Bad Dürrheim – Feuerbuure Dürra heißt die neue Narrenzunft der Stadt. Begegnet ist einem dieser Name schon ab und an im vergangenen Jahr, zum Beispiel beim Christkindlemarkt oder beim Adventsdörfle. Jetzt sind die Häser komplett und die Masken fertig und ab dieser Fasnet wird die neue Zunft verstärkt Präsenz zeigen. Die Feuerbuure greifen in der Symbolik ihrer Kostüme den historischen Bezug zur Geschichte der Stadt auf.

  • Die Idee zur Figur: "Wir haben lange, lange überlegt und gesucht, was wir machen könnten", erklärt Dirk Murer, der schon Gründer der Stierberghexen in Sunthausen war. Wir, das heißt Schwager Heiko Murer (Mitbegründer der Stierberghexen) als Ideengeber und er. Heiko Murer habe lange Zeit in der Geschichte der Stadt recherchiert. Im Rahmen dessen sei man durch eine Tafel im Heimatmuseum auf die beiden Großbrände der Stadt in den Jahren 1674 und 1715 gestoßen. Für genauere Nachforschungen fuhr Heiko Murer sogar in das Archiv der Erzdiözese Freiburg. Herzensanliegen war nämlich der korrekte geschichtliche Bezug mit entsprechendem Hintergrund. Durch diese Brände und die damals entstandenen Geschichten eines Teufels oder Feuerteufels als Verursacher war die Idee zur Figur geboren. "Wir waren im wahrsten Sinne des Wortes Feuer und Flamme."
  • Fast vor dem Aus: Im Juli 2017 ging es an die Umsetzung der Idee. Einzelheiten zum Häs waren schnell ausgearbeitet, schnell war auch ein Schnitzer gefunden – Wolfgang Duksch aus Oberkirch. Man war sich sicher, an der Fasnet 2018 in Erscheinung treten zu können. Doch dann verstarb Heiko Murer im Januar 2018 an der Krankheit, wegen der sich die Familie auch bei den Stierberghexen zurückgezogen hatte. Dirk Murer: "Die Feuerbuure Dürra standen sechs Monate nach ihrer Gründung vor den Aus, wollten aufhören." Erst ein später aufgefundener Brief mit einer entsprechenden Bitte des Verstorbenen gab den Ausschlag, die Feuerbuure weiter bestehen zu lassen.
  • Das Häs: Es ist der Bauernkleidung jener Zeit nachempfunden und besteht aus einer grauen Gugel, einer blauen Bluse und schwarzen Hose, sowie schwarze Mittelalterschuhe und schwarze Handschuhe sowie einem braunen Gürtel (in Österreich angefertigt) mit elf kleinen Glocken (Symbol des ersten Großbrandes, dem elf Häuser zum Opfer fielen) und 4 Tiroler Glocken als Symbol der Kirche. Jeder Buur hat eine Heugabel, Rechen oder einen Dreschflegel bei sich. An der Seite wird ein kleiner Geldbeutel und eine Brottasche getragen sowie ein Trinkhorn oder Trinkhornbecher (nicht aus Metall). Auf der Vorderseite der Gugel (Haube) sind der Hänslehof und die Zehntscheuer aufgestickt, auf der Rückseite kleine Flammen. Die aus Lindenholz geschnitzten Schemmen (alles Unikate) zeigen das wettergegerbte Gesicht eines Bauern mit einem Stumpen oder einer Pfeife im Mund. Als Attribut des damaligen "Feuerteufels" sollen die kleinen Hörner gelten. Auf der Fahne ist das alte Dürrheimer Wappen zu sehen. Das Häs kostet rund 1000 Euro, das Teuerste ist die Maske. Ein Frauenhäs kommt später dazu.
  • Die Zunft: Aktuell sind 16 Erwachsene und ein Kind Mitglied bei den Feuerbuure. Eine Vereinsgründung folgt erst nach gewisser "Probezeit". Ansprechpartner (erster Vorsitzender) ist Frank Behne, Vize ist Peter Böck, Andrea Murer ist Schriftführerin, Kassiererin ist Sandra Sommer, Organisator ist Dirk Murer. Bei Umzügen werden die Buure mit Rauch und Kohle unterwegs sein. Der Ruf lautet: "Feuer Buure! – Dürra brenn! Jubel!" Weitere Informationen zur Zunft gibt es im Internet unter: www.feuerbuure.de.
  • Termine und Aussichten: Beim Umzug am Montag laufen die Feuerbuure noch nicht mit, werden dennoch die ganze Fastnacht über in Bad Dürrheim präsent sein. Außerhalb nehmen sie am Nachtumzug in Pfaffenweiler teil, sind in Aichhalden, Marbach, Weigheim, Todtmoos, Lörrach, Büsingen und in Frankreich. Zum Abschluss der Fasnet in Dürrheim werden sie in Frack und Zylinder an Aschermittwoch um 17 Uhr an der Stillen Musel eine Geldbeutelwäsche veranstalten. Die Feuerbuure-Taufe wird am 2. Juli, dem Gründungstag der Zunft, beim Bohrturm abgehalten.

Die Großbrände in Bad Dürrheim

  • 1674 erster Großbrand: Am 13. August 1674 brach in Bad Dürrheim der erste bekannte Großbrand aus. Er ist in den Akten des katholischen Pfarramtes beurkundet. Wie der Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins, Jürgen Kauth, recherchierte, steht wörtlich darin geschrieben: "Im Dorf Dürra sind elf Firsten – das sind Häuser und Scheuern – verbronnen." Der Ursprung des Feuers wurde nicht ermittelt. Im Kirchenbuch steht, dass "dies nur Gott der Herr, der strafen und übersehen kann, allein weiß, dass das der Teufel war." Aus einer handschriftlichen Ortschronik von Dürrheim, im Jahre 1850 von einem Lehrer namens Leute verfasst, ist bekannt, dass vor 303 Jahren der letzte Großbrand wütete.
  • 1715 zweiter Großbrand: Am 2. Heumonat (Juli) im Jahre des Herrn 1715, am Fest Maria Heimsuchung (2. Juli) entstand während des Gottesdienstes eine entsetzliche und grausame Feuersbrunst, die innerhalb einer dreiviertel Stunde 26 Gebäude in Schutt und Asche legte. Durch den Wind entstand ein Feuersturm, gegen den sich niemand schützen konnte. Als Ursprung wurde ein Haus lokalisiert, wo heute die Friedrichstraße anfängt. Brennende Holzschindeln und Heu wurden vom Sturm Richtung Kirche getragen. Auch Pfarrkirche, Zehntscheuer, Gemeindeschmiede und der Hänslehof brannten nieder, sogar die Kirchenglocken schmolzen. Auch hier machte die Kirche den "Feuerteufel" verantwortlich. So entstand die Geschichte, dass der Teufel in Gestalt eines einfachen Bauern den Brand in der heutigen Friedrichstraße gelegt habe.