Die Kurstadt ist in vielen Dingen Vorreiter und einer der wenigen Kurorte Deutschlands, der über drei Prädikate verfügt. Das alles ist jedoch kein Grund für die Kur- und Bäder-GmbH (Kubä) und die Stadt, in der Entwicklung stehen zu bleiben. Im Gegenteil. 2020 wurde das neue Projekt Biohacking ins Leben gerufen – Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsbewusstsein auf einer neuen Stufe, wie die Eigenwerbung lautet. Das Image der Stadt soll verjüngt werden, Biohacking richtet sich hauptsächlich an jüngere Menschen und könnte auch ein Zukunftsmodell für andere traditionelle Kur- und Badeorte darstellen. Jetzt wurde bei einer Veranstaltung ein Überblick gegeben.

Fritz Link, Präsident des Heilbäderverbandes Baden-Württemberg, Brigitte Goerz-Meissner, Präsidentin Deutscher Heilbäderverband, Moderator Nicolaus Prinz, Kurgeschäftsführer Markus Spettel, Wiebke Dirks, Achim Bädorf, Verbandsvorsitzender der Kneippheilbäder und -kurorte und Bürgermeister Jonathan Berggötz (von links) bei der Podiumsdiskussion.
Fritz Link, Präsident des Heilbäderverbandes Baden-Württemberg, Brigitte Goerz-Meissner, Präsidentin Deutscher Heilbäderverband, Moderator Nicolaus Prinz, Kurgeschäftsführer Markus Spettel, Wiebke Dirks, Achim Bädorf, Verbandsvorsitzender der Kneippheilbäder und -kurorte und Bürgermeister Jonathan Berggötz (von links) bei der Podiumsdiskussion. | Bild: Naiemi, Sabine

Zwei Jahre dauerte es von der Idee bis zur Umsetzung. Dabei ist Biohacking eigentlich ein alter Hut, es entstand in Amerika und wenn man es genau nimmt, war der erste Biohacker der Welt Pfarrer Sebastian Kneipp, der in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden wäre. Zur Feier dieses 200-Jährigen veranstaltet die Kubä einen Kneipsommer, dessen Auftakt eine Talkrunde im Kurhaus bildete mit einem Impulsvortrag von der Biohacking-Expertin Wiebke Dirks, die die Stadt in ihrem Prozess unterstützt.

Referentin Wiebke Dirks ist eine Biohacking-Expertin und begleitet Bad Dürrheim bei der speziell auf die Stadt bezogenen Entwicklung des Biohackings. Bilder: Sabine Naiemi
Referentin Wiebke Dirks ist eine Biohacking-Expertin und begleitet Bad Dürrheim bei der speziell auf die Stadt bezogenen Entwicklung des Biohackings. Bilder: Sabine Naiemi | Bild: Naiemi, Sabine

Beim Biohacking geht es darum, die eigene Komfortzone zu verlassen – „den inneren Schweinehund zu überwinden“, wie es Moderator Nicolaus Prinz, Experte für Gesundheitstourismus, formulierte. Ihre Komfortzone verlassen möchte auch die Kurstadt, um sich für die Zukunft weiter neu aufzustellen.

Die Komfortzone verlassen, heißt dabei nicht nur, zum Beispiel in Eiswasser zu baden, sondern auch sich selbst bewusst zu machen: Was passt für mich? Was brauche ich? Was tut mir gut? Fragen, die genau in der heutigen Zeit an Wichtigkeit zunehmen und die sich außerdem auch auf die Stadt anwenden lassen. Was passt für die Stadt, wo liegen die Kernkompetenzen und Spezialitäten? Biohacking umsetzen heißt auch, Verantwortung zu übernehmen, das Leben cleverer und smarter zu gestalten.

Moderator Nicolaus Prinz (links) lässt sich von Kurgeschäftsführer Markus Spettel einen Überblick über die Biohacking-Entwicklung in Bad Dürrheim geben
Moderator Nicolaus Prinz (links) lässt sich von Kurgeschäftsführer Markus Spettel einen Überblick über die Biohacking-Entwicklung in Bad Dürrheim geben | Bild: Naiemi, Sabine

Zunächst habe man eine Analyse durchgeführt, ob das Konzept überhaupt zu Bad Dürrheim passt, erklärte Kurgeschäftsführer Markus Spettel. „Es passt sogar unfassbar gut“, so Spettel. Das A und O ist die Spezialisierung. Die Begrifflichkeiten wie „Kurort“, „Heilbad“, „Bad“ seien sehr traditionell behaftet – angestaubt. Dieses Image wolle man aufmöbeln.

„Wir haben über 350 Heilbäder und Kurorte in Deutschland“, erklärte Brigitte Goerz-Meissner, die Präsidentin des Deutschen Heilbäderverbandes, während der Diskussionsrunde. Die Herausforderung für die Orte sei herauszufinden, was für sie passt. Viele der kleinen Kommunen seien zu wenig ausgestattet mit Infrastruktur und Personal. 27 Prozent der Übernachtungen entfielen auf die 50 Heilbäder Baden-Württembergs. Es gelte, Solidarität zu schaffen und die kleinen Orte mitzunehmen. Fritz Link, Bürgermeister des Kurortes Königsfeld und Präsident des Heilbäderverbandes Baden-Württemberg, gab einen Einblick in die Arbeit des Verbandes und wies besonders auf das neu gestaltete Kneipp-Journal hin.

Bürgermeister Jonathan Berggötz versprach Wiebke Dirks, irgendwann mal das Eisbaden zu testen. Wenn man betrachte, was Bad Dürrheim alles zu bieten habe, sei er auf jeden Fall stolz auf das, was die Stadt darstelle, beantwortete er die entsprechende Frage des Moderators. Als besonders wichtig erachte er „Exzellenz statt Mittelmaß“, neue Wege zu gehen und sich auf Kernkompetenzen zu fokussieren. Auch in Zeiten von kommunalen Engpässen werde die Stadt weiter investieren. Und: „Wir müssen immer wieder in die Diskussion bringen, wie wichtig das ist, was wir hier haben.“

„Exzellenz statt Mittelmaß“ war ein Stichwort für Brigitte Goerz-Meissner. Das Waldbaden komme ursprünglich aus Asien und wurde nach Deutschland importiert, erklärte sie. Heute kämen die Asiaten nach Deutschland, um sich zu informieren, wie man einen Badeort richtig führt.