das war eine meiner Startaufgaben, hier die Schulverwaltung auf IT umzurüsten.“ Ansonsten habe sich seiner Ansicht nach die Einstellung der Gesellschaft und zum Teil auch der Eltern der Schule gegenüber geändert – es wird sehr viel mehr hinterfragt.

Das Gros der Eltern erfülle ihren Erziehungsauftrag in hervorragender Weise, aber der Trend, das eine gewisse Quote von Kindern sich selbst überlassen wird, sei ein Problem, das zunimmt, so Kriebel weiter.

Wo sieht er die Institution Schule in fünf Jahren? „Was die Werkrealschule anbelangt, wird es einen zunehmenden Bedarf an Schulsozialarbeit geben“, lautet die Antwort. Und man werde dem gewissen Verfall bei verschiedenen Kenntnissen (Rechtschreibung, Mathematik) begegnen müssen.

Würde er ein großes Schulzentrum in Bad Dürrheim befürworten? Zu ganz großen Schulzentren würde er Nein sagen, so Kriebel. Aber zu dem, was aktuell wieder und schon vor Jahrzehnten diskutiert wurde, das fände er eine interessante Überlegung. Die Zusammenlegung von Grund- und Werkrealschule und Realschule mit der ganzen Infrastruktur von Sporthallen und Sportplätzen und so weiter, das wäre einen Gedanken wert. „Wir haben hier in der Stadt ja eine schöne Lage, aber wir haben keinerlei Möglichkeiten, auszuweichen. So musste ich während der Europameisterschaft, als die Jungs kicken und sich austoben wollten, das aus Sicherheitsgründen verbieten, weil wir keinen Bolzplatz haben.“

Rektor Heinz Kriebel von der Grund- und Werkrealschule Bad Dürrheim geht Ende Juli in den Ruhestand. Er hinterlässt ungewollt und gezwungenermaßen mit den stockenden Sanierungsarbeiten nach dem Brand der Schule im November 2020 einen „unaufgeräumten“ Schreibtisch.
Rektor Heinz Kriebel von der Grund- und Werkrealschule Bad Dürrheim geht Ende Juli in den Ruhestand. Er hinterlässt ungewollt und gezwungenermaßen mit den stockenden Sanierungsarbeiten nach dem Brand der Schule im November 2020 einen „unaufgeräumten“ Schreibtisch. | Bild: Naiemi, Sabine

„Die Grundschule ist zurück im Kreidezeitalter!“ Das sagt Kriebel zu den Auswirkungen der stockenden Sanierungsarbeiten an der Schule. Mit den stockenden Arbeiten stockt auch die Fortentwicklung des zweiten Medienentwicklungsplans.“ Das wurmt besonders, da Kriebel immer einer war, dem gute Arbeitsumstände ein Herzensanliegen waren. „Wir waren fast einmal Vorzeigeschule. Jetzt sind wir im Bereich Medienkompetenz hinter das Niveau gefallen, das ich vor acht Jahren etabliert habe.“

Bedrückender, als in gewisser Weise diesbezüglich einen unaufgeräumten Schreibtisch hinterlassen zu müssen, sei in letzter Zeit beziehungsweise im Verlauf dieses Schuljahres jedoch gewesen, dass alles gleichzeitig zusammenkam: der Brand, Corona und eben auch die dadurch stockende Fortentwicklung des zweiten Medienentwicklungsplans. „Den ersten Medienentwicklungsplan vor acht Jahren konnte ich quasi im Alleingang abwickeln“, erinnert sich Kriebel. Jetzt müssten zig Leute ihr Okay geben. Man habe seitens der Schule jetzt mal bei der Stadtverwaltung nachgefragt, warum es mit der Schulhaussanierung so langsam gehe.

Gibt es denn spezielle Pläne für (Un)Ruhestand? „Hm“, macht Heinz Kriebel dazu nachdenklich. „Ich habe immer viel gearbeitet, war und bin nicht der ausgeprägte Freizeitmensch mit vielen Mitgliedschaften in Vereinen. Ich fahre gerne Fahrrad, schöne Touren, das macht mir Spaß. Und ich hab mir wieder einen Wohnwagen zugelegt. Das Lesen ist in den ganzen Jahren zu kurz gekommen. Ansonsten werde ich bis auf weiteres die Außenstelle der Volkshochschule (VHS) in Dürrheim weiterleiten, so die nächsten zwei oder drei Jahre. Da wieder Leben reinzubringen und neue Impulse zu setzen, ist eine interessante Aufgabe.“

Ehefrau Chantal wird die umtriebigen Pläne mit Fassung tragen. Sie ist schon länger im Ruhestand, aber auch an turbulente Zeiten gewöhnt. „Wir haben jahrelang eine Fernehe geführt, als sie noch in Frankreich gearbeitet hat und sie kam just in dem Schuljahr zurück, als ich drei Schulen gleichzeitig (Tuningen, Brigachtal und die GWRS) leitete, 2011 – Stress pur.“ Für die geplanten Reisen müssten es nicht die typischen Klassiker sein, so Kriebel. Es gebe noch ein paar Ecken in Frankreich, die er gern entdecken würde. Und Dänemark wäre auch eine Inspiration.