„Auch zwei Mal können schon eine Tradition sein!“, so kommentierte Kurgeschäftsführer Markus Spettel in seiner kurzen Dankesrede nach dem Vortrag von Joey Kelly im Haus des Bürgers den Ersatz des Neujahrsempfangs durch den Bürgerempfang am vergangenen Freitag. Der Abend war ein glänzender Erfolg, das Haus des Bürgers stieß mit 350 Gästen an seine Kapazitätsgrenzen. Redner Joey Kelly, Musiker und Extremsportler, erhielt nach seinem beeindruckenden Vortrag unter dem Titel „No Limits – wie erreichen wir unsere Ziele?“ begeisterten Applaus im Stehen.

Im Foyer präsentierten sich dieses Mal die Feuerwehr, der Generationentreff, der Initiativkreis Stadtbibliothek, der Nachbarschaftshilfeverein, der deutsch-ungarische Freundeskreis und der Förderverein der Grund- und Werkrealschule. Den Abend eröffnete nach musikalischer Einleitung des Musikvereins Sunthausen Bürgermeister Jonathan Berggötz. Er kündigte Joey Kelly als beeindruckenden Redner an, als Stargast, der sich nicht auf dem Familienerfolg ausruhe, sondern sich ehrgeizig zu höheren Zielen angespornt hat und immer noch anspornt. Und Berggötz warb im Hinblick auf die Kommunalwahlen im nächsten Jahr um Engagement in der Kommunalpolitik.

Kellys schwieriges Leben

Joey Kelly führte zunächst zurück zu seinen Wurzeln. Unvergessen sind die Anfänge der berühmten Kelly-Family. Zeiten, in denen die vierzehnköpfige Familie von Obdachlosigkeit bedroht war, in einem Doppeldeckerbus lebte und durch die Lande tourte, bis letztendlich zum internationalen Durchbruch im Jahre 1994. Nicht nur bei diesem Rückblick, sondern überhaupt gab sich der 50-Jährige durchaus kritisch, aber auch knochentrocken und selbstironisch. Humorvoll erinnerte er an Zeiten von MTV, Viva, die Zeitschrift Bravo und alte Nokia-Handys und nahm seine sportlichen Erlebnisse aufs Korn.

Seinen sportlichen Ehrgeiz entwickelte Kelly Mitte der 1990er Jahre als Ausgleich zur Arbeit im Familienunternehmen. Beeindruckt von Rüdiger Nehberg, der 1981 zu Fuß von Hamburg nach Oberstdorf im Allgäu lief, startete Kelly im September 2010 einen Lauf von 900 Kilometern von Wilhelmshaven bis hinauf zur Zugspitze. Seine größte Angst sei damals der Hunger gewesen – er ernährte sich rein von dem, was die Natur entlang der Strecke bot, überwand wieder einmal seine Grenzen. In 18 Tagen nahm er dann 15 Kilogramm ab.

Auch bei dem 400-Kilometer-Marsch im Dezember 2010 durch die Antarktis bei 40 Grad minus, unter der Leitung von Fernsehmoderator Markus Lanz, überwand er wieder Grenzen – persönliche als auch körperliche – wie davor und danach bei unzähligen Ultramarathons, Ironmans und anderen Wettkämpfen, an denen er teilnahm.

Immer wieder fällt bei dem, was Kelly tut, das „No Limits“ auf, also keine Grenzen zu akzeptieren, sondern diese zu überwinden. Und die Antwort auf die Frage, wie man das schafft, lautete: „Das geht nur im Team!“ Das gehe nur, wenn man entsprechende Leute hinter sich habe. Dazu die eiserne Disziplin, sich immer wieder zu motivieren, die eigene Komfortzone zu verlassen, nicht aufzugeben. Sein Motto: „Das ganze Leben ist ein Marathon. Jeder Kampf zahlt sich aus!“

„Jedem Redner wird ein Baum gepflanzt“, erklärte Kurgeschäftsführer Spettel zum Abschluss. Im Fall des Extremsportlers Kelly ist dies eine Elsbeere – ein zäher Überlebenskünstler, bildlich gesehen mit Eigenschaften, die denen eines Extremsportlers gleichen. Der Überreichung des Bäumchens folgten als musikalischer Abschluss die
Europa-Hymne und der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Den sich anschließenden zwanglosen Austausch genossen die Gäste beim Buffet, für welches sich das Küchenteam des Kurhauses mächtig ins Zeug gelegt hatte. Nach guter Tradition dauerte der Abend beim Bürgerempfang bis weit nach Mitternacht.