Bisweilen erinnern die Wiedereröffnungsprognosen der Oberbaldinger Kirche an den Hauptstadtflughafen BER. Die Gemeindeleitung der evangelischen Kirchengemeinde Oberbaldingen möchte sich nicht mehr auf eine genaue Terminvorhersage für den Einweihungsgottesdienst festlegen. Zu oft hatte man Termine im Auge, die dann aufgrund von Überraschungen nicht eingehalten werden konnten.

Enrico Steglich und Markus Weniger verlegen im Altarraum den Sandsteinboden mit den rötlichen Seedorfer Sandsteinplatten.
Enrico Steglich und Markus Weniger verlegen im Altarraum den Sandsteinboden mit den rötlichen Seedorfer Sandsteinplatten. | Bild: Jörg-Dieter Klatt

Der Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Martin Kalisch, zitiert den jüngsten Gemeindebrief: „Wir sind vorsichtig hoffnungsvoll, dass wir im Frühsommer die Wiedereröffnung feiern können!“ Spricht man mit den Handwerkern, so hört man immer wieder: „Wenn man so umfangreich altes Gemäuer renovieren möchte, folgt eine Überraschung der anderen! Bei einem Neubau bleibt einem das erspart!“ Und diese Erfahrung bewahrheitete sich auch bei der Oberbaldinger Kirche.

In schnörkellosem gebrochenen Weiß erstrahlt das renovierte Kirchenschiff der Oberbaldinger Kirche. Eigentlich hätte die Oberbaldinger Kirche zu Weihnachten 2020 fertig sein sollen.
In schnörkellosem gebrochenen Weiß erstrahlt das renovierte Kirchenschiff der Oberbaldinger Kirche. Eigentlich hätte die Oberbaldinger Kirche zu Weihnachten 2020 fertig sein sollen. | Bild: Jörg-Dieter Klatt

Kaum waren zu Beginn der Renovierungsarbeiten die Bänke aus der Kirche getragen, zeigten sich schwerwiegende Mängel an den Pfosten, welche die Empore trugen. Kaum war der alte Putz von den Wänden geschlagen, zeigte sich, dass Feuchtigkeit in den Mauern das Trockenlegen von außen notwendig machte. So gesellte sich eins zum anderen und jedes Mal waren der Bauausschuss und der Kirchengemeinderat zusammen mit den Baufachleuten gefordert, Entscheidungen zu treffen, die nicht nur zeitliche Verzögerungen mit sich brachten. Auch der Kostenrahmen war im Auge zu behalten. Die Ahnung möglicher Kostensteigerungen hatte die Verantwortlichen schon vor Beginn der Renovierungsmaßnahmen vorsichtig agieren lassen und den Kostenrahmen entsprechend ausgelegt.

Andi Bub und Peter Gruler haben an der Empore das neue Geländer montiert
Andi Bub und Peter Gruler haben an der Empore das neue Geländer montiert | Bild: Jörg-Dieter Klatt

Jetzt befindet man sich quasi im Endspurt. Inzwischen erstrahlt der Kirchenraum, vom Gerüst befreit, in einem völlig neuen Farbkleid in gebrochenem Weiß. Der Asphaltestrich ist eingebaut und der Altarraum wird derzeit mit rötlichem Seedorfer Sandstein ausgelegt.

Reiner Obermeyer, Mitglied des Bauausschusses, skizziert die noch ausstehenden Arbeiten: In den kommenden Tagen werde der Parkettboden eingebaut und auch die Empore stufenartig rechts und links der Orgel völlig neu aufgebaut. Die Verantwortlichen diskutieren gegenwärtig noch über das farbliche Absetzen der Fensterlaibungen. Inzwischen liegen auch die neuen Kirchenbänke fertig beim Schreiner. An diesen sind noch die Heizstäbe für die Fußheizung zu installieren. Zahlreiche kleinere LED-Strahler sowie neue Pendelleuchten werden das Kirchenschiff und den Altarraum illuminieren. Neue Brüstungsgeländer der Empore, das Treppengeländer, neue Außentüren sowie ein kleines Vordach vor dem Haupteingang vervollständigen in den kommenden Wochen die Renovierungsarbeiten.

Wenn dann auch noch das bewegliche Mobiliar, zu dem auch der künftige Altar gehört, geliefert sein wird, können wieder Gottesdienste in Oberbaldingen gefeiert werden. Besonderen Wert haben die Planer auf die multimediale Ausstattung der Kirche gelegt. Zwei Beamer werden Bilder, Liedtexte und Filme an die Wände rechts und links des Altarraumes projizieren. Der speziellen Akustik des Kirchenraumes ist ein hochmodernes Soundsystem geschuldet, das je nach Anforderung für einen guten Ton im Kirchenschiff sorgt. Zu einem späteren Zeitpunkt muss noch die Orgel vollständig gereinigt und neu gestimmt werden. So werden die ersten Gottesdienste zunächst mit dem Piano musikalisch gestaltet.