Südlich von Unterbaldingen soll bis zur Gemarkungsgrenze auf einer Länge von rund 1000 Metern Gewässerstrecke die Kötach renaturiert werden. Der Entschluss zu diesem Vorgehen besteht schon länger, nimmt nach komplexer Vorarbeit nun aber Formen an. Den aktuellen Stand der Entwurfsplanung und die Kostenkalkulation stellte Landschaftsplaner Bernd Schuler vom Planungsbüro Kapfer aus Tuttlingen vor.

  • Ausgangssituation: Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der Europäischen Union (EU) verpflichtet die Mitgliedstaaten, in einer angemessenen Zeit an allen Gewässern die Voraussetzungen für einen guten ökologischen Zustand zu schaffen. Die Gemeinden als Unterhaltspflichtige sind für die Erfüllung der Vorgaben bei den Gewässern zweiter Ordnung zuständig. In früheren Sitzungen hat der Gemeinderat bereits Mittel für die Planung der Umgestaltung der Kötach unterhalb von Unterbaldingen bis zur Kreisgrenze beschlossen. Für die Planung der Gewässerumgestaltung wurde mit dem Ingenieurbüro Kapfer aus Tuttlingen ein Architektenvertrag abgeschlossen.
  • Die Kötach: Die Kötach entspringt am südlichen Ortsrand Tuningens. Als kleines Rinnsal fließt sie zunächst in südwestlicher Richtung und speist in ihrem Verlauf den aufgestauten Suntauser See. Die Kötach fließt durch Sunthausen hindurch. Für einige Jahrhunderte teilte sie den Ort in eine evangelische und eine katholische Hälfte. Von Sunthausen aus, fließt die Kötach an Biesingen vorbei und trennt danach die Siedlung „Am Hörnle“ vom Ortskern Oberbaldingen und passiert schließlich das links liegende Unterbaldingen, wobei sie auf ihrem weiteren Weg aus der Kläranlage Kötachtal die gereinigten Abwässer der Ostbaar aufnimmt. Bei Geisingen mündet die Kötach schließlich in die noch junge Donau. Die Kötach ist „Vorrangstrecke nach Wasserrahmen-Richtlinie“.
  • Zustand und Herausforderungen: Die Kötach fließt, kanalartig ausgebaut in einem begradigten und dadurch auch verkürzten Lauf. Die Kötach ist stark eingetieft, was zur Instabilität der Ufer führt und eine aktive Umgestaltung erschwert. In den vergangenen Jahren sorgte die Kötach regelmäßig bei starken Regenfällen und Schneeschmelze für Überflutungen in Sunthausen.
  • Bodenuntersuchungen: Nach der Feststellung von Bodenbelastungen, wurde das Ingenieurbüro Dieck mit weiterführenden Bodenuntersuchungen beauftragt. Die weiteren Untersuchungen ergaben nur vereinzelt schwach erhöhte Werte mit PAK (polycyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), ansonsten stellenweise geogen bedingt leicht erhöhte Werte von Schwermetallen, Arsen und Cyaniden. Das Landratsamt hat einer möglichen Verwertung des überwiegenden Teils des Ober- und Unterbodens auf landwirtschaftlichen Flächen zugestimmt. Laut Stefany Lambotte vom Umweltbüro in Donaueschingen wird es keine Nachteile durch die Wiederverwendung des Erdreiches in anderen Bereichen geben.
  • Planung: Der Gewässerlauf soll zum Beispiel im Bereich des Niederwiesensees künftig mäandern. Durch die teilweise Auffüllung mit Boden wird sich die Kötach um rund 200 Meter verlängern. Darüber hinaus ist eine Sohlanhebung zwischen 30 und 50 Zentimeter geplant. Wurzelstöcke, Totholz und Kies sollen als Strukturelemente dienen. Pflanzen, Gehölze und Bäume sollen für die Verschattung des Gewässers sorgen. Mit einer Aufweitung und dem Abtrag des Steilufers soll das Ufer neu gestaltet werden.
  • Zeitplan: Der wasserrechtliche Genehmigungsplan sieht die Ausarbeitung und Einreichung beim Landratsamt bis Ende 2020 vor. Mit der wasserrechtlichen Genehmigung wird Februar/März 2021 gerechnet. Die Bewilligung der Fördermittel wird für Februar/März 2021 erwartet, gefolgt von der Ausschreibung für die Gewässerbauarbeiten, deren Vergabe Juni/Juli 2021 erfolgen soll. Baubeginn soll im September 2021 sein, Bauende im November. Die aus der Maßnahme resultierenden Saatarbeiten sollen im Frühjahr 2022 stattfinden.
  • Kosten und Finanzierung: Die Gesamtkosten für die Maßnahme sind mit 405 000 Euro veranschlagt. Sofern die Ausführung noch im Herbst 2021 stattfindet soll noch in 2021 der Antrag zur Auszahlung der Fördermittel in Höhe von 85 Prozent gestellt werden. Die Förderzusage ist bereits eingegangen. Der Stadt Bad Dürrheim werden für die Umsetzung der Maßnahme und die Kosten, die sie in diesem Rahmen übernehmen muss, Ökopunkte gutgeschrieben. In diesem Fall wären dies aktuell 240 000 Punkte.
  • Stimmen aus dem Gemeinderat: Nachdem sichergestellt sei, dass die Drainagen in den Feldern berücksichtigt sind, der Ortschaftsrat Unterbaldingen habe keine Einwände gegen das Projekt, erklärte Ortsvorsteher und Gemeinderat Jürgen Schwarz. SPD-Stadträtin Derya Türk-Nachbaur erkundigte sich nach dem Baumschutz im Hinblick auf die dort bekanntermaßen rege Biber-Tätigkeit. Außerdem wollte sie wissen, ob sich ein Vorher-/Nachher-Zustand des Fischbestandes eruieren lasse, um so eine eventuelle Verbesserung oder Verschlechterung auf den Fischbestand feststellen zu können. Auf diese Frage hin erklärten die Experten, dass vor Beginn der Maßnahmen eine sogenannte „Elektroschock-Befischung“ durchgeführt werde. Das heißt, die zu diesem Zeitpunkt im Gewässer lebenden Fische werden leicht betäubt, eingefangen und versetzt. Da jedoch aufgrund des Ausfalls der Kläranlage im Juli ungefähr 1400 Kubikmeter Abwasser in die Kötach gelangten, was ein Fischsterben zur Folge hatte, sei eher eine Verbesserung denn Verschlechterung durch die Renaturierung zu erwarten, schob Jürgen Schwarz nach. In Bezug auf die Biber, so Stefany Lambotte vom Umweltbüro Donaueschingen, würden die gepflanzten Bäume ein Drahtgitter als Schutz erhalten. Allerdings würden nicht viel Bäume gepflanzt werden und die vorgesehenen Gehölze würden relativ schnell nachwachsen und nicht so sehr vom Biberbiss beeinträchtigt werden.

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