Eigentlich würden jetzt schon sämtliche Narren mitten in den Vorbereitungen zur fünften Jahreszeit stecken und mit den Hufen scharren, wenn da nicht Corona wäre. Was machen die Aktiven jetzt, so ganz ohne Fastnacht, nachdem großer Stil für 2021 abgesagt ist? Der SÜDKURIER fragt nach. Heute erzählt Zeremonienmeister Klaus Götz von der Narrenzunft Bad Dürrheim über seinen „Job“. Ein Zeremonienmeister ohne Zeremonie? Mitnichten!

Landtagsabgeordnete Martina Braun (Mitte) wird 2019 zur Ehrennärrin gekürt, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer (zweite von links) hält die Laudatio und Zeremonienmeister Götz (rechts) sorgt dafür, dass alles seine Ordnung hat.
Landtagsabgeordnete Martina Braun (Mitte) wird 2019 zur Ehrennärrin gekürt, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer (zweite von links) hält die Laudatio und Zeremonienmeister Götz (rechts) sorgt dafür, dass alles seine Ordnung hat. | Bild: Naiemi, Sabine

Wie wird man überhaupt Zeremonienmeister? „Das ist ganz einfach“, so Götz, „indem man sich in der Jahreshauptversammlung für dieses Amt zur Verfügung stellt.“ Zeremonienmeister ist ein Amt im geschäftsführenden Vorstand. Man wird alle zwei Jahre gewählt. Er macht das seit 2003. 2021 stünde die Wiederwahl an.

„Es war eigentlich mein auserkorener Lieblingsjob“, erklärt Götz auf die Frage, warum er gerade bei diesem „Job“ den Finger hob. „Ich hatte schon mehrere Vorstandsämter. Als Zeremonienmeister kann man die Fastnachtsabläufe wesentlich mitgestalten, und man kann am meisten Einfluss darauf nehmen, die traditionelle Fastnacht in ihren Ursprüngen weiterleben zu lassen. Zunftmeister und Vize haben viel mehr mit Verwaltung und repräsentativen Aufgaben zu tun.“

Zeremonienmeister Klaus Götz im vollen Narrenornat.
Zeremonienmeister Klaus Götz im vollen Narrenornat. | Bild: privat

Aufgaben im einzelnen sind: Die gesamte Planung von Fastnachtsveranstaltungen vom 6. Januar bis zum Hexenverbrennen am Fastnachtsdienstag, die ganzen Abläufe zu planen und zu organisieren, mit zu begleiten oder etwa die Ehrungen zu organisieren. Wobei das alles über viele Jahrzehnte gewachsene gleiche Abläufe sei und die Kunst darin bestehe, Bewährtes zu erhalten, aber sich trotzdem am Zeitgeist weiter zu entwickeln und nicht stur an überkommenen Sachen festzuhalten, die nicht mehr in die Welt passen. Das kann dann schon auch mal in einen Spagat ausarten. „Was wir in den letzten Jahren an digitaler Technik ins Programm eingebaut haben, ist schon revolutionär“, lässt Götz stolz verlautbaren.

Klaus Götz moderiert und strählt beim Umzug in schönster Manier.
Klaus Götz moderiert und strählt beim Umzug in schönster Manier. | Bild: Naiemi, Sabine

Seine Lieblingsaufgaben seien alle Aufgaben, welche die öffentlichen Auftritte über die Fastnachtstage betreffen – die Fastnacht draußen mit den Leuten zu leben. Das fange schon am Donnerstag an. Auf die Straße gehen und schauen, wo weckt wer, wo kann man sich anschließen. Das erste Highlight ist die Schülerbefreiung, den Schülern das Tun und den Hintergrund dazu vermitteln. Doch das Allerliebste sei für ihn der Brauchtumsunterricht an der Schule, erklärt der Vater dreier erwachsener Kinder. Den macht die Narrenzunft immer in der zweiten Klasse. Da könne man die Kinder am ehesten erreichen und begeistern.

Wobei Götz vom Elternhaus her fastnachtlich gar nicht vorbelastet gewesen sei. Nichtsdestotrotz habe ihn die Fastnacht schon als Kind fasziniert, und dann sei er durch seinen Freundeskreis in die Fastnacht reingewachsen. Götz: „Man hat das Gen, oder man hat es halt nicht.“ So sei er während des Studiums am Fasnetsmontag morgens nach München zur Klausur gefahren und direkt danach wieder zurück. „Es wäre für mich undenkbar gewesen, den Montagabend nicht in Bad Dürrheim zu verbringen.“

Auf dem Rathausplatz legt Salzhansel Götz einen einwandfreien Hanseltanz hin.
Auf dem Rathausplatz legt Salzhansel Götz einen einwandfreien Hanseltanz hin. | Bild: Naiemi, Sabine

Welche Bedeutung hat die Fastnacht für ihn? „Die Fastnacht ist ein festgelegtes Event, eine früher festgelegte Tradition im Jahreslauf. Wie Ostern und der Advent, so ist die Fastnacht ein fester Bestandteil im christlichen Jahresablauf, den man leben kann und soll.“ Was er allerdings gar nicht verstehen kann, das ist, wenn Leute unter Fastnacht nur verstehen, sich sinnlos zu besaufen und in irgendwelchen Gewalteskapaden oder volltrunken rumliegen und das dann noch im Häs. „Da werde ich richtig sauer!“

Ist er jetzt ein Zeremonienmeister ohne Zeremonie? „Mitnichten!“, kommt prompt die entschiedene Antwort. „Wir sind jetzt gefordert, die Zeremonie des Fastnachtsablaufes anders zu gestalten. Wir müssen uns an andere, neue Vorschriften halten, müssen verantwortungsbewusst mit unserem Brauchtum umgehen, damit wir niemanden gefährden. Da arbeiten wir in der Vorstandschaft sehr intensiv dran, es gibt Abläufe, die es gilt, regelkonform und verantwortungsbewusst durchzuführen.“

Er fühle sich dieses Jahr sogar noch mehr gefordert, als wenn alles glatt läuft. Viele Fragen seien zu bedenken. Wie kann man zum Beispiel Schülerbefreiung gestalten, ohne in die Schule zu gehen, wie viele Personen können mitmachen? Den Schlüssel vom Bürgermeister einzufordern geht, es muss nur entsprechend organisiert werden. „Die Leute müssen hinterher sagen, dass wir uns was Cooles ausgedacht haben“, und da haben sie auch schon Ideen. Sicher wird der Narrenbaum nicht wie üblich gestellt, aber es werde sicherlich symbolisch etwas geben.

Üblicherweise wären jetzt alle mit dem Herbstpensum beschäftigt. Jetzt gilt die Konzentration der Fasnetseröffnung am 6. Januar. „Wir wissen auch schon ungefähr, wie wir das gestalten.“

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