Sabine Naiemi

Ein zweistündiger Diskussionsabend der Projektgruppe „Bad Dürrheim Klimaaktiv!“ im Haus des Gastes in Bad Dürrheim am vergangenen Dienstag beschäftigte sich unter dem Motto „Gemeinsam für Klimaschutz“ mit der Frage „Kann die Wirtschaft Motor sein?“.

Diskutanten waren der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Thomas Albiez, der frühere Umweltminister Baden-Württembergs Franz Untersteller und der Bad Dürrheimer Unternehmer Alexander Theinert. Moderiert wurde die Diskussion von LBU-Stadtrat und Klimaaktiv-Koordinator/Sprecher Wolfgang Kaiser.

In der Diskussion (von links) Wolfgang Kaiser, IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez, Unternehmer Alexander Theinert und Umweltminister ...
In der Diskussion (von links) Wolfgang Kaiser, IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez, Unternehmer Alexander Theinert und Umweltminister a. D. Franz Untersteller. | Bild: Naiemi, Sabine

Die Zuhörerrunde – die Resonanz auf den Abend war erstaunlich gering – erfuhr viel über Hintergründe und Zusammenhänge. So wartete Franz Untersteller mit vielen Informationen über das Vorgehen anderer Länder in puncto Klimaschutz auf. Inzwischen nehme die Klimapolitik auch global eine breite Rolle ein, erklärte er.

Alexander Theinert, geschäftsführender Gesellschafter des Bad Dürrheimer „Klima-Vorzeigeunternehmens“ sei zunächst aus finanziellen Gründen mit dem Klimaschutz in Verbindung gekommen. Nachdrücklich bemängelte Theinert immer wieder die Einschränkungen und Schwierigkeiten durch ausufernde Bürokratie und Vorschriften.

In seinem Fuhrpark gebe es einen E-Vito-Hybrid-Lkw und seit vier Jahren ein mit Wasserstoff betriebenes Fahrzeug. Er würde gern und könnte auch mit seinem überschüssigen Strom selbst Wasserstoff herstellen, oder zum Beispiel den überschüssigen Strom an Nachbarfirmen weiterleiten, was jedoch an der Bürokratie scheitere. Nun habe er mit einem mobilen Elektrolyseur eine Ersatzlösung gefunden.

Bürgermeister Jonathan Berggötz (rechts stehend) begrüßt die Zuhörer zur Diskussionsrunde im Weinbrennersaal, unter ihnen ...
Bürgermeister Jonathan Berggötz (rechts stehend) begrüßt die Zuhörer zur Diskussionsrunde im Weinbrennersaal, unter ihnen Kurgeschäftsführer Markus Spettel und Tiefbauamtsleiter Gunnar Prennig (links). Bilder: Sabine Naiemi | Bild: Naiemi, Sabine

Die Belastung des an seine Grenzen geratenen Mittelstandes machte Thomas Albiez deutlich, der die Sicht der Industriebetriebe darstellte. Zehn bis 14 Prozent Energieeinsparung in den nächsten Jahren sei ein frommer Wunsch. Vieles sei ausgeschöpft, die Betriebe an ihren Belastungsgrenzen angekommen. Die Politik bringe die Wirtschaft in Bedrängnis, erklärte Albiez und forderte ein Belastungsmoratorium (ein Jahr Ruhe).

Zahlreiche weitere Themen wurden noch andiskutiert: Windkraftanlagen, Baden-Württembergs Bedarf an Stromzulieferungen, die unzureichende Netzinfrastruktur für Stromeinspeisungen, Lieferschwierigkeiten in Verbindung mit Fachkräftemangel, die umweltfreundliche E-Mobilität sowie die Einstellung der Dieselauto-Produktion bei Mercedes.

Letzteres sei übrigens eine Management-Entscheidung, so der Hinweis von Franz Untersteller, ausgelöst durch die Entscheidung Chinas als Hauptexportland der baden-württembergischen Automobilbranche, künftig nur noch E-Automobile zu importieren.

Einig waren sich zum Schluss alle, dass Klimaschutz alle angeht und nur gemeinsam – auch global gesehen – funktionieren kann. Dazu könne jeder etwas beitragen, erklärte Bürgermeister Berggötz und warb für eine Beteiligung and der Projektgruppe „Bad Dürrheim – Klimaaktiv!“.