Am gestrigen Montag fing für Schüler und Eltern nach den Weihnachtsferien wieder der reguläre Schulunterricht an, jedenfalls teilweise. Die Situation ist schwierig. Manche Eltern begrüßen das Homeschooling, manche verzweifeln schier gar an der Situation. Wie sieht es nun aktuell an den Bad Dürrheimer Schulen aus?

„Wir haben fast 30 Kinder in der Notbetreuung„, erklärt Konrektorin Stephanie Schweizer von der Grund- und Werkrealschule (GWRS). Alles Schüler von Klasse 1 bis Klasse 4, deren Eltern am Arbeitsplatz unabkömmlich seien und ihre Kinder deshalb nicht zu Hause betreuen könnten. Diese Kinder werden betreut von von 7.55 Uhr bis 12.15 Uhr. Für die Betreuung der Ganztageskinder sei dann ab 12.15 Uhr bis 16 Uhr Mariahof zuständig.

An der Grund- und Werkrealschule nehmen die Abschlussklassen am Präsenzunterricht teil, ebenso ist die Notbetreuung in der GWRS untergebracht. Bild: SK-Archiv
An der Grund- und Werkrealschule nehmen die Abschlussklassen am Präsenzunterricht teil, ebenso ist die Notbetreuung in der GWRS untergebracht. Bild: SK-Archiv | Bild: Hans-Juergen Goetz

Die Abschlussklassen 9 und 10 seien im Präsenzunterricht, allerdings im rollierenden System, in zwei Gruppen unterteilt. Von der neunten Klasse 28 Schülerinnen und Schüler auf zwei Gruppen aufgeteilt, von der Klasse 10 sind es 18 Schüler.

Schüler sind räumlich getrennt

Die Notbetreuung findet im Grundschultrakt statt, dort steht den Kindern der Grundschulpausenhof zur Verfügung. Die Abschlussklassen befinden sich im Werkrealschultrakt und haben den Werkrealschulpausenhof zur Verfügung. Die Schüler seien genau wie die Lehrkräfte mit Maske unterwegs. Schweizer: „Das ist hier ist Pflicht. Wir haben uns auch entschieden, auch die Grundschüler mit Masken zu versorgen, aber das war schon lange vor dem Lockdown.“ Im Flur etwa dürften sich auch die Grundschüler nur mit Maske bewegen.

Fernunterricht

Die Schüler im Homeschooling werden über die Cloud (über das vom Kreismedienzentrum zur Verfügung gestellte Videokonferenztool „Jitsi“) mit Arbeitsmaterial versorgt, die Eltern der Erst- und Zweitklässler können Lernpakete abholen. Bis jetzt habe die Schule noch keine Probleme gemeldet bekommen. Viele Lehrkräfte machen über die Cloud den Unterricht von zuhause aus.

Seitens der Eltern seien im Rektorat bezüglich der aktuellen Situation keine negativen Anrufe eingegangen, keine bösen Worte oder Beschwerden. Die Telefonketten würden gut klappen, so Stephanie Schweizer. Innerhalb von 24 Stunden wurde abgefragt, welche Eltern die Notbetreuung brauchen.

Neue Räume für das Rektorat

Sekretariat und Rektorat sind mittlerweile umgezogen und belegen jetzt im alten Rathaus drei kleine Zimmer. „So langsam kommen wir wieder auf das Niveau einer reibungslosen Tätigkeit“, erklärt Konrektorin Schweizer. Die Stadt habe superschnell reagiert. Ferien gab es für die Schulleitung wegen dem Umzug nicht. Jetzt seien nur noch verschiedene Kleinigkeiten zu erledigen.

Doch Präsenzpflicht

Unter Pandemiebedingungen war zwar die Präsenzpflicht ausgesetzt, doch das Homeschooling kann dem gleichgesetzt werden. Die Schüler sind verpflichtet, sich am Online-Unterricht zu beteiligen. „Wenn die Fach- und Klassenlehrer Videokonferenzen ansetzen, loggen sich ganz ganz viele Schüler ein“, sagt Stephanie Schweizer. Man merke, dass die Kinder den Kontakt und den Lehrer brauchen, nicht nur um irgendwelche Aufgaben erklärt zu kriegen, sondern auch auf psychologischer und persönlicher Ebene.

