Am heutigen Donnerstag, 17. September, erhält mit der Vollverteilung des Bad Dürrheimer Amtsblattes, in einer Auflage von 7000 Stück, jeder Haushalt der Stadt eine 27-seitige Broschüre der Investoren-Gruppe „B.E.S.T. Holding“. Mit dieser wollen die Investoren um Unterstützung für ihr Projekt werben bei den Bad Dürrheimer Bürgern, die sich bis jetzt nicht in irgendeiner Form geäußert haben.

Das Baugebiet Hofen II ist ein seit 15 Jahren verwilderter Garten und liegt hinter dem Hotel Solegarten auf der rechten Seite des Kirchenbauerweges. Bild: SK-Archiv Götz
Das Baugebiet Hofen II ist ein seit 15 Jahren verwilderter Garten und liegt hinter dem Hotel Solegarten auf der rechten Seite des Kirchenbauerweges.

Damit reagieren die Initiatoren der Best-Holding (Michael und Jürgen Rebholz und Joachim Limberger) auf den Beschluss des Gemeinderates vom Juli 2020, das Baugebiet Hofen II nicht wie geplant zur Bebauung freizugeben, sondern dass die Stadt das Gelände, zumindest in Teilen, selbst erwirbt.

Joachim Limberger (links) und Michael Rebholz geben eine Informationsbroschüre zum umstrittenen Bauprojekt Hofen II heraus und werben um Stimmen für ihr Projekt. Bild: Sabine Naiemi
Joachim Limberger (links) und Michael Rebholz geben eine Informationsbroschüre zum umstrittenen Bauprojekt Hofen II heraus und werben um Stimmen für ihr Projekt. | Bild: Naiemi, Sabine

Dieser Beschluss des Gemeinderates kam für die Investoren gänzlich unvorbereitet (wir berichteten). Zwar hätten sie bestätigt, dass sie grundsätzlich dazu bereit wären, Gelände zu verkaufen und zu tauschen, jedoch darauf hingewiesen – beziehungsweise seit 2018 kommuniziert, dass die Verwirklichung der bestehenden Hotelpläne mit der Finanzierung durch die Wohnbebauung einhergeht und als es darum ging, ob die Best-Holding das Gelände von der Kongregation erwirbt oder nicht. Und man habe darauf hingewiesen, dass bei einem Verkauf der gleiche Erlös erwartet würde, wie er aus der Wohnbebauung von Hofen II resultiere.

Und dabei ist die Rede von einer Investitionssumme in Höhe von 25 bis 30 Millionen Euro. Das Gesamtprojekt ( Neubau eines Hotels an der Therme, Teilabriss und Neubau des Hotels Solegarten, Rück- und Umbau des jetzigen Sure Hotel by Best Western, früher Hotel Soleo). Die Projekte beschränkten sich ja nicht nur auf ein Projekt, sondern seien ein Gesamtmaßnahmenpaket, das viele Schnittstellen aufweise und wäre somit natürlich auch Teil der Stadtentwicklung.

Das Baugebiet Hofen II (rechts/grün) steht in der Diskussion. Bild: Büro Rebholz
Das Baugebiet Hofen II (rechts/grün) steht in der Diskussion. | Bild: Naiemi, Sabine

Unter diesen Gesichtspunkten habe man auch gern die Bürgerbefragung unterstützt und mit der weiteren Planung abgewartet, ob aus der Bürgerschaft neue Ideen beigesteuert werden. Rebholz: „Wir fanden die Bürgerbeteiligung wirklich gut.“ Stattdessen steht nun alles in Frage. Die zeitliche Verzögerung betrage jetzt schon rund eineinhalb Jahre, so Rebholz und Limberger. Normalerweise würde jetzt schon am Hotel Solegarten die Abrissbirne geschwungen. Doch so wie es jetzt aussieht, dauere es mindestens bis Ende 2021, bis da irgendwas geht. Im Rahmen dessen prangern die beiden geschäftsführenden Teilhaber der Best-Holding außerdem die durch Terminverschiebungen zwischen Gesprächen bis zu drei Monate dauernde Verzögerungen seitens der Stadtverwaltung an.

