„Was lange währt, wird endlich gut“, zog die SPD-Stadträtin Derya Türk-Nachbaur das bekannte Zitat von Ovid (43 vor Christus bis 17 nach Christus) heran, als die einzelnen Fraktionen vor der Abstimmung ihre Stellungnahmen zu der geplanten Einrichtung eines modifizierten Betreuungsangebotes abgaben.

Seit fünf Jahren wird dieses Thema diskutiert (wir berichteten). Den ersten Antrag brachten seinerzeit die Sozialdemokraten auf den Weg auf entsprechende Nachfrage von Eltern. Zuletzt wurde das Thema ausführlich bei der Klausurtagung des Gemeinderates im Mai diskutiert.

Kurz zusammengefasst geht es darum, an den Grundschulen Eltern ein Betreuungsangebot zu ermöglichen, die ihre Kinder nicht in der angebotenen Ganztagesschule anmelden können oder wollen, aber aufgrund ihrer Berufstätigkeit (größtenteils der Frauen) eine Betreuung ihrer Kinder über die Mittagszeit benötigen.

Bei der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag informierte die Stadtverwaltung zunächst über den Stand der Dinge. Die Verwaltung hatte die einzelnen Bedingungen zur Flexibilisierung und den hierfür erforderlichen Kostenaufwand zu prüfen. Schwierig wird die Kostensituation für die Stadt sowohl durch zu wenig Schüler, die an dieser Betreuung teilnehmen, aber auch durch zu viel Schüler. Die Stadtverwaltung holte schließlich ein Angebot für die Betreuung mit Mittagstisch durch Mariahof ein, dem bisherigen Betreuungsträger für das Mittagsband der Ganztagesschüler.

Was in der Vergangenheit von vielen Seiten stets befürchtet wurde, war, dass dieses zusätzliche Angebot eine Konkurrenzsituation zur Ganztagesbetreuung schaffe und diese dadurch eventuell in eine Eingruppigkeit rutsche, was sich in erheblicher Weise finanziell nachteilig auswirken würde. Deshalb wird auch immer wieder von allen Seiten betont, dass mit diesem Zusatzangebot die Ganztagesbetreuung an der Grund- und Werkrealschule auf keinen Fall angetastet wird. Gegenwärtig befinden sich 37 Schüler und Schülerinnen in der Ganztagesbetreuung an der Grund- und Werkrealschule.

Rektor Heinz Kriebel von der Grund- und Werkrealschule befürchtet, dass sich die Zahlen zu Gunsten dieses neuen Betreuungsangebotes verschieben und fragte im Gemeinderat nach einer entsprechenden Absicherung, um die Zweizügigkeit der Ganztagsschule zu erhalten. Schulleiterin Patrizia Schneider von der Ostbaarschule erklärte, dass aufgrund des Nachmittagsunterrichtes, der ab der zweiten Klasse für alle Schüler stattfinde, aus Platzgründen eine Betreuung in der Ostbaarschule nur bis 14.10 Uhr dauern könne.

Bezüglich der Befürchtungen über die Reduzierung der Schülerzahlen in der Ganztagesbetreuung wies Stadträtin Karin Roeckl (LBU) darauf hin, dass die von den Kindergärten gemeldeten Zahlen in den nächsten Jahren keine dahingehende Entwicklung erwarten ließen.

Was außerdem falsch interpretiert wird ist, dass die Stadt die ihr entstehenden Kosten von rund 10 000 bis 11 000 Euro pro Jahr „subventioniert“. Darauf weist Stadträtin Türk-Nachbaur nochmals hin, verwundert über die „ Unkenntnis“ beziehungsweise aus ihrer Sicht „holprige Argumentation“ der CDU und FDP wegen der Kosten. Bislang sei es so, dass das Mittagsband (Betreuung während des Essens) nicht vom Land und nicht von den Eltern getragen wird, sondern die Stadt komme dafür auf. Wenn also die Ganztagesschüler von der Stadt für die Betreuung während des Mittagessens finanzielle Unterstützung bekommen, dann sollte im Sinne der Gleichstellung diese Unterstützung auch allen anderen Kindern zustehen.

Letztlich sprach sich die CDU gänzlich gegen das zusätzliche Angebot aus. Unter anderem mit der Argumentation, die Zweizügigkeit des Ganztagsschulangebots zu schützen und wegen der Kosten. Die FDP schloss sich diesen Bedenken an. Der vorliegende Beschlussvorschlag der Verwaltung wurde mit 19 zu neun Stimmen abgelehnt.

Beschlossen wurde vom Gemeinderat schließlich das Zusatzangebot mit 19 Ja- gegenüber neun Nein-Stimmen auf der Grundlage des von den Freien Wählern eingereichten Beschlussvorschlages: Dieser beinhaltet die Sicherung der Zweizügigkeit der Ganztagsschule an der GWRS und der Ostbaarschule, die probeweise Einführung der modifizierten Betreuung für ein Jahr, die Begrenzung der Gruppen pro Schule auf zehn bis 14 Schüler.

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