Nachdem 2019 für Bad Dürrheim und die Kur- und Bäder GmbH (Ku-Bä) ein besonders erfolgreiches Jahr war, waren die Hoffnungen zum Jahresbeginn 2020 hoch gesteckt. Keiner ahnte damals am Neujahrsmorgen 2020, was noch kommen würde. Und es steht bei weitem noch nicht fest, wie sich das Jahr 2021 entwickelt. Bad Dürrheim steht vor großen Herausforderungen.

Bei der Neujahrsansprache von Bürgermeister Jonathan Berggötz am 1. Januar 2020 wusste noch niemand, was 2020 für ein schlimmes Jahr werden wird.
Bei der Neujahrsansprache von Bürgermeister Jonathan Berggötz am 1. Januar 2020 wusste noch niemand, was 2020 für ein schlimmes Jahr werden wird. | Bild: Naiemi, Sabine

„Das Jahr 2020 war durch Corona ganz stark geprägt und für uns alle war dies eine riesige Belastung“, erklärt Bürgermeister Jonathan Berggötz in seiner, extra im Solemar, gehaltenen Video-Neujahrsansprache. „Es war für viele ein katastrophales Jahr – auch für unsere Kur- und Bäder GmbH, aber wir haben neben Corona auch vieles auf den Weg gebracht“, so der Bürgermeister weiter.

Einen besonderen Dank wolle er seinen Mitarbeitern ausdrücken, die im vergangenen Jahr teilweise über sich hinausgewachsen sind und sich in einer schwierigen Zeit nicht weggeduckt haben.

Wenn er gefragt wurde, wie es ihm denn gehe, habe er gesagt, dass man die Herausforderungen ohne größere Probleme bewältige, und dass es ihm gut gehe. Doch: das Solemar – touristisches Herzstück der Stadt – musste mit erheblichen finanziellen Folgen geschlossen werden, das aktive Vereinsleben ist eingebrochen, in den Kirchen fallen Gottesdienste aus. Ehrlich gesagt, sei es ihm beruflich manchmal komplett anders gegangen als nach außen kommuniziert, gibt Berggötz zu. „Ich war angespannt und teilweise beunruhigt durch die ständigen Änderungen und Abstimmungen durch Corona. Ich war frustriert von den Auswirkungen für unsere Gesellschaft. Schulunterricht und KiTa-Betrieb mussten ausfallen, zahlreiche Veranstaltungen wurden abgesagt. Ich habe mir große Sorgen gemacht. Beherbergungsunternehmen, Gastronomen und Einzelhandel mussten teilweise schließen oder konnten nur unter erschwerten Bedingungen den Betrieb aufrechterhalten.“

Berggötz: „Corona war und ist sowohl arbeitstechnisch als auch finanziell für unsere Stadt eine enorme Herausforderung. Wir merken das derzeit im Gemeinderat bei den Haushaltsberatungen für das Jahr 2021, die noch laufen. Wir werden in Zukunft noch stärker priorisieren und eine Aufgabenkritik durchführen müssen.“

Umfangreiches Themenpaket 2021

  • Innenstadtentwicklung: „Bei dieser wichtigen Aufgabe sind wir leider nicht so weit, wie wir sein wollten“, erklärt Berggötz. Um den Gesamtprozess und den angestrebten städtebaulichen Wettbewerb weiterführen zu können, haben sich die Fraktionsvorsitzenden, die Vertreter von B.E.S.T. und er sich intensiv zusammengesetzt. So konnten gegenseitig Kritikpunkte ausgetauscht werden.
  • Digitalisierung: „Digitalisierung ist wichtig und zwar in allen Bereichen, weshalb wir fokussiert an diesem Thema dranbleiben. Vor der Pandemie war schnelles Internet wichtig, heute ist es essentiell“, so Berggötz.
  • Weitere Themen: „Es stehen viele weitere Herausforderungen und Chancen an“, so Berggötz. Besonders wolle er im Blick behalten das Thema „Klimaaktives Bad Dürrheim“, Maßnahmen aus dem Sanierungsprogramm Innenstadt, Radweg zwischen Biesingen und Hirschhalde, Dachsanierung der Friedhofskapelle Sunthausen, Neubau Klinik Limberger, Renaturierung Kötach, Parasol-Hotel, Offenlegung Stille Musel, Neubau Wasserwerk und vieles, vieles mehr.
Markus Spettel
Markus Spettel | Bild: Kur und Bäder GmbH

Auch wenn es einen kleinen Vorteil haben mag, seine Ansprache per Video zu halten (man muss nicht mit Schlaf in den Augen früh aufstehen), sei es doch etwas Besonderes, sich zum neuen Jahr in einem gut gefüllten Saal zu begegnen, so ganz ohne Maske und ohne Abstand. Etwas das heute geradezu abstrakt klinge, erklärte Kurgeschäftsführer Markus Spettel. „Ich zumindest sehne mich nach diesen früheren Zeiten und freue mich schon sehr darauf, wenn diese möglichst bald wieder zurückkehren.“

Das gesamte Ausmaß, wenn einer ganzen Gesellschaft das höchste Gut Gesundheit verloren geht, zeige sich in den massiven Einschnitten. Auch in Bad Dürrheim wurde dies im vergangenen Jahr mehr als deutlich. Insbesondere, da man vor der Corona-Pandemie auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2019 zurückblicken durfte. Spettel sprach den Rekord von über 97 000 Gästeankünften und ein seit 17 Jahren nicht mehr erreichtes Übernachtungshoch von über 671 000 Übernachtungen an. Die Kur- und Bäder GmbH war 2019 mit einem Umsatzplus in Höhe von über einer Million Euro im Vergleich zu 2018 und einer Jahresergebnisverbesserung in Höhe von rund 870 000 Euro auf absolutem Erfolgskurs. Der setzte sich im Januar und Februar 2020 nahtlos fort, bis er im März 2020 schlagartig unterbrochen wurde.

Die Hilfsprogramme der Politik, könnten dies nur teilweise kompensieren, findet auch Spettel. Insbesondere die vielen Millionen an direkter aber auch indirekter Wertschöpfung, die vom Tourismus in die ganze Stadt fließen, fehlen an vielen Stellen. Alle von den Lockdowns betroffenen Betriebe und Einrichtungen haben nach wie vor starke finanzielle Einbußen zu verkraften. Spettel: „In Bad Dürrheim haben wir definitiv das Potenzial dazu, den Wendepunkt der Krise als Chance zu nutzen. Doch für einen erfolgreichen Neustart heißt es, weit mehr zu tun als sich auf Vorhandenem auszuruhen.“