Der frühere Revierförster und Wanderführer beim Schwarzwaldverein, Ewald Weber, ist für seine informativen Exkursionen mit seinen Vereinsfreunden gut bekannt. Erst jüngst hat man sich mit dem Thema Biber ausführlich beschäftigt, nun eröffnet Weber seinen Wanderfreunden die Thematik einer ökologisch orientierten Waldbewirtschaftung und wie die Jagd damit zusammenhängt. Er macht dies jetzt an einem neun Kilometer langen Streifzug durch die nördlichen Wälder Bad Dürrheims deutlich:

Baumarten und Waldstruktur

Eigentlich höre sich die nördliche Bewaldung Bad Dürrheims nach Webers Ausführungen recht gesund an. Starke Fichten und Tannenbestände sind mit einer gesunde Mischung an Buchen, Eichen, Linden, Erlen und Eschen durchsetzt. Allerdings sind in diesem Fall zwei Orkane für die Diversität unter den Bäumen verantwortlich. 28 000 Meter Sturmholz verzeichneten die Jahrhundertstürme „Vivian“ und „Wiebke“ 1990 alleine in den bescheidenen Wäldern Bad Dürrheims. Sturm Lothar hatte 1999 ähnliche Ausmaße, was allein das Sturmholz angeht.

Ex-Revierförster Ewald Weber (rechts) weiß immer, interessante Geschichten über eine ökologische Waldbewirtschaftung und die Jagd zu erzählen. Aktuell gibt er tiefe Einblicke in den heimischen Forst. Bild: Alexander Hämmerling
Ex-Revierförster Ewald Weber (rechts) weiß immer, interessante Geschichten über eine ökologische Waldbewirtschaftung und die Jagd zu erzählen. Aktuell gibt er tiefe Einblicke in den heimischen Forst. Bild: Alexander Hämmerling

Bei der Wiederbepflanzung und Pflege sich natürlich entwickelnder Jungbestände achtete die Forstbehörde auch auf eine entsprechend vielfältige Waldstruktur. „Nichtsdestotrotz gilt es noch, zu starke Fichtenbestände abzubauen, diese sind noch Nachfolgebäume eines Orkans von 1967. Auch wurde stark auf die Esche gesetzt, was im Nachhinein ebenfalls negative Folgen hatte“, führt Weber aus. In den vergangenen beiden Jahren waren nunmehr auch Wetterextreme mit besonderer Waldtrockenheit zu beobachten.

Leichtes Spiel für den Borkenkäfer

Grundsätzlich leiden alle Baumarten unter der extremen Trockenheit, besonders hart sind jedoch Tiefwurzler wie die Tanne oder Kiefer, deren Wurzeln mit senkrechter Hauptwurzel viele Meter tief ins Erdreich reichen, von ihr betroffen. Bei extremer Trockenheit sickert nur noch wenig Regenwasser in die tieferen Erdschichten. „Alle Bäume sind durch die Temperaturen gestresst und geschwächt“, fährt Weber fort. Die schwindende Widerstandsfähigkeit macht es das „Spiel für den Borkenkäfer leicht“. Bildlich gesprochen könnte man meinen, dass die nur millimetergroßen Winzlinge in gemeinschaftlich koordinierten Angriffen große und stattliche Waldbestände ins Taumeln bringen können. Doch die Tiere gehen natürlich nur ihrem Instinkt nach. „Wir gehen davon aus, dass durch das Wetter dieses Jahr drei Generationen der Käfer geschlüpft sind“, erläutert Weber außerdem.

Pilze bereiten Probleme

Hinzu geselle sich seit etwa zehn Jahren ein weiteres Phänomen. Eine Pilzart verursache zunehmend das Eschentriebsterben. An manchen Eschenbeständen kam es laut Weber „zu einem totalen Absterben“. So ließen Hitze, Käfer und Pilz auch in Bad Dürrheim große Lichtungen und Lücken in der Waldformation klaffen. Auch hier gelte nun die Maxime, dass die „Diversität die Zukunft sei“. Bei nachkommenden Jungpflanzen und der Wiederbewaldung gelte es, besonders auf eine gute Mischung zu achten, damit ein einzelnes Phänomen durch Schädlinge oder Hitze sich dann nicht zu sehr auf das Gesamtbild des Walds auswirke.

Mitglieder des Schwarzwaldvereins auf einer neun Kilometer langen Wanderung in den nördlichen Wäldern Bad Dürrheims. Mit dabei war auch das Ehepaar Ulla Lucht (links) und Reinhard Lucht (Mitte). Das Angebot beschränkt sich jedoch nicht nur auf Vereinsmitglieder. Bei den Exkursionen und Wanderungen des Schwarzwaldvereins sind stets auch Nichtmitglieder und Gäste willkommen. Bild: Alexander Hämmerling
Mitglieder des Schwarzwaldvereins auf einer neun Kilometer langen Wanderung in den nördlichen Wäldern Bad Dürrheims. Mit dabei war auch das Ehepaar Ulla Lucht (links) und Reinhard Lucht (Mitte). Das Angebot beschränkt sich jedoch nicht nur auf Vereinsmitglieder. Bei den Exkursionen und Wanderungen des Schwarzwaldvereins sind stets auch Nichtmitglieder und Gäste willkommen. Bild: Alexander Hämmerling

„Eine Glaskugel habe ich nicht, mal sehen, wie das Wetter sich in den kommenden Jahren entwickelt. Man kann nur hoffen, dass sich nun über den Herbst und Winter genügend Feuchtigkeit für die Bäume anspart“, konstatiert Weber. Summa summarum ergibt sich neben der regulären Waldstruktur Bad Dürrheims auf der einen Hand das Bild von teils großen Lücken, auf der anderen aber auch das sogenannter Dickungen, das genaue Gegenteil also: Das sind Ansammlungen von Jungbeständen bis zu einem Alter von 25 Jahren, die auf die auf Pflege und Bepflanzung durch die Orkane von 1990 und 1999 zurückgehen und zum Teil recht großflächig ausfallen können.

Die Jagd als Crux

Hier komme das Thema Jagd ins Spiel. In diesen Verdickungen halten sich Rehwildbestände nur allzu gerne auf, knabbern neben den Gräsern und Beerensträuchern auch an allen Gipfeltrieben von Jungbäumen von einer Höhe von etwa bis zu einem Meter. Parallel seien die Rehe für Jäger in diesen Dickungen recht schwer zu erspähen. Man müsse nun zusehen, dass die Belastung für die Vegetation durch die Rehwildbestände kein Übermaß annehme. „Ich bin ja selbst Jagdpächter in diesem Gebiet. Der Wildbestand in den Wäldern von Bad Dürrheim ist für die Forst- und Waldbesitzer erträglich“, hält Weber fest. Aber auf die Balance ist eben penibel zu achten. „Wir halten den Wildbestand im Griff“, so Weber. So ergibt sich für Waldbesitzer und Jäger kein Nullsummenspiel. Eine Kontrolle der Rehwildbestände sorgt für einen gesünderen Wald, der Jäger wiederum freut sich mir der Abnahme der Zahl der Tiere über ein erhöhtes Wildbretgewicht, wie man in den vergangenen Jahren festgestellt hat.

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