Hotellerie und Gastronomie sind neben dem Einzelhandel und der Veranstaltungswirtschaft zwei der Branchen, die unter den Auswirkungen der Pandemie am meisten leiden – bis hin zur Existenzbedrohung und das nicht nur in Bad Dürrheim. Alexandra Limberger, Sprecherin des Hotel- und Gaststättenverbandes (HoGa) Bad Dürrheim, schreibt angesichts der Pläne der Bundesregierung für einen erneuten Lockdown einen Brandbrief.

Dass muss jetzt mal gesagt werden

Im Wortlaut schreibt Limberger: „Dank der erfolgten Lockerungen im Frühjahr dieses Jahres und sehr ausgefeilten Hygienekonzepten haben sowohl die Bad Dürrheimer Hotels als auch die Gastronomie wieder Hoffnung geschöpft. Zimmer und Tische haben sich nach und nach wieder gefüllt, wenn auch gegenüber dem Vorjahr noch immer stark reduziert. Strikt eingehaltene Hygienekonzepte haben dafür gesorgt, dass deutschlandweit weder von Hotels noch von Restaurants ein auffälliges Infektionsgeschehen ausgegangen ist.“

Trotz alledem hat die Politik zur Eindämmung der Pandemie zwischenzeitlich ein Beherbergungsverbot erlassen, das Mitte Oktober in aller Munde war. Durch dieses zeitweilige Beherbergungsverbot und den dringenden Appell der Bundeskanzlerin, zuhause zu bleiben, wurde durch die Hintertür faktisch der zweite Lockdown für die Hotellerie eingeläutet. Es ist eine Situation entstanden, wie sie bereits Mitte März vorlag (wir berichteten). Limberger weiter: „ Eine Welle der Stornierungen ist über uns gezogen. Einer gesamten Branche wird so schrittweise die Existenzgrundlage entzogen. Erst die besonnene Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg hat dazu geführt, dass zunächst in Baden-Württemberg und später auch in anderen Bundesländern das Beherbergungsverbot gerichtlich oder zum Teil auch politisch gekippt wurde. Der Schaden war jedoch schon angerichtet.“

Vergangene Woche nun wurde die gesamte Schweiz zum Risikogebiet erklärt, was zu einem kompletten Zusammenbruch des Schweizer Marktes führte. Wegen der angeordneten Einreise-Quarantäne reisen Schweizer Kunden nun vorerst nicht mehr zur Urlaubszwecken nach Deutschland.

Gastrobetriebe keine „Verbreiter“

Von den Hotel- und Gastronomiebetrieben, die ein vernünftiges Hygienekonzept umgesetzt haben, ging in den vergangenen Wochen und Monaten erwiesenermaßen kein erhöhtes Infektionsrisiko aus, erklärt die Geschäftsfrau. Es sei deshalb unverständlich, dass der Branche seitens der Politik unterstellt wird, für die Verbreitung des Virus in hohem Maße verantwortlich zu sein. „Das Gastgewerbe hat in den vergangenen Monaten hoch professionell auf die Pandemie reagiert und in der Regel mehr als die behördlichen Vorgaben umgesetzt“, verdeutlicht Limberger. Die Maßnahmen sind zum Teil mit erheblichem finanziellem Aufwand und Einbußen verbunden.

Obwohl seit dem Frühjahr von der zweiten Welle im Herbst gesprochen wurde, wurden keine verlässlichen Konzepte seitens der Politik erarbeitet. Jetzt werden hastig und panisch regelmäßig neue Verordnungen erlassen. Der von der Bundeskanzlerin erneut angestrebte Lockdown, der insbesondere wieder die Gastronomie und Hotellerie treffen wird, wird die zarten Verbesserungen im Geschäftsgang der Branche und damit jedes Fünkchen Hoffnung zunichtemachen. Betriebe, die um ihre Existenz kämpfen, werden ohne eigenes Verschulden immer weiter in die Insolvenz gedrängt.

Der jetzt diskutierte Lockdown hätte für die gesamte Branche sowie deren Zulieferer fatale Folgen. „Wir fordern die Politik auf, zu dem von ihr angerichteten Kurz-, Mittel- und Langzeitschaden zu stehen und der Hotellerie nun endlich wirksam zu helfen! Unsere so dermaßen hart und existenzgefährdend betroffene Branche muss entschädigt und allen Betroffenen angemessene Beihilfen gewährt werden!“, schließt sich Limberger der Forderung von Markus Luthe, Geschäftsführer des IHA-Hotelverbandes, an.

Wettbewerbsnachteil durch Kurtaxe

Gemäß neuer gesetzlicher Vorgaben sollen künftig auch Geschäftsreisende, die kurörtlichen Angebote überhaupt nicht wahrnehmen, Kurtaxe bezahlen. Da weder in Villingen-Schwenningen noch in Tuningen und Geisingen, wo gerade zahlreiche Hotelneubauten entstehen, eine Kurtaxe erhoben wird, findet hier in existenzgefährdenden Zeiten eine extreme Marktverzerrung statt. Außerdem wurden für den Verträgen mit Reiseveranstaltern für die kommende Saison die bisherige Kurtaxe von 2,50 Euro zugrundegelegt.

Wenn den Verantwortlichen der Stadt Bad Dürrheim an der Entwicklung Bad Dürrheims als touristischer Standort gelegen ist, gilt es dringend die Notbremse zu ziehen. Wir können an die Verantwortlichen nur vehement appellieren, in diesem Fall der Aussage der Bundeskanzlerin zu folgen, die vergangene Woche konstatiert hat, dass sich in dieser Zeit jegliche Steuererhöhungen verbieten.

Forderungen des HoGa Bad Dürrheim

  • Die Branche muss endlich unbürokratisch finanziell spürbar unterstützt werden.
  • Stoppen der Negativkommunikation. Das Verhängen von Verboten, Reisewarnungen und der Aufruf zu Hause zu bleiben schürt diffuse Ängste.
  • Eine einheitliche, strategische und planbare Vorgehensweise der Politik im Großen wie vor Ort ist angesagt.

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