„Wer diesen Beschluss gefasst hat, hat sich im Vorfeld nicht mit unserem Projekt beschäftigt“, erklärt Michael Rebholz, obwohl bei der nicht öffentlichen Sitzung im Juli 2018 rund 80 Prozent der jetzigen Gemeinderäte schon im Gremium saßen und Einverständnis bekundet wurde. Mit der Broschüre wolle die Best-Holding nun noch einmal die Fakten erklären, weil in der Bürgerschaft, wie es Kommentaren und Leserbriefen zu entnehmen war, vieles missverstanden wurde.

Und weiter: Der Kirchenbuckel war und ist nie Ziel einer Wohnbebauung gewesen. Die Grünfläche Hofen II gehört nicht zur grünen Lunge. Diese liegt hinter der evangelischen Kirche und sei überhaupt nicht tangiert. Er wies noch einmal darauf hin, dass eine Wohnbebauung schon 2012 Thema zwischen Stadt und Kongregation war.

Limberger wies bei der Erklärung zur Broschüre darauf hin, dass seit der Landesgartenschau 1994 und der Erweiterung der Salinenwelt 2014 sich nichts mehr am haupttouristischen Produkt Solemar verändert habe. „Das ist für diese Branche und angesichts der bestehenden Konkurrenz durch andere Bäder, die mehr investieren und mehr tun, ein unglaublicher Zeitraum!“

Die statistische Auswertung der Bettenzahlen von 2002 zu 2019 zeige einen Rückgang der Kapazität um 1000 Betten auf. Somit sei der Einwand von zuviel Hotelbetten entkräftet.

Nicht zuletzt wolle man noch einmal darauf aufmerksam machen, dass – wie schon oft erwähnt – die Beiträge der Bürgerbefragung und somit auch die 55 Bürgerbeiträge gegen die Hofen-II-Bebauung nicht als repräsentativ für den Bürgerwillen der gesamten Stadt gelten.

Der Bürgermeister habe Gespräche der Fraktionen mit der Investorengruppe angeregt, man hätte selbst um Gespräche gebeten, gemeldet habe sich indes nur eine Partei, berichten Limberger und Rebholz.

Fakt sei, so Rebholz, dass es bei dieser Beschlusslage und aktuellen Situation, unterm Strich ohne Wohnbebauung von Hofen II – oder eben dem entsprechenden finanziellen Ausgleich – kein neues Hotel an der Therme geben werde. Aufgrund der Corona-Zeiten hätten sich die Anforderungen der Banken an Eigenkapital zur Finanzierung von Hotels sogar erhöht.

Nun sollen mit der Broschüre diejenigen der Bürger mobilisiert werden, die sich bisher nicht geäußert haben, ihre Unterschrift zugunsten des Gesamtprojektes abzugeben.

In dem 28-seitigen Heft werden nochmals die Fakten zum gesamten Projektpaket dargestellt, die Geschichte des Kurwesens der Stadt, ein Vergleich mit anderen Bäderstädten Baden-Württembergs, Umsätze und Übernachtungszahlen, die touristische Entwicklung der Stadt seit 1851 und Stellungnahmen zu Leserbriefen.

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Die Stimmabgabe

Seine Stimme abgeben kann man entweder per Stimmzettel (auf der Rückseite der Broschüre) oder über das Internet. Der Stimmzettel wäre abzugeben im Architekturbüro Rebholz oder in der Klinik Limberger. Die Teilnahme ist auch online möglich über den QR-Code im Heft, oder unter www.best-holding.de/unterschriftenaktion. Die Aktion läuft bis Ende Oktober. Dann wollen die Initiatoren dem Gemeinderat ein hoffentlich dickes Unterschriftenpaket überreichen.

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