Kaum haben die Reha-Kliniken der Stadt – ansatzweise – die Folgen des ersten Lockdowns der Corona-Pandemie überstanden, da kündigt sich das wohl nächste Horrorszenario an. Wie sieht die aktuelle Situation in den Kliniken aus? Bleiben Patienten weg, stornieren sie vereinbarte Aufenthalte? Wie sehen die Vorsorgemaßnahmen aus? Sind die Kliniken schon wieder auf „Stand by“ gesetzt für den Ernstfall wie im Frühjahr?

Und da kommt das nächste Thema ins Spiel – das Land hat immer noch keinen Ausgleich geleistet für die von den Kliniken für Covid-19-Patienten freigehaltenen Betten. In der Klinik Limberger ist da die Rede von 50 Euro pro Bett für 35 freigehaltene Betten über zweieinhalb Monate. Hochgerechnet auf zwei Monate ergibt sich für die Klinik Limberger ein Betrag von 105.000 Euro, die Kalkulation der anderen beteiligten Kliniken wird nicht anders aussehen.

Im Gespräch mit dem SÜDKURIER erklärt Joachim Limberger, Inhaber und Betreiber der gleichnamigen Reha-Klink und Sprecher des Klinikforums Bad Dürrheim: „Aktuell wissen wir nicht, was kommt.“ Prognosen kämen einem Blick in die Glaskugel gleich.

Bezüglich der Situation in der von ihm betriebenen Reha-Klinik – die auch für andere Kliniken gelten kann – erklärt der Klinikchef: „Man muss zwischen zwei Dingen unterscheiden.“ Stabil sei derzeit noch die Situation bei dem, was „AHB“ genannt wird, also die Anschlussheilbehandlung nach einem stationären Krankenhausaufenthalt, etwa nach einer Operation.

Dagegen sei wohl eine zunehmende Zurückhaltung bei den Heilverfahren, also geplanten Reha-Maßnahmen, zu verzeichnen, wie er gehört habe. Diese deutliche Zurückhaltung betreffe seine Klinik momentan noch nicht, da in seinem Haus der AHB-Anteil überwiege.

„Die Menschen denken darüber nach, was sie tun“, sagt Limberger. Sie setzen sich mit solchen Fragen auseinander wie – „wie ist die Situation, was darf ich und was nicht, wie sieht es mit Besuchen und dergleichen aus?“ Trotz dem Drang und der Notwendigkeit, medizinische Behandlung wahrzunehmen, überwiege manchmal die Angst und die Leute würden lieber daheim bleiben.

Seitens des Sozialministeriums und des Landkreises wurden die örtlichen Strukturen aufgefordert, Kapazitäten für Covid-19-Patienten vorzuhalten als „Ersatz-Krankenhaus“. Dafür wurde mit dem Schwarzwald-Baar-Klinikum ein entsprechender Kooperationsvertrag geschlossen, der vom Regierungspräsidium anerkannt wurde. Dies war auch im Fall der Klinik Limberger so. Außerdem mussten an der/den Kliniken entsprechende organisatorische und räumliche Vorkehrungen getroffen werden, was mit einem entsprechenden Kostenaufwand verbunden war.

„Fakt ist, dass wir für dieses zur Verfügung stellen von Betten – die standen ja leer – nie einen Ausgleich wie angekündigt und vereinbart war, erhalten haben“, so Limberger. Bis heute wolle niemand mehr davon etwas wissen. Der Verband der privaten Klinikträger stehe mit dem Sozialministerium in Kontakt und fordere seit Monaten von Sozialminister Manne Lucha ein entsprechendes Vorgehen. Dieser halte das Ansinnen für absurd und wolle sich nicht damit beschäftigen. Die Reha-Kliniken hätten schon genug bekommen.

In Bayern habe es eine klare Anweisung gegeben, dass die Reha-Kliniken zu räumen sind. Und in Bayern wurde für den Ausgleich der Mehraufwendungen, die die Kliniken zu leisten hatten, der Zuschlag von 50 Euro auch bezahlt. Das Land Baden-Württemberg beruft sich darauf, dass es eine solche Anweisung nicht gegeben hätte, sondern man eine Bitte geäußert habe.

„Dieser Umgang ist unglaublich. Wie kann man hingehen und in einer Zeit wie dieser, in der großzügig und ohne groß zu fragen geholfen wird, die helfenden Kliniken hinterher so im Regen stehen lassen. Wir verstehen nicht, wie das Land Baden-Württemberg sich auf diese Art aus der Verantwortung stehlen kann. Eine sehr denkwürdige Art des Umgangs miteinander.“

Klinik will selbst testen

Reha-Kliniken sind von einem Beherbergungsverbot nicht betroffen. Vor der Anreise werden die Patienten morgens kontaktiert. Sobald diese Symptome angeben, erfolgt keine Aufnahme. Zusätzlich wird bei der Anreise Fieber gemessen. Bei Fieber erfolgt keine Aufnahme. Entsprechend einer neuen Testverordnung könnten Reha-Kliniken bald selbst Corona-Tests durchführen. Darauf bereitet sich die Klinik Limberger vor. Das Material sei für Schnelltests geordert.

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