Doppeltes Pech für den Angelsportverein Unterbaldingen (ASV): Im vergangenen Jahr hatte die pompöse 1250-Jahr-Feier von Ober- und Unterbaldingen die Feier zum 40. Vereinsgeburtstag verhindert, dieses Jahr nun kam die Corona-Krise der für das erste Juli-Wochenende geplanten Fete in die Quere. Ungeachtet dessen hat ein kleines Team des Fischerclubs mit acht Mann an den vergangenen Wochenenden für die Fertigstellung des lange geplanten Stegs kräftig angepackt. Auch Fischerhütte, die seit 2016 im Bau ist, ist nahezu fertig. All dies sollte bei der Jubiläumsfeier offiziell eingeweiht und der Öffentlichkeit präsentiert werden. So verläuft die Fischersaison 2020 am Niederwiesensee mit Naturschutz, Landschaftspflege und Fürsorge für das Flossentier in ruhigen Bahnen.

Viele Arbeitsstunden stemmen die Angelsportler, bis der neue Steg endlich fertiggestellt ist.
Viele Arbeitsstunden stemmen die Angelsportler, bis der neue Steg endlich fertiggestellt ist. | Bild: Alexander Hämmerling
  • Steg: Die Finanzspritze von 6000 Euro durch die Teilnahme am Vereinswettbewerb 2019 vom SÜDKURIER und der Sparkasse Schwarzwald-Baar sorgte dafür, dass der Steg realisiert werden konnte. Etwa die Hälfte des Betrages floss in die Materialkosten, den Rest erarbeiteten sich die Angler komplett in Eigenleistung. Die vier Trägerpfosten aus Robinienholz spendierte noch der städtische Forstbetrieb Geisingen, die Balken und Bretter aus der Douglasie, für den hölzernen Terrassenbau besonders geeignet, besorgten sich die Angler selbst. So ging es mit Motorsäge, Akkuschrauber, Hammer und Nägeln ans Werk. Gemeinsam mit der unterhalb des Stegs angesiedelten Bootsanlegestelle entstanden so etwa 100 Quadratmeter feinste Holzkonstruktion, betörender Ausblick auf den Niederwiesensee und die Waldlandschaft inklusive. Ein den Steg umsäumendes Geländer und ein kleiner Treppengang zur Anlegestelle müssen noch fertiggestellt werden. Unter dem Steg werden künftig die zwei Anglerboote des wohl kleinsten Vereins Bad Dürrheims die ganze Saison über „geparkt“. Sie sind über die Anlegestelle nun bequem zu besteigen. „Eine große Erleichterung für unsere Angler, bei Bedarf mussten die Boote bisher von Land aus zum Gewässer angeschleppt werden“, freut sich das Vorstandsduo Sebastian Hansmann und Stefan Müller.
Am Niederwiesensee wird fleißig gewerkelt.
Am Niederwiesensee wird fleißig gewerkelt. | Bild: Alexander Hämmerling
  • Klassenzimmer am See: Der Steg ist nunmehr auch der zentrale Ausgangspunkt für das Projekt „Klassenzimmer am See“, das der Club in Kooperation mit der Ostbaarschule betreibt. „Das Projekt soll Flora und Fauna unseres Sees für Kinder erlebbar machen“, erklärt Müller. Mögen die Ausmaße des Niederwiesensees doch bescheiden erscheinen, so bietet die durch die Angler gepflegte Naturlandschaft mit ihren Larven, Laich, Wasserläufern sowie vielen Fisch- und Pflanzenarten für das Kinderauge ein Erlebnisparadies. „Die Kinder treffen sich hier und erkunden mit ihren Lehrern alles, was kreucht und fleucht. Wir stehen natürlich auch beratend zur Verfügung. Zuletzt waren sie vergangenes Jahr hier“, fährt Müller fort. Dieses Jahr lässt der Anruf aus der Ostbaarschule noch auf sich warten. Eine erste Kooperation mit der Grundschule entstand vor drei Jahren, als die Angler mit den Kindern gemeinsam Nistkästen bauten und an der Bepflanzung am See anbrachten.
  • Fischkinderstube: Die restlichen Mittel aus dem Vereinswettbewerb sollen in eine Fischkinderstube fließen. In einer Flachwasserzone können Jungfische vor Räubern wie dem Kormoran, Wels, Hecht oder Zander geschützt sicher gedeihen. Schutzmaßnahmen wie Wurzelteller, Schilf, Äste und Steine sollen den Jungfischen sicheren Unterschlupf bieten. Dabei sind die Fischbestände im Niederwiesensee durch eine gesunde Regeneration seit Jahren stabil. „Dieses Jahr wollen wir aber doch mit dem Aussetzen von etwa 10 000 Weißfischen wie dem Rotauge oder Moderlieschen eventuell nachhelfen“, so das Vereinsduo.
  • Wunsch: Investitionen von 20 000 Euro waren 2016 für den Bau der Fischerhütte am See eingeplant, nach Aussagen der Vereinsspitze hat sich der Betrag mittlerweile verdoppelt. Nach und nach änderte sich die Vorstellung einer genügsamen Kleinkonstruktion hin zu einem aufwändigeren Domizil mit gefliestem Boden, Küche und Toilette. „Im Moment kann man wohl sagen, dass der Verein die Hälfte des Gesamtbetrags getragen hat und die Spender den Rest beisteuerten. Aber irgendwann sind auch die Spendenmöglichkeiten abgegrast“, so Müller und Hansmann. Eigens riefen die Angler 2017 ihr Vatertagsfest ins Leben, die Sause am See generierte auch einträgliche Einnahmen. „Das Fest fällt dieses Jahr neben der Jubiläumsfeier natürlich auch ins Wasser, aus finanzieller Hinsicht verzögert es auch die Fertigstellung der Hütte“, heißt es von den Vorsitzenden. Elektroarbeiten, Fertigstellung der Küche und die Beleuchtung stehen noch an. Bisher liefert ein Generator den Strom. Das Schmankerl an Komfort wäre noch eine Versorgungsleitung mit Strom und Wasser ab dem Klärwerk zur Hütte hin. Hier steht eine nötige Investition von 30 000 Euro im Raum. „Die Sache wurde ja schon längst diskutiert, wir erhoffen uns einfach weiterhin Unterstützung von Ortschafts- und Gemeinderat, damit die Sache nicht vollkommen in Vergessenheit gerät. Dann bräuchten wir auch kein Kubikfass Wasser mehr zur Nutzung der Toilette hier draußen“, so das Vorstandsduo.