Sebastian Effinger und Timo Wolf nehmen am Fernunterricht teil. Bild: Realschule am Salinensee
Sebastian Effinger und Timo Wolf nehmen am Fernunterricht teil. Bild: Realschule am Salinensee | Bild: Stephanie Martin

Guter Start an Realschule

Schulleiterin Stephanie Martin von der Realschule am Salinensee (RSAS) lässt wissen, dass im Gegensatz zu 200 anderen Schulen des Landes das System „Moodle“ von Microsoftteams sehr gut funktioniere. „Wir haben hier eine Notbetreuungsgruppe mit neun Schülerinnen und Schülern sitzen“, erklärt sie. Diese verfolgen über die Notebooks den Fernunterricht wie alle anderen auch. Der Fernunterricht finde nach Stundenplan statt. Außer der Notbetreuungsgruppe seien derzeit keine weiteren Kinder im Schulhaus. Die Option für einen Präsenzunterricht der Abschlussklassen, habe man nicht genutzt, da diese dadurch in dieser Woche noch mal alle Unterrichtsfächer hätten. Wie es weitergehe, bleibe abzuwarten. Ein Problem sei, dass derzeit die Busse gerade nach Ferienfahrplan fahren und die Kinder somit Schwierigkeiten haben, zur Schule zu kommen.

Bis jetzt wurden 40 Notebooks leihweise ausgegeben. Zehn seien noch da. „Doch ich denke, die sind auch bald weg“, so Martin. Am Montagmorgen begann der Fernunterricht mit einer Stunde über die organisatorischen Dinge. Um 7.50 Uhr finde immer eine Klassenlehrerstunde statt. „Die Schüler sind verpflichtet, am Fernunterricht teilzunehmen“, erklärt Martin. Die Stundenpläne würden den Schülern eine feste Struktur geben. Für die Lehrer waren die Ferien kürzer, schon seit dem 6. Januar seien alle mit den Vorbereitungen beschäftigt gewesen.

Schulleiterin Stephanie Martin und ihr Lehrerkollegium vollbringen – genauso wie die Lehrkräfte der anderen Schulen – gerade wahre Meisterleistungen, um den Ansprüchen an die Lehrsituation während des Lockdowns gerecht zu werden. Bild: SK-Archiv
Schulleiterin Stephanie Martin und ihr Lehrerkollegium vollbringen – genauso wie die Lehrkräfte der anderen Schulen – gerade wahre Meisterleistungen, um den Ansprüchen an die Lehrsituation während des Lockdowns gerecht zu werden. Bild: SK-Archiv

Derzeit würden Alternativen erarbeitet für den Tag der offenen Tür Anfang März. „Wir machen es so, dass kleine Videosequenzen produziert werden, welche die entsprechenden Informationen über die Homepage der Schule weitergeben“, kündigt die Schulleiterin an. Der Elternsprechtag am 19. Februar werde hauptsächlich telefonisch gehalten.

Eltern im Wechselbad

Peggy Kröber, die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende vom letzten Jahr ist mit drei Kindern in dieser Situation besonders gebeutelt. Die 43-Jährige hat ein Kind in der fünften Klasse an der Realschule, ein Kind in der zweiten Klasse an der Grundschule und ein Krippenkind mit 15 Monaten.

„Dieser erste Tag Homeschooling ist auch für uns wieder Neuland.“ An der Realschule sei das hervorragend vorbereitet gewesen. Nachdem am heimeigenen Computer die Kamera nicht funktionierte, habe man – Schulleiterin Stephanie Martin wäre sogar am Sonntagabend erreichbar gewesen – umgehend ein Leihgerät bekommen. Für ihre Tochter in der Grundschule hätten sie am Sonntagabend noch Lernpakete bei der Sachunterrichtslehrerin abgeholt. Die Lehrer an den Schulen gäben ihr Bestes. „Es wird sich zeigen wie es funktioniert“, so Kröber. Sie ist skeptisch, denn während des ersten Lockdowns hätte ihre Tochter plötzlich gestreikt und sich geweigert zu lernen. Auch andere Eltern hätten diese Erfahrung gemacht, weiß sie aus ihrem Bekanntenkreis. „Da kriegst du erstmal Zweifel an dir selbst“, sagt sie, aber es ginge sogar Lehrern mit ihren eigenen Kindern so, wie sie wisse. Die Situation als Berufstätige mit zwei Kindern im Homeschooling und einem Krippenkind bedeute einen fast nicht zu bewältigenden Spagat.

Zwar würden einige Eltern begrüßen, dass ihre Kinder nicht zur Schule müssen, weil sie die Reduktion einer Ansteckungsgefahr sehen, dennoch würden alle hoffen, dass nächste Woche die Schule wieder aufgemacht wird und sei es nur für den Wechselunterricht. Die Kinder würden unter der Situation leiden, können diese nicht verstehen. Das bekäme sie in Gesprächen von vielen Seiten bestätigt. Erbost seien die Eltern darüber gewesen, dass nach drei Wochen Ferien, erst am Freitag auf den letzten Drücker die Entscheidung der Regierung fiel, wie es weitergeht.