Maria Bucher ist seit dem 1. April 2020 die neue Koordinatorin für Ehrenamt und Bürgerschaftliches Engagement bei der Stadt Bad Dürrheim. Bedingt durch die Corona-Pandemie hatte sie einen ungewöhnlichen Start.

Wie hat sich Corona auf ihren Arbeitsbeginn und ihre Arbeit zu Beginn ausgewirkt?

Während der ersten Tage habe ich mich im Homeoffice eingearbeitet. Etwas, das absolut untypisch ist. Sehr dankbar bin ich Herrn Bürgermeister Berggötz und Hauptamtsleiter Stein, dass ich trotz der Ausnahmesituation die Chance und das Vertrauen bekommen habe, zum 1. April zu beginnen. Aus meiner früheren Arbeit bin ich es grundsätzlich gewöhnt, mich selbständig in neue Aufgabengebiete einzuarbeiten und Kontakt mit Menschen aufzunehmen, um Dinge in Erfahrung zu bringen. Das hat auch in diesem Fall ganz gut funktioniert, um sich ein erstes Bild zu verschaffen. Der persönliche Kontakt, gerade am Anfang, ist eine wichtige Komponente, die oft unterschätzt wird. Dazu hatte natürlich auch die Verwaltung alle Hände voll zu tun, um mit der neuen Situation zurechtzukommen. Daher lief die Einarbeitung sicher für alle anders als geplant. Wichtig ist wohl immer, dass man versucht, das Beste daraus zu machen. Und mit dem Projekt „Masken nähen“ war dann relativ schnell eine Aufgabe gefunden, bei der ich aktiv mitwirken konnte und die ersten persönlichen Kontakte zu den Bürgern und Bürgerinnen und der BE-Szene von Bad Dürrheim knüpfen konnte.

Welche Visionen hatten Sie vor Ihrem Start und was wäre Ihnen das Wichtigste, beziehungsweise was würden Sie als erstes in Angriff nehmen, wenn das alles jetzt vorbei wäre?

Um eine Vision zu haben, sollte man meiner Meinung nach das Ganze überblicken können und etwas kennen. Das fehlt aktuell noch für eine ausgereifte Vision. Grundsätzlich ist es mir persönlich immer wichtig Mehrwerte und Netzwerke zu schaffen. Mein Ziel ist es, das Bürgerschaftliche Engagement in Bad Dürrheim gut zu vernetzen, damit sich Synergien bilden können und voneinander profitiert werden kann. „Wo täglich neue Kräfte wachsen“ – was ich von Bad Dürrheim bisher mitbekommen habe, ist das definitiv mehr als ein Slogan, es ist eine Passion, die zu spüren ist und diese Kräfte will ich gerne weiter stärken. Ein wichtiges Thema für Bürgerschaftliches Engagement oder Ehrenamt ist die Motivation: Warum soll ich mich einbringen? Was habe ich davon? Mein Ziel ist es, Vereine, Ehrenämter und Initiativen für Bürgerschaftliches Engagement dabei zu unterstützen, ihr eigenes „Warum“ zu finden und damit neue Mitglieder oder Mitstreiter zu finden.

Wo drückt die Vereine der Schuh, mit welchen Fragen wenden sich die Vereine an Sie?

Die Situation durch Corona fordert die Vereine sehr. Das Kontaktverbot, dazu das Ausfallen von Proben und Trainings zerrütten das Vereinsgefühl. Die größte Angst der Vereine ist sicher, dass Mitglieder nach Corona nicht wieder zum Verein zurückkehren. Für die Musik- und Gesangvereine waren und sind die Hygienevorschriften eine Herausforderung. Ebenso einen passenden Raum zu finden, der groß genug ist und das Hygienekonzept auszuarbeiten. Dazu haben die Vorstände der Vereine eine ganz neue Verantwortung, die sicher schwerer lastet als noch im vergangenen Jahr. Es gilt, Entscheidungen zu treffen, die nicht leicht zu treffen sind. Entscheide ich mich als Vorstand für die Sicherheit und Gesundheit meiner Mitglieder, oder ist das Miteinander im Vereinsleben wichtig, weil die Angst des Zerbrechens und der Druck der Mitglieder, sich wieder zu treffen, vielleicht schwerer wiegt. Die aktuellen Fragen drehen sich rund um Corona und die Verordnungen. Darf ein Raum genutzt werden, wie groß sind die Gruppen, dürfen Stammtische oder Jahreshauptversammlungen abgehalten werden. Gemeinsam mit Gina Wetzel vom Ordnungsamt haben wir versucht, alle Fragen nach bestem Wissen und Gewissen so schnell wie möglich zu beantworten.

Welche Vorschriften gelten gerade für die Vereine, was müssen Vereine bei Versammlungen beachten?

Hier kann ich nur auf die Corona-Verordnung des Landes verweisen. Was heute gilt, kann morgen anders sein. Per E-Mail informieren Frau Link und ich in regelmäßigen Abständen die Vereine über aktuelle Änderungen. Wer in unseren Verteiler aufgenommen werden möchte, darf gerne Kontakt mit Frau Link vom Hauptamt oder mir aufnehmen.

Was fällt gerade im Rahmen ihrer Tätigkeit als Ehrenamtskoordinatorin an?

Die Ehrenämter kamen ehrlicherweise in den letzten Wochen noch zu kurz. Dies gilt es nun in den nächsten Wochen aufzuarbeiten. Endlich darf man sich auch wieder treffen, was es um einiges leichter macht. Vor allem will ich erst einmal zuhören, welche Bedürfnisse und Ideen in den Ehrenämtern schlummern. Wie gesagt, will ich die Ehrenämter unterstützen, indem ich untereinander Synergien schaffe. Ein Rad muss nicht immer neu erfunden werden. Das Gute und Wissen werden nicht kleiner, wenn man es teilt. Ein großes Anliegen ist es mir, die Arbeit der Ehrenämter sichtbarer und transparent zu machen. Und natürlich weitere Menschen zu finden, die sich auch für ihr Umfeld engagieren wollen.

Fragen: Sabine Naiemi