Mit der Dreifach-Prädikatisierung als Sole-Heilbad, Heilklimatischer Kurort und Kneipp-Kurort hat Bad Dürrheim durch seine Gesundheitslandschaft ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal. Die Stadt ist weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt. Einen bedeutenden Anteil daran haben die acht in Bad Dürrheim angesiedelten Reha-Kliniken. Sie stellen in Summe den größten Anteil an Arbeitgebern und sind die größten Beherbergungsbetriebe in der Stadt mit den meisten Betten. Die Kliniken stellen den größten Anteil der Übernachtungszahlen Bad Dürrheims.

Das Areal der Klinik Hüttenbühl ist sehr weitläufig angelegt und ruhig gelegen.
Das Areal der Klinik Hüttenbühl ist sehr weitläufig angelegt und ruhig gelegen. | Bild: Klinik Hüttenbühl

Der SÜDKURIER stellt in einer losen Serie anhand von acht Fragen die Kliniken vor. Heute: die Klinik Hüttenbühl.

  1. Welche Fachrichtung hat die Klinik?

Bei der Klinik Hüttenbühl handelt es sich um eine Reha-Klinik der Deutschen Rentenversicherung (DRV), die sich der Psychosomatik und der Psychotherapie verschrieben hat.

  1. Wie entstand die Klinik und was hat sich im Laufe der Zeit verändert?

Die heutige Fachrichtung hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Im DRV-Verbund war der Hüttenbühl die erste Klinik, die 1973 als reine Kinder- und Jugendkurklinik konzipiert war. „Das ist auch der Grund, warum wir hier vieles in sehr großen Dimensionen gebaut haben, so zum Beispiel unser 25-Meter-Schwimmbecken“, erläutert Jörg Wittmann, der kaufmännische Direktor. Von 1998 bis 2002 wechselte die Fachrichtung zur Internistik, bis sie ab 2002 wieder rein psychosomatisch ausgerichtet wurde. „Die Fachrichtung konnte sich so optimal entwickeln“, betont Wittmann.

Verändert habe sich nicht nur in der Klinik Hüttenbühl, sondern generell die Rehabilitation als solche. „Früher ging man unter dem Motto ,Morgens Fango, abends Tango‘ zur Reha. Heute ist eine moderne Reha ziemlich anstrengend“, erklärt der ärztliche Direktor, Harald Schickedanz.

  1. Wie viele Mitarbeiter sind in der Klinik beschäftigt und aus welchem Umkreis?

Die Klinik Hüttenbühl beschäftigt rund 130 Mitarbeiter, wovon ein sehr hoher Anteil in Teilzeit arbeitet. „Wir sind ein sehr familienfreundlicher Betrieb und aus meiner bundesweiten Erfahrung heraus kann ich die Verhältnisse hier als paradiesisch bezeichnen“, attestiert Harald Schickedanz dem Haus. Mit einem sehr aktiven Personalrat würde Transparenz und Arbeitsplatzsicherheit eine besondere Rolle im Klinikum spielen. Die Mitarbeiter kommen überwiegend aus der Region, Fachkräfte würden aber auch aus Freiburg und der weiteren Umgebung nach Bad Dürrheim kommen.

  1. Wie macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar?

Jörg Wittmann betont, dass die Klinik Hüttenbühl zwar auch Schwierigkeiten habe, den einen oder anderen Platz neu zu besetzen, doch aufgrund vieler persönlicher Beziehungen sei es immer nur eine Frage der Zeit, bis vakante Stellen vergeben sind. „Wir haben einen guten Ruf und wenig Fluktuation. Die Arbeitsplätze lassen viel Spielraum zur eigenen Entfaltung und so spüren wir keinen echten Mangel an Fachkräften“, sagt der kaufmännische Direktor.

  1. Welche Fortbildungsangebote und Arbeitszeitmodelle bietet die Klinik?

Fortbildung wird in der Klinik Hüttenbühl, wie auch in vielen anderen Häusern, großgeschrieben. Innerhalb des Klinikverbundes habe man aber hier in Bad Dürrheim mit den höchsten Ausgabensatz für die Fortbildung der Mitarbeiter. So kann beispielsweise die komplette Facharzt-Ausbildung im Haus absolviert werden. Die Wünsche der Mitarbeiter finden Gehör, was zur Mitarbeiterzufriedenheit beiträgt, die wiederum grundlegend für die geringe Fluktuation sei.

Arbeitszeitmodelle lassen sich laut Wittmann viele finden. „Unserer Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt, solange der Patient im Fokus bleibt.“ Die Therapieplanung sei dadurch aber auch ein sehr komplexes Thema geworden.

  1. Wie viele Patienten hat die Klinik pro Jahr und aus welchem Einzugsgebiet?

Pro Jahr werden 1600 Patienten betreut, die im Durchschnitt zwischen 38 und 40 Tage im Haus verbringen. Durch die Zugehörigkeit zur Deutschen Rentenversicherung ist das Einzugsgebiet bundesweit, wobei dennoch viele aus Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen kommen. Im Schnitt sind die Patienten über 50 Jahre alt, sind seelisch schwer betroffen und vereinen meist zwischen fünf und sieben Krankheitsbilder.

  1. Warum kommen diese Patienten nach Bad Dürrheim zur Klinik Hüttenbühl?

Vom Wunsch- und Wahlrecht würden nur wenige Patienten Gebrauch machen. Dennoch empfehlen viele niedergelassene Ärzte die Klinik Hüttenbühl und ihren Therapieansatz. Dieser beruht auf der Therapie in Gruppen. „Die Veränderung eines Menschen im Rahmen einer Reha muss von innen kommen. Aber hier wird keiner allein gelassen und die Gruppendynamik spielt dabei eine tragende Rolle. Denn es geht besser, sich innerlich zu verändern, wenn man es nicht allein machen muss“, so Harald Schickedanz.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der erhöhte Zusammenhalt in den Gruppen und der Austausch über die Probleme und Schwierigkeiten des Alltags bei vielen den inneren Prozess in Gang setzt, den es für eine erfolgreiche Reha braucht.“ Gerade in Zeiten der gesellschaftlichen Vereinsamung brächten diese gemeinschaftlichen Aktionen viele Vorteile mit sich.

Der ärztliche Direktor Harald Schickedanz (links) und der kaufmännische Direktor Jörg Wittmann haben einen gemeinsamen Traum: eine Erweiterung der Klinik Hüttenbühl.
Der ärztliche Direktor Harald Schickedanz (links) und der kaufmännische Direktor Jörg Wittmann haben einen gemeinsamen Traum: eine Erweiterung der Klinik Hüttenbühl. | Bild: Klinik Hüttenbühl
  1. Wo sieht sich die Klinik in fünf Jahren, was sind die Pläne für die Zukunft?

„Wir haben sehr viele Ideen. Doch durch die Einbettung in die deutsche Rentenversicherung sind unsere Möglichkeiten eingeschränkt“, so Wittmann. Viele Faktoren sprächen für eine Erweiterung der Klinik – der Traum des kaufmännischen wie auch des ärztlichen Direktors. Bisher sei dies aber politisch nicht durchsetzbar gewesen. Beschlossen ist aber der Umbau des Bewegungs- und Therapiebereiches. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll hieraus ein modernes Trainingszentrum entstehen. Ein weiterer Baustein zur Modernisierung der Rehabilitation.